Ein marodes, seit Jahren gesperrtes Brückenbauwerk an der Backnanger Bleichwiese soll im April abgebaut werden. An Plänen für Ersatz wird gearbeitet. Mehrere Alternativen stehen zur Debatte – die aber Hürden haben.
Spanplatten versperren Fußgängern den Zugang zum Murrsteg an der Bleichwiese schon seit Jahren. Die 25 Meter lange Brücke aus Tropenholz, die vom Parkplatz an der Bleichwiese direkt zum Treppenaufgang in die Backnanger Altstadt führt, musste 2020 aus Sicherheitsgründen für Fußgänger gesperrt werden.
Nässe und Feuchtigkeit hatten der Holzkonstruktion über die Jahre derart zugesetzt, dass den Verantwortlichen der Stadtverwaltung nichts anderes übrig blieb, als die Eingänge mit Brettern zu vernageln, wie Tobias Großmann, der Leiter des Stadtplanungsamtes erklärt: „Der Steg hatte von Anfang an keinen ausreichenden Holzschutz, der permanente Feuchtigkeitseintrag hat die freiliegenden Elemente so sehr beschädigt, dass die Standfestigkeit nicht mehr garantiert werden konnte.“ Zwar hatte der 1984 gebaute Steg im Jahre 1988 zusätzlich ein Ziegeldach erhalten, doch aufhalten konnte diese den Niedergang des Stegs nicht. Auch die Stahlbandagen, die 2017 eingebaut werden mussten, weil sich im Laufe der Zeit Zugstreben gelöst hatten, halfen nur vorübergehend. Bei einer turnusgemäßen Überprüfung im Jahr 2020 hat ein Statiker schließlich die Komplettsperrung empfohlen. Seitdem ist der Steg nicht mehr nutzbar.
Der Schandfleck soll nun weg
Weil eine Sanierung nicht in Frage kommt, wurde entschieden, den alten Holzsteg abzubauen. „Uns war schnell klar, dass wir den Steg entfernen lassen, damit es kein dauerhafter Schandfleck wird“, erklärt Tobias Großmann. Schnell umsetzen ließ sich der Abbau jedoch nicht. Denn direkt unter Steg war eine Gasleitung montiert, die eine zügige Demontage verhinderte. Zunächst wurde deshalb überlegt, die Gasleitung unter der Murr hindurch zu legen. Vom extrem teuren Unterdüker, wie das in der Fachsprache heißt, sind die Stadtwerke aus Kostengründen abgekommen. Stattdessen wurde das Gas über ein anderes Rohr umgeleitet. Nun also steht dem vollständigen Rückbau des Stegs nichts mehr entgegen. Anfang April sollen die Bauarbeiter anrücken und den Holzsteg endgültig entfernen.
Wer in die Backnanger Altstadt gelangen will, kann zwei alternative Übergänge nutzen: Den Ernst-Riecker-Steg, der rund 160 Meter flussaufwärts vom Holzsteg entfernt liegt und 2011 nach einem Jahrhunderthochwasser in Stahlbauweise errichtet wurde. Der andere Übergang, die Sulzbacher Brücke, befindet sich rund hundert Meter flussabwärts gelegen und führt ebenfalls Passanten trockenen Fußes über die Murr. „In den vergangenen Jahren haben sich mit der Sulzbacher Brücke und dem Ernst-Riecker Steg zwei attraktive Querungsmöglichkeiten und damit fußläufige Alternativen etabliert“, erklärt der Amtsleiter.
Wunsch nach direkter Verbindung in die Altstadt
Der Wunsch nach einer direkten Wegeverbindung von der Bleichwiese in die deutlich höher gelegene Altstadt über die Post- und Wassergasse besteht dennoch, wenngleich sie aufgrund der bestehenden Alternativen nicht zwingend nötig wäre. „Wir wissen, dass das Thema kontrovers diskutiert wird, sehen aber auch großes städtebauliches Entwicklungspotenzial und haben eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben“, sagt Tobias Großmann. „Eine Verbindung in die Altstadt hätte Charme.“
Kein identischer Steg an der Stelle
Relativ unwahrscheinlich ist bei diesen Überlegungen, dass es auf einen flachen Steg auf identischem Niveau wie beim jetzigen hinausläuft. Nicht nur wegen der mangelnden Barrierefreiheit wäre das problematisch. „Der südliche Teil eines solchen Steges läge im Hochwassergebiet.“ Auf zwei Varianten liegt der Fokus: eine, die auf halbe Podesthöhe des Treppenturms führt, und eine, die von der Bleichwiese in direktem Brückenschlag mit der Postgasse verbindet. Dazu müsste man in einer Art Spindel barrierefrei erst auf die entsprechende Höhe gelangen, um dann die Murr zu queren. In beiden Fällen herausfordernde Aufgaben für die Planer.
Zu gegebener Zeit soll eine präferierte Variante dem Backnanger Gemeinderat zum Beschluss empfohlen werden, sagt Großmann, voraussichtlich Ende dieses Jahres. Bis die Stadträte über einen zusätzlichen Brückenschlag diskutieren und darüber entscheiden werden, fließt also noch einiges Wasser die Murr hinab.