Auch in den Altenheimen ist die Lage laut Gesundheitsamt stabil. Foto: dpa/Oliver Berg

Die erste Zwischenbilanz der bisherigen Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus ist im Rat positiv aufgenommen worden. Wenn nur nicht die Sorgen wegen der gelockerten Einschränkungen wären.

Stuttgart - Der OB hatte darum gebeten, und so saßen die allermeisten Ratsmitglieder in der ersten Sozialausschusssitzung nach dem Shutdown mit Alltagsmaske an ihren Plätzen im Großen Sitzungssaal des Rathauses. Wegen der „Vorbildwirkung“, so Sozialbürgermeisterin Alexandra Sußmann (Grüne).

Denn dass man mit den bisherigen Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus einiges erreicht hat, war der positive Teil der Botschaft des Tages. Sorgen bereiten aber nicht nur dem Gesundheitsamt die möglichen Folgen der neuen Lockerungen. So klagte Stadträtin Beate-Bulle Schmid (CDU), dass diese von vielen Bürgern offenbar „falsch interpretiert“ würden, weil diese nun etwa das Abstandsgebot „nicht mehr so wichtig finden“. Sibel Yüksel (FPD) sieht, was die geltenden Gebote angeht, stellenweise sogar schon „Auflösungserscheinungen“.

Mehr als eintausend Genesene

Diese Kritik war im Sinne von Stefan Ehehalt, dem Leiter des städtischen Gesundheitsamtes. Er sei in großer Sorge, weil „immer mehr Leute so tun, als wäre nichts“. Man stehe aber erst am Anfang der Corona-Pandemie. Dabei hatte Ehehalt gute Nachrichten zu verkünden. Man habe „zum absolut richtigen Zeitpunkt“ eingegriffen, als es in Stuttgart lediglich 75 registrierte Infizierte gab. Auf das Veranstaltungsverbot am 13. März folgten die Einstellung des Sportbetriebs, die Schulschließung, das Versammlungsverbot.

Seither sei die Zahl der Erkrankten nie über 463 Personen gestiegen. „Inzwischen haben wir mehr als eintausend Genesene“, erklärte Ehehalt. Bei bisher 47 Todesfällen liege die Sterblichkeitsrate bei 3,6 Prozent. „Das ist sehr günstig im europäischen Vergleich“, dort liege die Rate teils bei mehr als zehn Prozent.

Lob für die Krankenhäuser

Zunächst seien von einer Erkrankung durch das Coronavirus vor allem Menschen im „mittleren Erwachsenenalter“ betroffen gewesen, „die vom Skifahren zurückgekommen sind“, sagte Ehehalt. Später habe Covid-19 auch die anfälligen Gruppen erreicht, auch viele ältere Menschen über 80 Jahre. Deshalb werde „die Zahl der Todesfälle weiter steigen“.

Dankenswerterweise hätten die Stuttgarter Krankenhäuser in guter Kooperation die Zahl der Intensivbetten und der Beatmungsplätze sukzessive aufgestockt. In den Fieberambulanzen im städtischen Klinikum, im Robert-Bosch-Krankenhaus und im Marienhospital seien bis jetzt rund  15 000 Corona-Abstiche vorgenommen worden. Rund 2500 Abstriche habe man bisher in der Fieberambulanz im Neckarpark verzeichnet. Dazu kommen 30 bis 60 Abstriche pro Tag durch das Coronamobil, das die Kassenärztlichen Vereinigung (KV) und das DRK betreiben. Und die KV habe acht Corona-Schwerpunktpraxen eingerichtet.

Lage in Pflegeheimen stabil

Bewährt haben sich nach Ansicht von Stefan Ehehalt auch die drei Schutzunterkünfte. In einer werden Verdachtsfälle untergebracht, etwa Menschen aus Flüchtlingsheimen oder Obdachlose, in den anderen infizierte Personen, die sonst keine Betreuung hätten. Durch die Einrichtung musste bisher noch kein Flüchtlingswohnheim unter Quarantäne gestellt werden und auch noch keine der drei Notübernachtungen für Obdachlose. Diese werden, um Distanz zu schaffen, nur mit der Hälfte an Personen belegt werden.

Auch die Lage in den rund 60 Alten- und Pflegeheimen hält der Leiter des Gesundheitsamts für stabil. „Die Heime machen eine sehr gute Arbeit“, betonte Ehehalt. Es gebe dort 122 positiv getestete Fälle, darunter 87 Bewohner. Die 17 Todesfälle entsprächen „weniger als ein Prozent der nachgewiesenen Fälle.“ Selbst in Sachen Schutzkleidung sei die Lage in den Heimen – zumindest derzeit – gut. Schon bisher habe man wie in anderen sensiblen Bereichen auch in Pflegeheimen „großzügig getestet“. Nun sollen dort alle Beschäftigten auf das Coronavirus getestet werden. Dafür sind 10 000 Tests erforderlich.

Viele Stuttgarter sind engagiert

„Wir haben etwas erreicht, aber wir sind aber noch lange nicht am Ziel“, betonte Stefan Ehehalt. „Das ist nur eine Momentaufnahme. Wir dürfen das Virus nicht unterschätzen.“ Jeder einzelne müsse weiter seinen Beitrag leisten.

Dank und Applaus gab es im Ausschuss nicht nur für das Gesundheitsamt und andere Ämter, sondern auch für die vielen Ehrenamtlichen, die sich in der Coronakrise engagieren. „Stuttgart zeigt sich von seiner besten Seite“, sagte Sozialbürgermeisterin Alexandra Sußmann.

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