Der Gesundheitsminister ist Gast beim Klinikverbund Südwest – und der ist danach in Erklärungsnot. Ändert sich was bei der Geburtshilfe?
Am vergangenen Montag hat der Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) den Gesundheitscampus in Calw besucht. Seine Aussagen zur Calwer Geburtsklinik, die zum Klinikverbund Südwest gehört, sorgten im Nachgang seines Besuches für Verwirrung.
Medien berichteten, dass nach Lauterbach der Calwer Standort ein Grundversorger bleiben solle, zu dem auch eine Geburtshilfe gehöre. Das geplante Medizinkonzept des Klinikverbunds Südwest sieht allerdings vor, die Geburtshilfe in Calw zu schließen und nach Nagold zu verlegen. Auf Nachfrage beim Klinikverbund sehen die Verantwortlichen in Lauterbachs Aussagen allerdings keinen Widerspruch zu den Zielen ihrer Medizinkonzeption 2030.
Gynäkologie und Geburtshilfe müssen Qualitätsvorgaben erfüllen
„Der Bundesgesundheitsminister erläuterte, dass eine Fachabteilung der Gynäkologie und Geburtshilfe zum Leistungsspektrum eines Grundversorgers gehören kann, sofern – und das ist der entscheidende Punkt – die entsprechenden gesetzlichen Qualitätsvorgaben erfüllt werden können“, teilt die Pressestelle des Klinikverbunds schriftlich mit. Wie diese Qualitätsanforderung genau aussehen werden, würde im Rahmen des Gesetzesentwurfes zur Krankenhausreform ausgearbeitet werden. Dieser Umstand sei in den Planungen für die Medizinkonzeption 2030 bereits berücksichtigt: „Die Fachgutachter gehen davon aus, dass es für die Gynäkologie und Geburtshilfe in Calw äußerst schwer werden wird, die gesetzlichen Anforderungen langfristig erfüllen zu können“, schreibt die Pressestelle.
Mit der Medizinkonzeption 2030 will sich der Klinikverbund, noch bevor die Krankenhausreform Lauterbachs greift, neu aufstellen. Sie sieht unter anderem vor, die Geburtshilfen in Calw, Herrenberg und Leonberg zu schließen. Sie sollen allesamt nach Nagold und ins zukünftige Flugfeldklinikum in Böblingen verlagert werden. Das Herrenberger Krankenhaus würde demnach neben dem hebammengeführten Kreißsaal seinen 24-Stunden-Betrieb verlieren.
Laut Gutachten müssen Geburtshilfen in Nagold zentralisiert werden
Um die Geburtshilfe im Landkreis Calw generell mittel- und langfristig zu sichern, gebe es laut den Gutachtern nur einen Weg, schreibt die Pressestelle weiter: Die Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe von Calw müsse nach Nagold verlagert werden. Im gleichen Zuge müsse der Umzug nach Nagold für die Herrenberger Geburtshilfe vollzogen werden.
Auch der Landrat Roland Bernhard (parteilos) sieht in Lauterbachs Besuch keinen Kurswechsel im Medizinkonzept. Dieses sei bei dem Termin in Calw nahezu gänzlich ausgeklammert gewesen. „Am Rande der Veranstaltung wurde der Minister konkret gefragt, ob eine Geburtshilfe bei 500 Geburten mit der Reform noch zulässig wäre. Minister Lauterbach hat sich dazu aber nicht geäußert, sondern darauf verwiesen, dass das Land im Rahmen seiner Krankenhausplanung zuständig beziehungsweise letztlich der Klinikverbund selbst für die Ausgestaltung verantwortlich ist“, lautet das Statement des Landrats.
Das Gutachten des Unternehmens Lohfert & Lohfert für die neue Medizinkonzeption wurde Anfang Juli veröffentlicht und wird seither kontrovers diskutiert. Ende des Jahres soll das Konzept den Kreistagen von Böblingen und Calw zur Abstimmung vorgelegt werden. Dann wird klar sein, wie die hiesige Kliniklandschaft künftig aussehen soll.