32 Saisontore für den 1. FC Heiningen: Ex-Kickers-Spieler Franco Petruso Foto: Nickisch

53 Jahre lang spielte der 1. FC Heiningen in der Kreisliga. 2010 gelingt der Aufstieg in die Bezirksliga. Jetzt schaffen die Fußballer von Trainer Tobias Flitsch aus der Handball-Hochburg sogar den Sprung in die Verbandsliga.

Heiningen - Die Kreisstadt Göppingen mit ihrem Handball-Traditionsclub Frisch Auf liegt nur fünf Kilometer von Heiningen entfernt. Und auch in der eigenen 5000-Einwohner-Gemeinde ist der Handball die Nummer eins. Der TSV spielte von 1982 bis 1985 in der Zweiten Bundesliga, der heutige Württembergligist hat immer noch 1500 Mitglieder. Der 1. FC bringt es dagegen nur auf 460 Mitglieder. Die Fußball-Tradition im Ort ist nicht besonders ausgeprägt: 53 Jahre spielte der 1. FC Heiningen in der Kreisliga, erst 2010 gelang der Sprung in die Bezirksliga.

Dies war der Startschuss für eine rasante Weiterentwicklung. Nachdem zweimal hintereinander in der Relegation der Aufstieg in die Verbandsliga verpasst worden war, klappte es diesmal mit der Meisterschaft in der Landesliga, Staffel 2, und dem Direktaufstieg. In der Handball-Hochburg herrscht jetzt plötzlich ein Fußball-Hype. „Der Verein und das Umfeld haben diesen Aufstieg unbedingt gewollt“, sagte Trainer Tobias Flitsch.

Der Coach ist der Vater des Erfolgs. Der 35-Jährige hatte die Heininger schon in der Kreisliga trainiert. Das lastete den selbstständigen Sportartikelhändler allerdings nicht aus: Parallel dazu coachte er die Verbandsstaffel-A-Junioren des 1. FC Eislingen, später Oberligist TSV Crailsheim. Seit dem Bezirksliga-Aufstieg konzentriert sich Flitsch ganz auf den 1. FCH. Mit Riesenerfolg. „Tobias weiß, wie Fußball geht. Er hat ein enormes Fachwissen und kann sich auf jede Situation einstellen“, lobt ihn Edmund Funk, einer der beiden geschäftsführenden Vorsitzenden des Clubs. Und Funk hat durchaus Vergleichsmöglichkeiten. Er spielte früher in der Oberliga unter anderem für den VfR Aalen (unter Erwin Hadewicz) und für die SpVgg 07 Ludwigsburg unter Rainer Adrion, den Funk als seinen „mit Abstand besten Trainer“ bezeichnet.

Funk senior war Gründungsmitglied des 1. FC Heiningen. Sohnemann Edmund stieg nach dem Bezirksliga-Aufstieg ein. Schritt für Schritt ging es weiter nach oben. Wie die spielfreudige, technisch sehr versierte Truppe mit dem überragenden Torjäger Franco Petruso (früher Stuttgarter Kickers/32 Saisontreffer) finanziert wird? Funk wird diese Frage oft gestellt. „Wir sind schon als FC Chelsea der Voralb bezeichnet worden“, sagt der 53-Jährige mit einem Lächeln. Doch Geld sei nicht der entscheidende Faktor, warum eine derart erfolgreiche Elf auf dem Feld stehe.

„Uns gelingt es, attraktive Pakete zu schnüren“, betont Funk. Dazu gehört vor allem die Vermittlung eines guten Jobs. „Das ist heutzutage mehr wert, als kurzfristig ein paar Hundert Euro im Fußball zu verdienen.“ Die geschäftsführenden Vorsitzenden und der im März 2014 gegründete fünfköpfige Verwaltungsrat besitzen gute Kontakte in die Geschäftswelt. Und die fehlende höherklassige Fußball-Vergangenheit sehen ­manche nicht einmal als Nachteil: „In vielen Traditionsclubs wird doch mehr über die glorreichen, alten Zeiten gesprochen als über die Zukunft, das bringt das aktuelle Team doch aber nicht weiter“, ist sich Verwaltungsratsmitglied Werner Vogl sicher.

Die Mannschaft bleibt in der Verbandsliga weitgehend zusammen. Selbst Allround-Talent Marcel Schmidts sagte Oberligist SSV Ulm 1846 ab – und bleibt in Heiningen. Neu hinzu kommt Torjäger Tarik Serour von Landesligist FC Frickenhausen. Wo der Heininger Fußball-Hype enden soll? „Wir wollen kommende Saison im vorderen Mittelfeld mitspielen, mittelfristig denken wir offen an die Oberliga“, sagt Edmund Funk.

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