Marc Stein gibt seit 1. Januar als Sportdirektor bei den Stuttgarter Kickers die Richtung vor. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Sportdirektor Marc Stein freut sich nach Pokal-Finaleinzug und Oberliga-Tabellenführung über die Euphorie bei den Stuttgarter Kickers und will den Verein Schritt für Schritt weiter professionalisieren.

Fußball-Oberligist Stuttgarter Kickers will im Heimspiel am Gründonnerstag (19 Uhr/Gazi-Stadion) gegen den 1. CfR Pforzheim seine Tabellenführung verteidigen. Sportdirektor Marc Stein spricht über die kurz- und mittelfristigen Pläne.

 

Herr Stein, das vergangene Wochenende dürften Sie sehr genossen haben, oder?

Es war ein tolles Wochenende, mit unserem 7:0 in Neckarsulm, dem Sprung an die Tabellenspitze und dem vorzeitigen Klassenverbleib des U-17-Bundesliga-Teams, wodurch wir den Status unseres Nachwuchsleistungszentrums für ein weiteres Jahr gesichert haben. Aber: Es war eben nur ein Wochenende, und die Arbeit geht jetzt erst richtig los.

Das klingt recht nüchtern. Bei den Fans hat die Mannschaft derzeit eine Euphorie entfacht, gegen Pforzheim wird mit 3000 Zuschauern gerechnet.

Das freut mich ja auch sehr, denn diese Euphorie ist das Produkt guter Arbeit. Dennoch haben wir noch nichts erreicht.

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Immerhin das WFV-Pokal-Finale.

Dieses erste Saisonziel haben wir erreicht, stimmt. Nun wollen wir am 21. Mai in unserem Wohnzimmer auch ein Fußballfest feiern.

Erinnerungen an BVB-Spiel

Und in den DFB-Pokal einziehen, an den Sie schöne Erinnerungen haben.

Wir wollen jedes Spiel gewinnen – auch das Finale. Sollte es gegen den Titelverteidiger SSV Ulm 1846 (Anm. d. Red.: Halbfinale am 19. April beim TSV Essingen) gehen, wären wir jedenfalls nicht der Favorit. Und klar, die Erinnerungen vor allem an das Spiel 2014 mit den Kickers gegen Borussia Dortmund vor 37 000 Zuschauern sind da, das war ein absolutes Highlight. Aber jetzt gilt erst einmal der volle Fokus der Liga.

In der viele die Blauen nach dem 1:2 daheim im Spitzenspiel gegen den SGV Freiberg schon abgeschrieben hatten.

Das war so, aber jetzt sind wir obenauf, am Donnerstag kann es schon wieder anders aussehen. Wir brauchen einen langen Atem.

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Der Trainerwechsel in Freiberg dürfte dort Unruhe auslösen. Ein Vorteil?

Jein, wir tun gut daran, uns nicht mit Nebenkriegsschauplätzen zu beschäftigen, sondern vor unserer eigenen Haustür zu kehren. Wir wollen uns weiterentwickeln, dabei ist es für uns optimal, dass wir in dieser entscheidenden Phase alle an Bord haben. Wir werden jeden Mann brauchen.

Professionalität steigern

Sie sind seit dem 1. Januar im Amt und wollen den Verein professioneller aufstellen. Wo setzen Sie konkret an?

Nichts wird von jetzt auf nachher geschehen. Wir möchten Schritt für Schritt die Kickers auf allen Ebenen professionalisieren.

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Heißt das konkret, dass Trainer Mustafa Ünal dann künftig nicht mehr als Lehrer arbeiten kann und kein Spieler mehr eine Nebentätigkeit ausüben darf?

Wir befinden uns da im Austausch. Bestimmte Parameter, wie zum Beispiel auch die Teilnahme an allen Vormittagstrainingseinheiten, müssen erfüllt sein. Dann kann man über alles reden.

Theorie hilft in der Praxis

Hilft Ihnen bei solchen Gesprächen Ihre Erfahrung als Dozent an der VfB-Akademie zum Thema „Strategische Verhandlungsführung“. Wenn ja, wie konkret?

Wenn man bestens vorbereitet in ein Gespräch geht, ist das die halbe Miete. Es gibt einem die nötige Sicherheit, es lässt einen eine gewisse Ruhe ausstrahlen, denn die meisten schlechten Entscheidungen trifft man unter Druck.

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Unter Druck stehen die Kickers, 2022/23 nicht ein fünftes Jahr in der Oberliga zu spielen. Ist der Aufstieg ein Muss?

Wir wollen natürlich unbedingt nach oben, wir sind seriös genug, zweigleisig zu planen.

Mutter Bundestrainerin

Sollte die Mannschaft bei einem Aufstieg nicht deutlich verstärkt werden?

Es würde keinen Riesenumbruch geben, sondern eine gezielte Weiterentwicklung. Das hat sich das aktuelle Team verdient.

Ihre Mutter Annett ist Cheftrainerin des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Gibt es ab und zu für Sie und die Kickers Tipps für den athletischen Bereich?

Sie könnte mir bestimmt ein paar Trainingspläne schicken, aber es stehen WM und EM an, sie hat sehr viel zu tun (lacht). Außerdem haben wir ein sehr kompetentes Trainerteam.

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