Menschen gedenken der Opfer in Las Vegas. Foto: dpa

Eines der blutigsten Verbrechen in der jüngeren Kriminalgeschichte der USA gibt viele Rätsel auf. Ein 64 Jahre alter Mann erschießt 59 Menschen, zahllose werden verletzt. Die Solidarität der Menschen in Las Vegas ist groß.

Las Vegas - Die Polizei in Las Vegas sucht nach dem historisch beispiellosen Massenmord in der Spielerstadt intensiv nach dem Motiv des Täters. Der 64-Jährige hatte nach Polizeiangaben mindestens 59 Menschen mit Schüssen aus einem Zimmer im 32. Stock des Mandalay Bay Hotels am berühmten „Strip“ von Las Vegas getötet. Hunderte weitere wurden verletzt, viele von ihnen lebensgefährlich.

Die Polizei ging weiter von einem Einzeltäter aus. Man habe keine Informationen, die auf etwas anderes schließen ließen, sagte Vize-Sheriff Todd Fasulo am späten Montagabend (Ortszeit). Im Haus des mutmaßlichen Schützen wurden laut Fasulo 19 Schusswaffen gefunden, 23 weitere hatte der 64-jährige Rentner bei sich im Hotel.

Große Hilfsbereitschaft unter den Menschen

Fasulo berichtete von einer großen Hilfsbereitschaft unter den Menschen in Las Vegas. So seien in den Stunden nach dem Massenmord zahlreiche Menschen zur Blutspende gegangen, der Bedarf sei derzeit gedeckt. Die Hotel- und Casinogruppe MGM Resorts International - der unter anderem das Mandalay Bay Hotels gehört - stellt in einem weiteren Hotel in Las Vegas kostenlos Zimmer für Familien von Opfern bereit, die nun in die Stadt kommen wollen. Außerdem organisiert MGM Flüge in die Stadt. Das Rote Kreuz koordiniere die Essensspenden, die in großen Mengen angeboten worden seien.

Auf der Straßenseite gegenüber dem Mandalay Bay Hotel hatten sich vor dem Tropicana-Hotel am Sonntagabend (Ortszeit) nach Polizeiangaben etwa 22 000 Menschen versammelt, um an einem Country-Music-Festival teilzunehmen. Während eines Auftritts von Jason Aldean eröffnete der Schütze von weit oben das Feuer auf die Menschenmenge.

Die Polizei drang nach minutenlangem Kugelhagel in das Hotelzimmer ein. Wie Bezirks-Sheriff Joseph Lombardo sagte, schoss der Angreifer durch die Zimmertür auf die Beamten. Zuvor hatte er nach Angaben von Fasulo einen Sicherheitsbeamten erschossen. Als die Polizei sich den Weg ins Zimmer freigesprengt hatte, war der Mann tot - nach Lage der Dinge hat er sich selbst erschossen.

Polizei glaubt an Einzeltäter

„Wir glauben, dass es ein Einzeltäter ist. Ein einsamer Wolf“, sagte Lombardo über den Schützen Stephen Paddock, einen weißen US-Bürger. Bezüge zu Terrororganisationen gibt es ersten Ermittlungen zufolge nicht, wie die US-Bundespolizei FBI mitteilte. Nie zuvor in der Kriminalgeschichte der USA sind bei einem derartigen Verbrechen mehr Menschen ums Leben gekommen.

Paddocks Bruder Eric sagte in Interviews, sein Bruder sei kein Fanatiker gewesen, weder politisch noch religiös. Er sei hin und wieder nach Las Vegas gefahren, um dem Glücksspiel nachzugehen. „Er hat höher gespielt als der Durchschnitt“, sagte Eric Paddock. Er habe aber auch viel mehr Geld gehabt als der Durchschnitt. „Er war ein wohlhabender Kerl, er ging auf Kreuzfahrten“, sagte sein Bruder. „Er konnte sich leisten, was er wollte.“ Nach Medienberichten hatte Paddock Geld mit Immobilien verdient.

Grausame Szenen spielten sich Sonntag gegen 22 Uhr Ortszeit in Las Vegas ab. Die Konzertbesucherin Cari Copeland Pearson sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Wir krochen über Tote.“ Sie habe viele Schüsse gehört, vermutlich stammten sie von einem automatischen Gewehr. Ein weiterer Augenzeuge sagte dem Sender CNN: „Menschen begannen, wie Fliegen zu fallen“.

Trump: „Akt des absolut Bösen“

Das Auswärtige Amt konnte zunächst keine Auskunft darüber geben, ob unter den Opfern deutsche Staatsbürger sind. „Unsere Kolleginnen und Kollegen der Botschaft Washington sind in engem Kontakt mit den US-Behörden und versuchen, Informationen zu sichern“, hieß es.

US-Präsident Donald Trump sprach den Opfern sein Mitgefühl aus und sprach von einem „Akt des absolut Bösen“. Der Präsident rief die Amerikaner zu Einigkeit und Zusammenhalt auf. Die Bürgermeisterin von Las Vegas, Carolyn Goodman, sprach vom Wahnsinn eines Verrückten, der das Leben in Menschlichkeit nicht verhindern dürfe. Auch die Bundesregierung reagierte entsetzt. „Fassungslos und tief erschüttert über die Morde von Las Vegas“, schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter. „So viele zerstörte Leben.“

Mehrere US-Politiker sprachen sich erneut für schärfere Waffengesetze aus. Eine Diskussion darüber hält das Weiße Haus aber für verfrüht. „Es wäre voreilig, politische Maßnahmen zu diskutieren, solange wir nicht vollständig wissen, was gestern Abend passiert ist“, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, am Montag. Präsident Trump habe mehrmals deutlich gemacht, dass er ein Befürworter des zweiten Verfassungszusatzes sei. Dort ist das grundsätzliche Recht auf den Besitz von Schusswaffen für US-Bürger festgeschrieben.

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