Wilfried Geissler (links) und Stefan Magnet, hier bei einem gemeinsamen Interview, sind Brüder im Geiste. Foto: Screenshot/SRGT

Weil er in seinem Ein-Mann-Fernsehen Sendungen des österreichischen Verschwörungssenders Auf1 übertragen hat, muss der Stuttgarter Arzt Wilfried Geissler fast 200 000 Euro zahlen.

Um seinen Zusehern klar zu machen, um was es geht, greift Stefan Magnet zu drastischen Worten: „Die Globalisten“ hätten zum „absoluten finanziellen Vernichtungsschlag“ ausgeholt, sagt der Chefredakteur des Linzer Online-Senders Auf1 in einem seiner neuesten Videos. „Das System will uns ausradieren, weil wir ihm unbequem geworden sind.“ Und dann bittet er sein verschwörungsgläubiges Publikum, das sich längst über ganz Österreich, Deutschland und die Schweiz erstreckt, um Geld. „Wir können diesen heftigen Angriff nur mit Ihrer Unterstützung abwenden.“

 

Anlass ist ein Bußgeldbescheid über 195 000 Euro, den die Landesanstalt für Kommunikation (LfK) in Stuttgart wegen „verbotener Themenplatzierung“ verhängt hat. Eine Tafel mit der Summe hält Magnet in die Kamera. Die LfK bestätigte den Vorgang gegenüber unserer Zeitung, ohne die genaue Höhe zu nennen. Trotzdem sei die Darstellung „Quatsch“. Es gehe nicht um inhaltliche Punkte. Und außerdem betreffe das Bußgeld auch gar nicht Auf1. „Als baden-württembergische Behörde können wir gar keinen österreichischen Sender belangen“, sagte ein Sprecher. Vielmehr sei der Bescheid an den Privatsender „schwarz-rot-gold-tv“ (SRGT) des Stuttgarter Arztes Wilfried Geissler adressiert. Aus Sicht von Auf1, Lieblingskanal von Impfgegnern, Reichsbürgern und Klimawandelleugnern, ist das allerdings „eine reine Spitzfindigkeit“. Schließlich arbeite man als Mediengruppe zusammen.

Große Reichweite für den Verschwörungssender

Schon im November hatte diese Zusammenarbeit die Medienregulierer auf den Plan gerufen. Im Gegensatz zu Auf1 verfügt SRGT über eine offizielle Fernsehlizenz und seit einiger Zeit sogar über eine Frequenz auf dem Satelliten Astra mit europaweiter Reichweite. Im Oktober begann SRGT damit, täglich sechs Stunden das Programm von Auf1 über diesen Satelliten zu übertragen. Auf1 bezahlte für den Sendeplatz. Dadurch habe SRGT lizenzwidrig die inhaltliche Verantwortung abgegeben, glaubt die LfK. Dies wurde untersagt. Das jetzt festgesetzte Bußgeld schöpft demnach vor allem das von Auf1 an SRGT geflossene Geld ab.

Auf Anfrage erklärte Geissler, dass die geforderte Strafzahlung seinen Sender „als junges Start-up existenziell“ gefährde. Zudem stehe noch ein zweites Bußgeld im Raum. Wenige Tage nach dem Verbot sendete Auf1 erneut auf der SRGT-Frequenz, diesmal unentgeltlich. Auch hier würden die Verträge auf Verstöße geprüft, sagte der LfK-Sprecher. Geissler erklärte, er hoffe noch auf eine Lösung bei einem Besprechungstermin mit der LfK an diesem Mittwoch.

Unterstützer des Querdenken-Chefs Michael Ballweg

Der 64-Jährige hat in Stuttgart einen schillernden Ruf. 2011 machte er erstmals Schlagzeilen, als er die Hälfte der Patienten seiner Möhringer Hausarztpraxis vor die Tür setzte. Er sei überarbeitet und bekomme Probleme mit seiner neuen Lebensgefährtin. Wenn er zu spät nach Hause komme, müsse er sich sein Essen selber richten und „im Bett läuft natürlich auch nichts mehr“, rechtfertigte er sich damals öffentlich.

In der Coronapandemie schwang er sich dann zu einem führenden Unterstützer von Querdenken-Chef Michael Ballweg auf. Damals sicherte er sich seine eigene Fernsehlizenz. Er sendet von AfD-Parteitagen, überträgt evangelikale Gottesdienste und beschäftigt sich weiterhin mit der Pandemie. Unklar ist, wie er seinen Ein-Mann-Sender finanziert. Allein die Astrafrequenz dürfte monatlich fünfstellige Beträge verschlingen.