Mario Gomez beim VfB Nur keine Wunder erwarten

Von Gunter Barner 

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Vor dem Rückrundenstart in der Fußball-Bundesliga: Mario Gomez ist Sinnbild einer Entwicklung, die den VfB Stuttgart einst erfolgreich machte. Wunder sollte aber niemand erwarten, schreibt StN-Autor Gunter Barner in seiner Kolumne.

Stuttgart - Es war um die Jahrtausendwende: Gerhard Mayer-Vorfelder entging nach 25 Jahren an der Spitze des VfB Stuttgart nur knapp der Schmach, geteert und gefedert aus dem Amt zu weichen. Auf dem Schuldenkonto türmten sich nach heutiger Rechnung rund 14,5 Millionen Euro. Uli Ruf, der getreue Kassenwart, sprach bleich wie der Tod vom höchsten Minus in der Vereinsgeschichte und beklagte den erlahmenden postalischen Schriftverkehr: „Wir können uns keine Briefmarke mehr leisten.“ Dem VfB gelang es nur deshalb, sich aus der Deckung des Kuckucks zu befreien, weil es der neue Vereinschef Manfred Haas irgendwie verstand, aus einem Euro zwei zu machen.

Daimler-Millionen: ein Taschengeld

Es ist kein Fehler, sich solcher Gefechtslagen zu erinnern, wenn sich der VfB Stuttgart von diesem Wochenende wieder einreiht in die Schlange derer, die im Geldtransferbetrieb der Bundesliga ein warmes Plätzchen suchen. Denn die 41,5 Millionen Euro, mit denen sich Daimler 11,75 Prozent der AG-Anteile sicherte, sind gemessen an den Summen der entfesselten Spielermärkte wenig mehr als ein Taschengeld.

Die Frage ist ja nicht mehr weit, ob sie in Liverpool, Manchester, Paris oder sonst wo inzwischen komplett den Verstand verloren haben. Die Reds jedenfalls gönnten sich in der Winterpause für fast 85 Millionen Euro den niederländischen Innenverteidiger Virgil van Dijk vom FC Southampton. Ein Spieler jener Güteklasse, der vor Jahren noch zu Fuß über die Autobahn gelaufen wäre, um in einem Topclub zu kicken. Weil zur gleichen Zeit der FC Barcelona 160 Millionen Euro auf den Tisch des Hauses packte, um den talentierten brasilianischen Mittelfeldmann Coutinho zum Umzug nach Katalonien zu bewegen, legt der Club von Trainer Jürgen Klopp nun auf die 75 Millionen Euro angeblich noch einmal zwanzig drauf – damit Leipzigs Naby Keita schon ein bisschen früher kommt als geplant.

Geld verdirbt Preise und Sitten

Die Frage nach der Moral im Profifußball ist in etwa so sinnvoll wie die, ob der Eskimo einen Gefrierschrank braucht. Es bleibt aber der Einwand, dass so viel Geld die Preise und Sitten verdirbt. Denn Spieler, die zu mehr in der Lage sind, als den Nachweis eines gewissen Talents zu erbringen, sind für den VfB Stuttgart inzwischen so erschwinglich geworden wie Messi für die SG Sonnenhof Großaspach. Das Aushängeschild schwäbischer Fußballkunst kalkuliert bis auf weiteres mit der Größe Gomez plus x. Die war für rund vier Millionen Euro zu haben. Ob das reichen wird, um in der zweiten Hälfte der Saison die erforderlichen 20 Punkte plus x zum Klassenverbleib einzuspielen, weiß kein Mensch. Weil der VfB aber weder eine Bank überfallen kann und Rockefeller noch immer kein Vereinsmitglied ist, tut die weiß-rote Glaubensgemeinschaft gut daran, die Faktenlage zu verinnerlichen, bevor mit dem Anpfiff der Rückrunde der Verstand wieder gen Bauch zu rutschen beginnt.

Mach’s noch einmal, VfB!

Mag sein, dass sich die Gierhälse der Branche des Fußballs nur noch bedienen, um ihr Kapital zu mehren. Die eigentliche Kunst des Unternehmens wird es bleiben, talentierte Spieler zu dauerhaften Größen zu entwickeln. Mit Trainern, die ihr Handwerk beherrschen und in jungen Menschen mehr sehen, als Spielermaterial mit kurzer Halbwertszeit.

Der VfB hat zur Jahrtausendwende schon einmal gezeigt, welche Wirkung gute Nachwuchsarbeit, sportliche Kompetenz und ein begeisterungsfähiges Umfeld entfalten können. Mario Gomez steht sinnbildlich für diese Entwicklung. Wunder sollte dennoch niemand erwarten.

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