Eine Ausstellung präsentiert die Sindelfinger Martinskirche im Wandel der Zeit.
Die Sindelfinger Martinskirche ist Wahrzeichen und Mittelpunkt der Stadt. Eine Bild-Dokumentation im Inneren spiegelt derzeit wichtige Veränderungen in der fast 1000-jährigen Geschichte des Bauwerkes wieder. Dessen langfristigem Erhalt als spirituellem Zentrum und kulturellem Erbe hat sich eine Stiftung verschrieben, die sich immer über weitere Förderer und Impulsgeber freut.
Zwei, die sich der Sindelfinger Martinskirche in besonderer Weise und das seit Jahrzehnten verschrieben haben, sind Sylvie Weller-Pahl und Immanuel Rühle. Die eine als Kirchengemeinderätin, Stadtführerin und Hobbyhistorikerin, der andere als Architekt, Kirchengemeinderat und Gemeinderat im Ruhestand, der selbst viele Anstöße zu den Renovierungen von 1973 gegeben und deren innovative Veränderungen unmittelbar miterlebt hat. Einiges habe sich bewegt und die Kirche sei offener geworden, entsprechend der Strömungen der Zeit, sagt der heute 90-Jährige. „Damals hat man die Weichen gestellt“, fügt Pfarrer Jens Junginger hinzu, „es war eine weitsichtige Entscheidung.“ Besonders, dass die traditionellen Kirchenbänke durch frei verstellbare oder sogar ganz herausnehmbare Stühle ersetzt wurden, die Emporen in den Seitenschiffen verschwanden und eine Fußbodenheizung eingebaut wurde. Erst dadurch waren kulturelle Veranstaltungen, wie die Reihe „Leere Kirche“, die der Martinskirche seit den 1990er-Jahren ein ganz neues Gesicht geben, überhaupt möglich.
Im Jahr 1083 geweiht
Geweiht wurde das ab 1065 von italienischen Baumeistern errichtete Kirchengebäude, obwohl damals noch gar nicht fertig, im Jahr 1083. Rund 50 Jahre später kam der zuerst noch frei stehende stadtbildprägende Turm ‚Campanile’ hinzu. Um 1180 wurde der bei der Renovierung 1973 unter dem Fußboden gefundene „Sindelfinger Münzschatz aus 900 mittelalterlichen Brakteaten vergraben.
Mitte des 15. Jahrhunderts wurde das Sindelfinger Chorherrenstift zum bedeutendsten Stift der Grafschaft Württemberg-Urach, bevor es 1477 zur Gründung der Universität nach Tübingen verlegt und 1536 endgültig aufgelöst wurde.
Immer wieder prägten An- und Umbauarbeiten im Verlauf der Jahrhunderte das Erscheinungsbild der Martinskirche und des sie umgebenden Geländes. Zur heutigen weitgehend frei stehenden Form kam es erst, als in den 1960er-Jahren die Stadt das Areal erwarb, einige Gebäude einer früheren Brauerei abbrach und den Kirchplatz neu gestaltete. Größere Veränderungen brachten auch die Renovierungen von 1926 und 1933, als zuerst der Außenputz abgeschlagen und das Mauerwerk freigelegt wurde, was sieben Jahre später auch innen erfolgte, und die charakteristischen Chorfenster von Walter Kohler eingebaut wurden. Zweimal mussten außerdem nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg neue Glocken beschafft werden, nachdem die alten für Kriegszwecke eingeschmolzen worden waren.
Gründung des Fördervereins im Jahr 2008
2008, zur 925-Jahr-Feier der Martinskirche, wurde dann deren Förderverein gegründet. Angestrebt war ein Stiftungskapital von einer halben Million Euro, das mit 485 000 Euro erst heute annähernd erreicht ist, um aus dessen Erträgen die prognostizierten jährlichen Erhalts- und Unterhaltsleistungen von rund 50 000 Euro bestreiten zu können. Für die in nicht allzu ferner Zukunft anstehende Sanierung der Decken über dem Mittel- und den Seitenschiffen reichen diese Mittel natürlich bei weitem nicht aus.
Umso dankbarer sind Immanuel Rühle und seine Mitstreiter für die Unterstützung der Stadt, die beispielsweise 1990 die Hälfte zur Renovierung von Glockenturm und Geläut beisteuerte. „Die bürgerliche Gemeinde steht zur Martinskirche bis zum heutigen Tag“, freut sich der engagierte Streiter, dass die auch von ihm selbst mit seinen ehrenamtlichen Tätigkeiten gepflegte Saat aufgegangen ist – und weiter fortwirkt.
Termine in der Martinskirche
Bis 1. Dezember
Ausstellung „Martinskirche im Wandel der Zeiten“
16./17. Dezember
Weihnachtsoratorium
Reihe
Konzerte der Veranstaltungsreihe „Musik für Sindelfingen“ siehe auch www.martinskirche-sindelfingen.de im Internet.