Daimler- und Mercedes-Chef Ola Källenius verschafft dem Konzernvorstand einen größeren Einfluss auf die Autosparte. Foto: AFP/THOMAS KIENZLE

Seit wenigen Monaten thront über den einzelnen Sparten von Daimler eine Holding-Gesellschaft. Das führt zum Teil zu verworrenen Führungsstrukturen, die der Konzern nun deutlich strafft.

Stuttgart - Es ist gerade mal ein Vierteljahr her, da führte der Stuttgarter Daimler-Konzern eine komplett neue Struktur ein, in der die Arbeitsplätze in neue Tochtergesellschaften umgesiedelt wurden. Während die Rechte der Beschäftigten umfänglich abgesichert wurden, sieht der Konzern bei anderen Fragen offenbar nachträglichen Regelungsbedarf. So will Daimler einerseits seine „Agilität“ erhöhen, teilt andererseits aber bisher einheitliche Entscheidungskompetenzen auf unterschiedliche Konzernunternehmen auf.

Mehr Macht für Forschungschef

Nun justiert der Konzern nach und strafft die Entscheidungswege. Die Pkw- und Van-Sparte namens Mercedes-Benz AG wird viel stärker als bisher aus der Zentrale heraus geführt. So wird Konzern-Forschungschef Markus Schäfer bei Mercedes künftig nicht nur Entwicklung und Einkauf verantworten, sondern auch die Produktion und damit „alle Geschäftsprozesse über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts“, erklärt Daimler. Diese würden nun „von einer Hand gesteuert“, und zwar vom Konzernvorstand aus.

Ein Finanzchef zu viel

Zu viele Hände gab es offenbar auch im Finanzressort, das auf Konzernebene vom neuen Finanzvorstand Harald Wilhelm und bei Mercedes von Frank Lindenberg geführt wurde. Beide gelten als führungsstark, was angesichts der sich stark überlappenden Reviere aber eher zu Reibungsverlusten als zu einer Bündelung der Kräfte geführt hat. Nun wird Lindenberg Daimler verlassen.

Bei der eher kleinen, aber extrem verlustreichen Van-Sparte setzt sich Konzernchef Ola Källenius selbst ans Steuer. Er ersetzt in dieser Rolle Personalvorstand Wilfried Porth, dem es nicht gelungen war, den Verlustbringer zu stabilisieren. Die Holdingstruktur soll Daimler beweglicher machen, weil es einfacher ist, für einzelne Sparten Partner zu finden – statt für den gesamten Konzern. Zugleich kann sie aber das Regieren komplizierter machen – zumindest in der bisherigen Konstruktion.

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