Mercedes-Chef Ola Källenius bei einem Strategie-Update für Investoren 2022 an der Cote d’Azur Foto: Mercedes-Benz

Der Aufsichtsrat dankt dem Mercedes-Chef die guten Zahlen. Die nächsten Jahre aber werden nicht leichter. Im Gegenteil, meint Matthias Schmidt.

Diejenigen, die eng mit Mercedes-Chef Ola Källenius zusammenarbeiten, beschreiben ihn als Mann mit bemerkenswert weitem Horizont: Der Blick des Schweden sei noch stärker international geprägt als bei den Vorgängern. In einer Firma, die den Großteil des Umsatzes außerhalb von Europa macht, kann das kein Fehler sein. Källenius ist entsprechend viel unterwegs und, das ist die Kehrseite, beileibe kein Dauergast auf dem gesellschaftlichen Parkett am Stammsitz. Auf umso offenere Ohren stößt er, wenn er wie jetzt beim Wirtschaftsempfang von Stadt und Handelskammern seine Strategie erklärt und gleichzeitig versichert, das Herz des Konzerns werde weiter in Stuttgart schlagen.

 

Nach diversen Gewinnwarnungen zum Start 2019 hat Källenius Mercedes auf einen klaren, stark am Finanzmarkt orientierten Kurs gebracht, Elektroantrieb, Software und Luxusorientierung als entscheidende Weichenstellungen durchgesetzt. Der Konzern ist profitabler denn je, der Aufsichtsrat wird es ihm wohl bald mit der Vertragsverlängerung bis 2029 danken. Es fehlt jedoch nicht an neuen Bewährungsproben: Die Kunden wollen erst noch von Elektroautos überzeugt werden. Es braucht weitere Modelle, zumal chinesische Hersteller mit Macht auf die Märkte drängen. Und der teure Kampf ums eigene Autobetriebssystem (und die Geschäfte mit den Daten) muss erst noch gewonnen werden. Am Erfolg hängen viele Arbeitsplätze, besonders spürbar ist das in der Region Stuttgart. Sein Appell „Nicht ausruhen“ ist deshalb weit mehr als eine Floskel.