In Birkach wünschen sich die Friedhofsgänger nicht nur eine bessere Akustik in der Feierhalle, sondern gleich ein neues Gebäude. Foto: Archiv Bürkle

Der Gemeinderats-SPD missfällt, dass die Akustik in der Feierhalle auf dem Degerlocher Waldfriedhof schlecht ist. Klagen gibt es auch aus Birkach, dort hätten die Friedhofsgänger am liebsten gleich eine ganz neue Halle.

Birkach/Degerloch - Roswitha Blind saß eigentlich ganz geschickt. In der vierten Reihe fühlt sich der Zuhörer noch nicht vom Mikrofon bedrängt, gleichzeitig sitzt er so nahe am Podium, dass der Redner eigentlich gut zu verstehen sein müsste. Die Stadträtin der Sozialdemokraten machte allerdings bei einer Beerdigung auf dem Degerlocher Waldfriedhof die Erfahrung, dass eine vorhandene Tonanlage sowie ein Platz relativ weit vorne noch keine Garanten dafür sind, etwas von der Ansprache mitzubekommen. „Dabei hat der Pfarrer sich bemüht, jedes Wort einzeln zu betonen“, sagt die SPD-Politikerin.

Auch andere Gäste bei der Beerdigung, die dem Pfarrer in der Feierhalle lauschten, seien nach der Veranstaltung enttäuscht gewesen, sagt Roswitha Blind. „Viele Gäste haben überhaupt nichts verstanden“, sagt sie. Der Sozialdemokrat und frühere Stadtdekan Hans-Peter Ehrlich bestätigt die Beobachtungen. Zwar sei die Akustik in allen Feierhallen von der Anzahl der Besucher abhängig – also mal lauter, mal leiser, sagt er. „Trotzdem – in der Feierhalle auf dem Waldfriedhof gibt es ein Problem, das dringend überprüft werden muss.“

Alle Gäste sollen künftig gut zuhören können

Die SPD hat nun auf Betreiben von Roswitha Blind einen Antrag gestellt, in dem sie eine Überprüfung der Akustik sowie der Lautsprecheranlage auf dem Degerlocher Waldfriedhof durch Experten fordert. Das Ziel ist es, eine gute Akustik für alle Gäste in der Feierhalle zu gewährleisten, heißt es in dem Antrag.

Die SPD weist darauf hin, dass gerade ältere Menschen mit eingeschränktem Gehörsinn häufig zu Trauergemeinden gehören. Die Fraktion formuliert zudem den Wunsch, dass sich die Stadtverwaltung auch um die Akustik in allen anderen Feierhallen in der Landeshauptstadt kümmern soll.

Auch in Birkach herrscht Unzufriedenheit über den Zustand der dortigen Aussegnungshalle. Der Birkacher Bezirksbeirat Werner Schmückle von der CDU stört sich allerdings nicht nur an der Akustik der Feierhalle an der Welfenstraße. Am liebsten wäre ihm gleich ein neues Gebäude. Denn die alte Feierhalle beschreibt der evangelische Pfarrer als zugig und unwirtlich. „Gerade im Winter ist das für die Gäste einer Beerdigung eine unschöne Sache. Das ist ein unhaltbarer Umstand“, sagt der CDU-Bezirksbeirat.

Machbarkeitsstudie zur Birkacher Feierhalle

Tatsächlich sei bei den Beratungen für den aktuellen Doppelhaushalt eine Übereinkunft erzielt worden, dass Geld für die Birkacher Feierhalle bereitgestellt werden soll, sagt Werner Schmückle. Allerdings prüfe die Stadt im Moment, wie die Feierhalle auf dem Birkacher Friedhof denkmalgerecht renoviert werden könnte. Werner Schmückle fordert für den Fall, dass ein Abriss unmöglich sei, den Bau einer weiteren Halle, die dann witterungsfest sein soll.

Volker Schirner, der Leiter des Garten-, Friedhofs-und Forstamtes, erklärt, dass eine Machbarkeitsstudie zu der Feierhalle auf dem Birkacher Friedhof erstellt worden ist. Diese soll zeigen, wie die Aussegnungshalle unter den Vorgaben des Denkmalschutzes umgestaltet werden kann.

Auch der SPD-Antrag zur Feierhalle auf dem Degerlocher Waldfriedhof sei in Bearbeitung, sagt Schirner. Jedoch gebe es in vielen Bezirken Stuttgarts ähnliche Probleme. „Wir haben 40 Friedhöfe zu betreuen und können solche Anfragen nur nacheinander abarbeiten“, sagt Schirner. Die Diskussionen über eine angemessene Ausstattung und Gestaltung an den Orten des Abschieds werden wohl nicht nur in Birkach und Degerloch weitergehen.

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