Die erst zehn Jahre alte Klinik auf dem Säer wird für 31,3 Millionen Euro erweitert. Foto: Ines Rudel

Der Esslinger Kreistag erteilt die Baufreigabe für eine neue Zentrale Notaufnahme für die Medius Klinik in Nürtingen. Die Kosten für das Gesamtpaket betragen 31,3 Millionen Euro.

Filderstadt/Nürtingen - Das Krankenhaus auf dem Nürtinger Säer, obwohl erst vor zehn Jahren neu gebaut, platzt aus allen Nähten. Nachdem der Esslinger Kreistag im vergangenen Jahr erst den Bau eines neuen Bettentrakts und zweier Operationssäle beschlossen hat, hat die Ratsrunde jetzt mit dem Baubeschluss für eine neue Zentrale Notaufnahme (ZNA), die Erweiterung des Patienten-Service-Centers und eines zweiten Rechenzentrums noch einmal nachgelegt.

 

Noch in diesem Jahr sollen in der Nachbarschaft der bestehenden Anlage wieder die Bagger anrücken. Die Bauzeit beträgt zweieinhalb Jahre. Die neue Visitenkarte für das Krankenhaus, wie der Esslinger Landrat Heinz Eininger die neue Zentrale Notaufnahme bezeichnet, lässt sich der Landkreis Esslingen als Träger der Medius Kliniken unterm Strich 31, 3 Millionen Euro kosten.

Überdurchschnittliche Patientenzunahme

„Unsere Kliniken verzeichnen seit Jahren eine überdurchschnittliche Patientenzunahme. Die Klinik in Nürtingen stößt an ihre Kapazitätsgrenzen“, sagte Eininger zur Begründung in der Kreistagssitzung am Donnerstag in Filderstadt. Die räumliche Enge wirke sich nicht nur auf die Patientenzufriedenheit negativ aus. Sie stelle auch das ärztliche und pflegerische Personal im täglichen Behandlungsprozess vor erhebliche Herausforderungen.

Diese Sicht der Dinge teilen offensichtlich auch die Zuschussgeber. Der Landeskrankenhausausschuss und das baden-württembergische Sozialministerium haben ihre Zustimmung signalisiert. Zu den 18,8 Millionen Euro, die die Klinik aus eigenen Mitteln stemmt, fließen weitere 12,2 Millionen Euro aus den Fördertöpfen des Landes.

Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach

Als Standort für die neue Notaufnahme ist der Bereich des seitherigen Hubschrauberlandeplatzes an der Nordseite des Klinikums vorgesehen. Wenn das neue Gebäude steht, wird ein neuer Hubschrauberlandeplatz auf seinem Dach angelegt.

Für die Dauer der Bauarbeiten landen die Hubschrauber mit den Notfallpatienten auf einem schon angelegten Interimsplatz, um die Versorgungssicherheit lückenlos gewährleisten zu können. Allein dafür muss die Medius Klinik der im Wirtschaftsplan 2021 veranschlagten aktuellen Kostenprognose zufolge eine Summe von 215 000 Euro in die Hand nehmen.

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Nicht nur die Abstimmung im Kreistag – die Baufreigabe für das Gesamtpaket wurde einstimmig erteilt –, sondern auch die Wortbeiträge aus den Reihen der Fraktionen haben die Notwendigkeit einer Erweiterung unterstrichen. „Überall in der Krankenhauslandschaft werden Einrichtungen zurückgefahren, nur der Landkreis baut neu. Passt das in diese Landschaft?“, so lautete die rhetorische Frage der Grünen-Sprecherin, Marianne Erdrich-Sommer. Sie mit Ja zu beantworten, fällt nach Einschätzung der Politikerin nicht schwer. Nicht zuletzt auch, weil der Landkreis in der Vergangenheit seine Hausaufgaben gemacht hat. „Wir sind mit den Medius Kliniken nach den schmerzhaften Einschnitten mit der Schließung des Krankenhauses in Plochingen auf einem guten Weg“, erinnerte Marianne Erdrich-Sommer. So sei die Klinik als eine der wenigen im Land in der Lage, den Eigenanteil an den Baukosten aus eigener Kraft zu finanzieren.

Patientenzufriedenheit und gute Arbeitsbedingungen für das Personal

Auch ihr CDU-Kollege Rainer Bauer übte sich in der Kunst der Rhetorik. „Sind wir damals, beim Neubau der Klinik vor nur zehn Jahren, zu kurz gesprungen?“, lautete seine Frage, die er sich angesichts der enormen Steigerung der Patientenzahlen selbst mit einem deutlichen Nein beantwortete. Ebenso wichtig wie die Patientenzufriedenheit seien gute Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten, unterstrich Bauer.

Auch die SPD-Kreisrätin Sonja Spohn unterstrich die Notwendigkeit eines Neubaus, erinnerte aber daran, dass angesichts der Dynamik auf dem Säer die Forderung ihrer Partei, dort eine angemessene Tagesstätte für die Kinder der Beschäftigten zu bauen, nicht aus dem Blick geraten dürfe.

Dem Linken-Kreisrat Reinhold Riedel war es schließlich vorbehalten, doch etwas Wasser in den Wein zu gießen. Er wies darauf hin, dass sich das Land mit einer lediglich vierzigprozentigen Beteiligung einmal mehr seiner im Krankenhausgesetz festgelegten Verpflichtung entzogen habe, die Baumaßnahme gänzlich zu finanzieren. So bleibe es an der Klinik, 25 Jahre lang immerhin einen Betrag in Höhe von 830 000 Euro jährlich zu stemmen, bis alle Kredite getilgt seien.

Drei Häuser, 3000 Beschäftigte, 46 000 Patienten

Medius Kliniken
 Die Medius Kliniken beschäftigen an ihren drei Standorten Nürtingen, Kirchheim und Ostfildern-Ruit mehr als 3000 Mitarbeiter. In den Krankenhäusern werden jährlich mehr als 46 000 Patienten stationär behandelt. Dazu kommen noch rund 125 000 ambulante Patienten. Die drei Einrichtungen, die vom Landkreis Esslingen getragen werden, verfügen über 1040 Betten und bieten mit 31 medizinischen Fachkliniken und 21 Zentren ein breit gestreutes medizinisches Leistungsspektrum.

Nürtingen
 Die Medius Klinik Nürtingen ist vor zehn Jahren neu gebaut worden. Schon im vergangenen Jahr war sie um einen Bettentrakt, zwei Operationssäle und eine Zentralsterilisation erweitert worden.