Stuttgart steht für mehr als nur für Porsche und Bosch. Bei der Messe „Made in Stuggi“ im Römerkastell gibt es viele Köstlichkeiten und ausgefallene Ideen.
Wer sich am Wochenende bei nass-kaltem Wetter vor die Türe wagt und die Messe „Made in Stuggi“ besucht, kann über die vielen kreativen Ideen nur staunen, mit denen einige Menschen in der Region ihr Geld verdienen. Am Samstagnachmittag ist die Phönixhalle im Römerkastell, wo die „Stuggi“ in diesem Jahr stattfindet, prall gefüllt. Mehr als 80 Stände sind es in diesem Jahr. Interessiert plaudern die Besucherinnen und Besucher mit einem Glas Wein in der Hand mit den Standbetreibern, probieren hier und da eine kleine Köstlichkeit, bewundern die meist in liebevoller Handarbeit gefertigten Produkte. „Ich bin seit zwei Stunden da und bin begeistert. Normalerweise besorge ich meine Weihnachgeschenke auf den letzten Drücker. Jetzt habe ich schon zwei gefunden“, sagt Rike Hahn lachend.
Kulinarisch muss sich Stuttgart nicht verstecken
Kulinarisch muss sich die Schwabenhauptstadt vor anderen großen Metropolen wie Berlin oder Paris nicht verstecken. Von Biobrandi der Rüdesheimer Firma Artwerk über vollmundigen Weißburgunder der Esslinger Winzerei Teamwerk bis hin zu kräftigem Räucherschinken des Metzgermeisters Alexander Singer aus Horb ist für jeden Geschmack etwas dabei. Klar, besonders günstig sind die Produkte nicht, die Qualität steht im Vordergrund. „Unser Schinken ist etwas für einen besonderen Anlass, einen schönen Moment. Wir achten aber darauf, dass er trotzdem erschwinglich bleibt“, sagt Moriz Blank, der Geschäftsführer der Alexander Singer Schinkenmanufaktur. Schon Singers Eltern und Großeltern waren Metzger, der Sohn hat sich ganz auf die Herstellung von Räucherschinken spezialisiert. Jeden seiner Schinken hält er im Laufe des Produktionsprozesses über 20 Mal in den Händen.
Das Publikum auf der „Stuggi“ ist bunt gemischt, alle Altersstufen sind vertreten. Ein junges Paar interessiert sich besonders für Teller und Schüsseln, die Sabri Asmi aus dem Holz seiner eigenen Olivenbäume in Tunesien herstellt. Auch hochwertiges Olivenöl hat er dabei. „Drei Mal im Jahr fahre ich in meine alte Heimat, für die Ernte oder einfach um Urlaub zu machen“, sagt er. Eine Mutter mit zwei Kindern wird auf die bunten Illustrationen von Luisa Jones aus Kirchheim Teck aufmerksam. Jones ist Designerin und Mutter eines zweijährigen Kindes, Papier ist ihre Leidenschaft. „Ich liebe es, Kinderaugen zum Strahlen zu bringen“, sagt sie. Während die Kinder die Poster und Adventskalender bestaunen, holt sich der Opa ein Glas Sekt.
Die Aussteller werben mit Leidenschaft und Humor für ihre Produkte
Spricht man mit den Ausstellern, merkt man schnell, dass die Produkte ihre Leidenschaft sind. „Hochwertige Kleidung und Nachhaltigkeit sind mir sehr wichtig. Wir wollen die Merino-Wolle von der Schwäbischen Alb wieder bekannter machen“, sagt Inga Rubens. Heutzutage würde fast ausschließlich Merino-Wolle aus Australien und Neuseeland verkauft. Dabei passe die etwas rauere Wolle von der Alb viel besser zum hiesigen Wetter. Viele betreiben ihr Gewerbe nebenberuflich, einige haben gerade erst ihr Studium beendet. Simon Wimmer etwa hat zuerst eine Lehre als Schreiner gemacht und danach Volkswirtschaft studiert. Während der Pandemie fing er an, höhenverstellbare Massivholztische zu bauen, die bei Freunden und Familie so gut ankamen, dass er ein Geschäft daraus gemacht hat.
Dass erfolgreich ein Gewerbe zu betreiben nicht nur etwas für bierernste Anzugträger ist, beweist Markus Maul, der besonders kunstvolle Flaschenöffner anbietet. Gemeinsam mit seinem WG-Mitbewohner kam er auf die Idee, ein Modell des Stuttgarter Fernsehturms als Flaschenöffner anzubieten. Der Clou: ein Magnet am Öffner verhindert, dass der Kronkorken abhandenkommt. Ein weiterer Hingucker ist ein E-Lastenroller, der nach seinem Vater Albert Ebenbichler benannt ist. „Fat Albert“ bietet mit 70 Liter Stauraum beispielsweise genügend Platz für einen Kasten Limonade. Und mit 5000 Euro ist der Roller allemal günstiger als eine Mercedes A-Klasse. „Ich bin für eine agile und intelligente Verkehrswende“, sagt Ebenbichler.
Öffnungszeiten und Preis
Öffnungszeiten
Die Messe „Made in Stuggi“ kann noch am Sonntag, 5. November, bis 18 Uhr in der Phönixhalle im Römerkastell besucht werden.
Preis
Der Eintrittspreis beträgt 8 Euro pro Person im Vorverkauf und 10 Euro an der Abendkasse. Studenten und Schüler erhalten mit dem entsprechenden Nachweis ein Ticket zum ermäßigten Preis von 5 Euro.