Im oberen Teil soll an der Stadtbahnhaltestelle alles beim alten bleiben. Im unteren Bereich sollen zwei Fahrtreppen abgebaut werden. Foto: Heike Armbruster

Weil die neuen Rolltreppen zu teuer sind, müssen sich die Pendler an der Stadtbahnhaltestelle Marienplatz künftig darauf einstellen, häufiger zu Fuß zu gehen. Zwei der fünf Fahrtreppen sollen abgebaut werden.

S-Süd - Der Treppenaufgang der U-Bahn-Haltestelle Odenplan in Stockholm ist weltberühmt. Millionenfach schauen sich die Menschen Videos davon an, denn dort passiert Erstaunliches: Die Menschen laufen lieber zu Fuß, als die Rolltreppe zu benutzen. An der Stadtbahnhaltestelle Marienplatz im Stuttgarter Süden ist es genau umgekehrt. Dort sind die fünf Fahrtreppen bestens frequentiert – noch.

Der Grund für diese Unterschiede im Verhalten der Fußgänger liegt nicht daran, dass die Schweden lieber Treppen steigen. Der Anlass ist die Treppe selbst. 2009 hat die Initiative „The Fun Theory“ des Autobauers VW die Treppe in ein Klavier umgebaut. Techniker haben dafür gesorgt, dass immer dann Töne erklingen, wenn jemand über die Stufen geht, sogar die Gestaltung erinnert an ein Klavier. Seither nutzen Menschen vermehrt die statische Treppe und ignorieren die Rolltreppe.

Bezirksbeiräte wollen bestehende Fahrtreppen erhalten

Von solch kreativen Lösungen ist man im Stuttgarter Süden weit entfernt. Trotzdem müssen sich die Menschen darauf einstellen, künftig wieder häufiger Treppen zu steigen. Die beiden Fahrtreppen, die vom überdachten Bereich der Haltestelle abwärts zu den Gleisen führen, sollen abgebaut werden. Ursprünglich hatten SSB und Stadt angekündigt, dass diese wie die anderen Rolltreppen der Haltestelle nächstes Jahr ausgetauscht werden sollen. Nach gut 25 Betriebsjahren ist das erforderlich.

Aufgrund der Kosten von 200 000 Euro für eine Fahrtreppe mit zusätzlichen jährlichen Unterhaltungskosten von 8000 Euro fiel jedoch die Entscheidung, zwei der insgesamt fünf Treppen an der Haltestelle abzubauen. Nur noch die Treppen, die aufwärts führen, sollen erhalten bleiben. Gegen diesen Beschluss wehren sich nun die Lokalpolitiker. Die CDU-Fraktion beantragte, alle vorhandenen Fahrtreppen am Marienplatz zu erhalten. Die Haltestelle sei einer der wichtigsten Verkehrsknoten im Süden, und die Fahrtreppen würden während der Hauptverkehrszeiten gebraucht.

Keine Mehrheit für zusätzliche Rolltreppen

Der Bezirksbeirat Heinrich Bek (CDU), setzte sich zudem für eine weitere Fahrtreppe auf der oberen Ebene ein, die abwärts führen soll. Während die Bezirksbeiräte dem Erhalt der bestehenden Rolltreppen bei zwei Enthaltungen zustimmten, fand sich keine Mehrheit für eine zusätzliche Fahrtreppe.

Unklar ist, was mit dem eingesparten Geld passiert, sollten die Fahrtreppen entgegen dem Wunsch des Bezirksbeirats abgebaut werden. Unabhängig von kreativen Ideen gibt es auch ganz praktische Ideen der Bürger, etwa die zusätzlicher elektronischer Anzeigetafeln an den Stadtbahnhaltestellen.

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