Die Plüsch-Version des Kickers-Maskottchens Waldi ist aktuell nicht verfügbar. Schuld sind die Huthi-Rebellen. Foto: Baumann/Julia Rahn

Die Angriffe der Huthi-Rebellen haben sogar Auswirkungen auf die Waldau: Waldi, das Kickers-Maskottchen, ist vorübergehend nicht als Plüschtier verfügbar. Ein Einzelfall?

Wer im Fanshop der Stuttgarter Kickers auf der Waldau in Stuttgart-Degerloch Maskottchen Waldi Plüschtier kaufen will, muss aktuell stark sein: Denn der Waschbär ist derzeit nicht verfügbar. Der kuriose Grund: Piraterie. Die Angriffe der jemenitischen Huthi-Rebellen im Roten Meer, die den Welthandel herausfordern, haben den Nachschub an Waldi-Plüschfiguren zunächst zum Erliegen gebracht.

 

„Die Lieferung aus China verzögert sich“, bestätigt Martin Schickle, der die Fanartikel und Merchandising-Produkte für die Kickers produzieren lässt, „Maskottchen Waldi wird in etwa drei Wochen erwartet.“ Die restlichen Fan-Utensilien habe der Fanshop-Chef jetzt in Tschechien herstellen lassen. Darunter eine Kickers-Badehose und neue Hoodies.

Unternehmen hat aus Lieferkettenproblemen gelernt

Ist Waldi ein Einzelfall oder schaffen es die Huthi tatsächlich, die Verfügbarkeit von Produkten stark einzuschränken? In Baden-Württemberg scheint dies eher nicht der Fall zu sein, auch wenn immer wieder Geschichten die Runde machen, wie dass eine bestimmte Teesorte nicht im Regal steht oder in jenem Sportgeschäft gerade keine Knieschützer für Kinder hängen.

Die IHK Region Stuttgart antwortet auf Nachfrage unserer Zeitung, ob es zu Knappheiten oder Verzögerungen kommt: „Das ist erstaunlicherweise nicht so. Hier kann man jetzt nur vorsichtig mutmaßen, dass die hiesigen Unternehmen in den Bereichen Handel, Großhandel und Herstellung bereits aus den Lieferkettenproblemen der vergangenen Krisen gelernt haben.“ Belegen könne die IHK diese Interpretation zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht. Auch ob höhere Logistikkosten entstehen, wisse man dort nicht.

Schaden für Baden-Württemberg nicht zu beziffern

Auch dem Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg liegen keine Erkenntnisse vor, dass es Verbrauchern im Land bedingt durch Huthi-Angriffe an irgendetwas konkret fehlt. Allgemein gelte: „Sollten die Angriffe der Huthi-Rebellen im Roten Meer auch zu Lieferkettenstörungen bei Unternehmen in Deutschland führen, kann aufgrund der hohen internationalen Verflechtungen baden-württembergischer Unternehmen davon ausgegangen werden, dass es auch hier zu Ausfällen oder Verzögerungen kommen kann.“ Ob und in welchem Umfang sei momentan nicht zu beziffern.

Das bedeutet aber nicht, dass die Huthi-Attacken auf Frachtschiffe für den Welthandel harmlos sind. Reedereien und Schifffahrtsunternehmen nehmen lange Ausweichrouten wie über das Kap der Guten Hoffnung in Kauf, um auf Nummer sicher zu gehen, was zu Kostenexplosionen führt. Der Europäische Auswärtige Dienst (EAD) in Brüssel bezifferte den Schaden für den Welthandel im Dezember auf 360 Millionen Euro – pro Stunde. Auch Aldi Nord befürchtet Engpässe bei der Verfügbarkeit von Produkten, wie das Unternehmen mitteilte. Der Autobauer Tesla hatte seine Produktion infolge der Huthi-Angriffe sogar für zwei Wochen eingestellt.

Die schiitisch geprägten Huthi-Rebellen sind in Jemen in den Bürgerkrieg verwickelt und kontrollieren große Teile des Landes. Ihre Angriffe auf die Schifffahrt seit November 2023 rechtfertigen sie mit ihrer Parteinahme für die Hamas im Nahost-Konflikt. Ein Verbund von Kriegsschiffen westlicher Länder, darunter auch die deutsche Fregatte „Hessen“, ist bemüht, die Situation in den Griff zu kriegen. Unter ihrem Schutz könnte Waldi schon bald seine Reise in den Kickers-Fanshop antreten.