Die Leiter des Formel-1-Teams von Mercedes: Aufseher Niki Lauda und Motorsportchef Toto Wolff (re.)Foto:dpa Foto:  

Ex-Teamchef Eddie Jordan prophezeit für 2018 das Ende des Mercedes-Engagements in der Formel 1 – doch der Hersteller kontert eiskalt.

Stuttgart - Früher hat Eddie Jordan in der Formel 1 gerne die Puppen tanzen lassen – als er noch Teamchef war, galt er in den 1990er Jahren als Miterfinder der Boxenluder, was der Ire damit hinreichend dokumentierte, indem er gelegentlich leicht bekleidete Mädchen im hautengen, knallgelben Dress um seine Garage streichen ließ. 2005 stieg Jordan als Teamchef aus, doch der Formel 1 blieb der heute 69-Jährige als Experte, Ratgeber und Gerüchteverbreiter treu. Immer mal wieder schlägt Eddie Jordan (der auch veritabel Schlagzeug spielt) seitdem verbal kräftig auf die Pauke – mal liegt er mit seinen Überlegungen richtig, häufiger aber auch vollkommen daneben.

Nun hat der knitze Ire ein Interview gegeben und dabei verkündet, Mercedes werde die Formel 1 als Werkteam nach der Saison 2018 verlassen. „Ich glaube, sie werden dieses Jahr und nächstes Jahr wieder um beide Titel fahren, und dann wird der Vorstand in Stuttgart entscheiden, das Team zu verkaufen und nur noch als Motorenhersteller in der Formel 1 zu bleiben“, wurde Jordan zitiert. Der ehemalige Teamchef begründete seine Vermutung damit, dass er am Rande des Großen Preises von Monaco vor etwa zwei Wochen mit Daimler-Konzernchef Dieter Zetsche geplaudert habe. „Ich habe dort ein längeres Gespräch mit Dr. Zetsche gehabt. Ich habe ihm meine Ideen und Gedanken mitgeteilt, und er hat mir nicht das Gefühl gegeben, dass sie falsch waren“, sagte Jordan in diesem Interview, „auch wenn er nicht ins Detail gehen konnte.“ Was Konzernboss Dieter Zetsche von diesen weitreichenden Überlegungen des Formel-1-Insiders hält, ist nicht bekannt, der Mercedes-Motorsportchef hingegen hat eine eindeutige Meinung zu den Aussagen und Schlussfolgerungen von Jordan.

Mercedes steigt wohl in die Formel E ein

„Monaco ist ein Ort, wo Leute gerne Partys feiern“, sagte Toto Wolff auf Anfrage der „Stuttgarter Zeitung“ und „Stuttgarter Nachrichten“, „es sieht ganz so aus, dass einige das ein bisschen zu intensiv getan hätten.“ Mit weniger gewählten Worten: Es handelt sich um ziemlichen Schwachsinn. „All das entbehrt jeder Grundlage“, sagte der Österreicher weiter, „es handelt sich dabei lediglich um die Spekulationen einer einzelnen Person. Mercedes besitzt einen Vertrag, der das Unternehmen bis Ende 2020 an die Formel 1 bindet.“ Deutliche Worte, die keinen Interpretationsspielraum zulassen.

Nun hat Eddie Jordan kaum im Delirium fantasiert, er versuchte beim Kopfrechnungen lediglich, eins und eins zusammenzuzählen. Mercedes hat sich für die Formel E für die Saison 2018/2019 das Startrecht gesichert, um in dieser expandierenden Rennserie ebenfalls mitzumischen – wie das schon Hersteller Renault tut, und in der kommenden Saison werden Audi und BMW werkseitig in die Formel E einsteigen. Zwei Konkurrenten von Mercedes im internationalen Markt für Serienfahrzeuge. Offenbar vermutete Jordan, Mercedes werde sich aus der Formel 1 verabschieden, um die Ingenieurs-Kräfte im Engagement in der Elektroserie zu bündeln – die Teilnahme in der Formel E erscheint aus marketingtechnischer Sicht sinnvoll. Mag sein, doch Toto Wolff betonte, dass Mercedes derzeit an der Zukunft der Formel 1 mindestens genauso interessiert ist. „Wir sind in Gesprächen mit den neuen Besitzern über den nächsten Wettbewerbszyklus in der Formel 1“, erklärte der Mercedes-Motorsportchef.

Jordan dürfte sich über so starken Gegenwind nicht grämen. Auch als Teamchef in der Formel 1 musste er so manchen Tiefschlag wegstecken – das dürfte ihn kaum davon abhalten, sich bald wieder Gedanken zu machen über das, was in der Formel 1 alles passieren könnte.

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