Der Weihnachtsbaum steht noch, und die Narren sind schon am Feiern: Die Leonberger Waldhexen mischen den Marktplatz auf. Foto: Simon Granville

Zahlreiche Fasnetsvereine, von Leonberg über Ditzingen bis Renningen, läuten mit ausgelassenen Feiern die Saison ein. Bei den Flachter Strudelbachhexen schwingt die „Ur-Hexe“ den Staubwedel.

Ein kurioser Anblick: Während im Hintergrund noch der Weihnachtsbaum ein besinnliches Leuchten verbreitet, wird im Vordergrund kräftig und lauthals gefeiert: Die Narren sind wieder los. Überall rings um Leonberg haben die Hexen ihre Masken abgestaubt und sich für den Start der Fasnetssaison gewappnet. Die Täuflinge mussten wieder so einiges über sich ergehen lassen – aber was tut man nicht alles, um bei Feiern und Umzügen mittendrin statt nur dabeizusein?

 

Ob in Leonberg, Ditzingen, Renningen oder Rutesheim – kaum ein Ort, in dem die Narren am Wochenende nicht gefeiert haben. Manche konnten es gar nicht mehr abwarten und luden schon vor dem Dreikönigstag, zu dem traditionell in der alemannischen Fasnet die Masken abgestaubt werden, zu einer bunten Feier ein. So zum Beispiel die Flachter Strudelbachhexen.

Die Ur-Hexe schwingt den Staubwedel

Dort nimmt man das mit dem Häs-Abstauben ziemlich wörtlich. Bei der abendlichen Feier rufen die Strudelbachhexen die „Ur-Hexe“ aus dem Brunnen herbei, die dann auch tatsächlich erscheint und beginnt, mit einem Staubwedel die Masken zu säubern. „Letztes Jahr hatten wir eine Fee da, wir möchten da immer etwas Neues bieten“, erklärt der Sprecher des Vereins, Ludwig Essig. Es ist die zweite Feier zum Maskenabstauben seit der Corona-Durststrecke, während derer die Flachter Narren die Fasnet via Livestream ins Wohnzimmer der Menschen brachte. „Dieses Jahr waren wir sogar noch mal besser besucht als 2023.“

Über Nachwuchsmangel müssen sich die Strudelbachhexen jedenfalls keine Gedanken machen. Gleich fünf Täuflinge warten am Freitag darauf, den Titel Strudelbachhexe tragen zu dürfen und ein eigenes Häs zu bekommen. „Wir sind generell richtig gut am Wachsen“, sagt Ludwig Essig. „Nach der aktuellen Kampagne hatten wir 15 neue Anwärter und jedes Jahr um die fünf Täuflinge.“ Besonders freut er sich über die vielen Familien mit Kindern, die neu beitreten und den Verein so verjüngen.

Nach Jahren der erste Rathaussturm in Weissach

Aber wie schaffen die Narren das, was vielen anderen Vereinen verwehrt bleibt? „Ich könnte mir vorstellen, dass es vor allem die Veranstaltungen sind. Wir haben in der Strudelbachhalle einen der größten Kinderfaschinge in Baden-Württemberg, ich kenne in der Region keinen größeren.“ Auch die anschließende Hexennacht erfreue sich immer großer Beliebtheit weit über Weissach hinaus. „Da haben wir jedes Jahr fast 1000 Leute in der Halle.“

Besonders freut Ludwig Essig sich auf den anstehenden Rathaussturm. „Das ist der erste seit Jahren“, sagt er und ergänzt schmunzelnd: „Unter Daniel Töpfer gab’s das einmal, dann hatte er keine Lust mehr darauf.“ Der Termin dafür ist der 8. Februar um 17.33 Uhr. Der Kinderfasching und die Hexennacht finden am 20. Januar nacheinander in der Strudelbachhalle statt.

Aber wo war eigentlich die Weiler AHA am Wochenende? Die gehört zu den Fasnetsvereinen, die zum Maskenabstauben keine eigene Veranstaltung auf dem Plan haben. Dafür bieten die Weiler Narren wieder volles Programm ab dem 20. Januar, dann findet die Narrenmesse statt. Narrensprung ist am Sonntag, 4. Februar, um 14 Uhr, und der von vielen heiß ersehnte Fasnetsumzug ist für Sonntag, 11. Februar, geplant. Start ist ebenfalls um 14 Uhr. Um die 15 befreundete Narrenzünfte und 20 Musikkapellen sorgen für Stimmung, die Narrenzunft selbst baut seit Dezember an mehr als 20 Festwagen.