Die spätgotische Mauritiuskirche wird in der Liste der Kulturdenkmäler Baden-Württembergs geführt. Foto: /Thomas Bischof

Zum Geburtstag des Gotteshauses gibt es ein vielseitiges Programm. Eine Festschrift soll die Geschichte der Kirche beleuchten und möglichst vielen Menschen zugänglich gemacht werden.

Wenn Traugott Meßner im Chorraum der Mauritiuskirche sitzt, fühlt er sich besonders wohl. Den Gottesdienstbesuchern nahe zu sein, den Blickkontakt zu haben, das gefällt dem Holzgerlinger Pfarrer besonders gut. Und wenn dann noch das „Hallelujah“ von Georg Friedrich Händel erklingt, ist der Geistliche, der selbst Klavier und Geige spielt, vollends im Glück. Seit zehn Jahren ist Traugott Meßner Pfarrer der Mauritiuskirche, die in diesem Jahr ihren 550. Geburtstag feiert. Das Pfarrhaus, das ursprünglich als Ministerialienburg gebaut wurde, wird 600 Jahre alt. Das wird ab Samstag eine Woche lang gebührend gefeiert.

 

Kabarett, Konzert und Kindernachmittag

Am heutigen Samstag, 28. Oktober, treten um 19 Uhr alle Chöre und Ensembles der evangelischen Kirchengemeinde bei einem Konzert in der Mauritiuskirche auf. „Es ist eine bunte Mischung aller Sänger und Musiker“, verrät Meßner. Vom Flöten- und Posaunenchor über Harfenklänge bis hin zu Gospelsongs ist alles vertreten.

Am Montag, 30. Oktober, gehen Kinder auf Entdeckungstour rund um das spätgotische Gotteshaus. Von 15 bis 17 Uhr gibt es bei einem Kindernachmittag mit Jörg Bartoß unter dem Titel „Evangelisation und Trickkunst“ Spiel und Spaß rund ums Pfarrhaus. Am Dienstag, 31. Oktober, um 19 Uhr, füllen Johannes Warth und Michael Schlierf die Kirche mit Kabarett und Musik.

Ehe am Sonntag um 10 Uhr der Festgottesdienst mit anschließendem Mittagessen und Kaffee im Johannes-Brenz-Haus den Höhepunkt und Abschluss der Festwoche bildet. Zudem führt Dr. Dieter Schittenhelm um 11.30 Uhr und um 14 Uhr Interessierte durch die Kirche und zeigt ihnen die Besonderheiten des spätgotischen Bauwerks mit seinen ganzen Schätzen.

Neben der Festwoche rund um den Reformationstag hat der Pfarrer Traugott Meßner gemeinsam mit Dieter Schittenhelm vom Heimatgeschichtsverein eine Festschrift herausgebracht. In dem 65-seitigen Buch wird unter anderem erklärt, wie es 1473 zum Bau der Mauritiuskirche kam. Es geht um die Geschichte der Reformation sowie das kirchliche Leben der Mauritiuskirche und der evangelischen Holzgerlinger Kirchengemeinde durch die Jahrhunderte hindurch bis heute. Viele Bilder schmücken das Buch. „Es sind auch ganz seltene Aufnahmen in der Festschrift zu finden“, verrät der Pfarrer. Zudem sehe man die Buntglasfenster des Degerlocher Künstlers Walter Kohler im Chorraum einmal aus der Nähe, so Meßner. „Sie wurden während des Krieges ausgebaut und sicher gelagert, damit sie den Krieg unbeschadet überstehen“, weiß Dieter Schittenhelm.

Im Krieg von den Bomben verschont geblieben

Dass die Mauritiuskirche beim Bombenangriff auf Holzgerlingen am 7. und 8. Oktober 1943 verschont blieb und sich noch heute mit all ihren Besonderheiten zeigen kann, ist ein großes Glück. Denn während ringsherum alles zerstört wurde und auch die Pfarrscheuer abbrannte, konnte das Pfarrhaus, das ebenfalls von zwei Brandbomben getroffen wurde, rechtzeitig gelöscht werden. Die Kirche blieb dabei unversehrt. „Sich mit der eigenen Geschichte zu beschäftigen, macht dankbar – und man bekommt für manches im Leben einen anderen Blick“, sind sich die Verfasser der Festschrift einig. Das gebundene Buch hat eine Auflage von 550 Exemplaren und wird beim Festgottesdienst gegen eine Spende zu erhalten sein.