Der 35 Jahre alte Mann, der im November vorigen Jahres seine fünf Jahre jüngere Frau in Bad Cannstatt erstochen hat, leidet dem psychiatrischen Gutachter zufolge zwar an einer depressiven Störung, ist aber voll schuldfähig.

Stuttgart - Der 35 Jahre alte Mann, der im November vorigen Jahres seine fünf Jahre jüngere Frau in Bad Cannstatt erstochen hat, leidet dem psychiatrischen Gutachter zufolge zwar an einer depressiven Störung, ist aber voll schuldfähig. Am Dienstag hat sich der Angeklagte überraschend zur Tat geäußert.

Er sei sehr wütend gewesen, sagt Massimo B. vor der 1. Schwurgerichtskammer. Wütend, weil ihm seine Frau im Herbst 2008 nach acht Jahren Ehe die Tür gewiesen hatte und er in einem schäbigen Zimmer in Zuffenhausen wohnen musste. Wütend, weil sie die beiden drei und sieben Jahre alten Söhne bei sich behalten wollte. Wütend und wohl auch verzweifelt, weil er laut Gutachter Dr. Wolfgang Wagner unter Verlustängsten leidet. Deshalb griff Massimo B. am 11. November 2008 zum Messer. Und deshalb sitzt der bis zu der Bluttat unbescholtene Italiener jetzt wegen heimtückischen Mordes aus niedrigen Beweggründen auf der Anklagebank.

Der 35-Jährige hat allem Anschein nach nicht im Affekt, nicht aus plötzlich überschäumender Wut getötet. Dem Gutachter hatte er gestanden, er habe schon Tage vor der Tat daran gedacht, seine Frau umzubringen. Trotz seines Auszuges war er in Kontakt mit der 30-Jährigen geblieben - wegen der Kinder und weil sie ihm offenbar immer noch die Wäsche machte.

Massimo B. wird von seiner Schwägerin als "typischer italienischer Macho" beschrieben. Das will Gutachter Wagner nicht so recht glauben. Machos seien narzisstisch, also selbstverliebt veranlagt. Der Angeklagte habe aber beispielsweise brav den Wohnungsschlüssel abgegeben, als ihn seine Frau aus der Wohnung gewiesen habe. "Das deutet auf eine depressive Persönlichkeit hin", so Wagner. Ursache dafür könne der traumatische Tod seiner Schwester sein, die 1996 an einem Asthmaanfall in seinen Armen gestorben war. Massimo B. habe deswegen Schuldgefühle und Angst vor dem Verlassenwerden.

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