Manuel Neuer präsentiert sich derzeit nicht in Bestform. Foto: dpa

Manuel Neuer schwächelt und wird in der deutschen Fußball-Nationalelf zu einem Sinnbild der Krise der Bayern-Achse. Denn der einstige Welttorhüter macht aktuell eine schwere Zeit durch.

Amsterdam - Die Schuldfrage war schnell geklärt, zumindest für Manuel Neuer. Der Keeper stand auf festen Füßen am Ausgang der Arena in Amsterdam, er hatte sogar die Absperrungsbande auf Hüfthöhe im Blick, die angesichts des massiven Andrangs an Fragestellern ins Wanken geriet. „Achtung, die kracht gleich auseinander“, sagte Neuer – nachdem vorher das deutsche Spiel zusammengebrochen war, wozu der Kapitän im Kasten selbst in nicht unerheblichem Maße beigetragen hatte.

„Eine Mitschuld habe ich auf jeden Fall“, sagte der Torhüter nach dem 0:3, das er mit seinem Fehler vor dem Führungstor der Niederländer eingeleitet hatte. Neuer segelte nach einer scharf geschossenen Ecke am Ball vorbei und irrte unentschlossen durch den Fünfmeterraum, was irgendwie ins Bild der vergangenen Wochen passte. Denn der eigentlich Unfehlbare, der Ausnahmetorhüter, er schwächelt. Der Mann, über den es dank konstanter Weltklasseleistungen in den vergangenen Jahren keine Diskussionen gab, steht in diesen Wochen ebenso in der Kritik wie seine ebenfalls schwächelnden Krisenkollegen in München.

Neuer hat die Bayern-Misere ja mit seinem krassen Fehler vor ein paar Wochen beim 1:1 gegen den FC Augsburg sogar mit eingeleitet. Bei Joachim Löw aber ist Neuer weiter unumstritten, auch wenn der Coach Marc-Andre ter Stegen vom FC Barcelona als „kommenden Mann“ sieht. Über Neuer dagegen wird diskutiert – und das schon bei der WM in Russland, als er nach langer Verletzung wieder auf den Platz zurückkehrte und der in den vergangenen Jahren ebenfalls auf Weltklasseniveau agierende ter Stegen das Nachsehen hatte.

Neuer spart nicht mit Kritik an den Kollegen

Neuer übrigens widmete sich am späten Samstagabend nicht nur seinem eigenen Fehler – er geißelte auch seine Teamkollegen, die den Niederländern in der Schlussphase etliche klare Konterchancen ermöglichten. „Da müssen die Spieler Verantwortung übernehmen und nicht vogelwild irgendwo rumlaufen“, sagte er. Mats Hummels, auch ein Teil der kriselnden Bayern-Achse des DFB-Teams, dagegen wertete das 0:3 von Amsterdam mit recht erstaunlichen Aussagen auf. „Ich bin oft genug kritisch, aber ich finde nicht, dass man uns im Moment viel vorwerfen kann“, sagte Hummels. „Wir haben eine gute Einstellung auf dem Platz. Wir arbeiten, wir spielen uns Situationen raus. Wir verpassen es nur, uns dafür auch einmal zu belohnen.“

Zur öffentlichen Kritik meinte Hummels: „Wir haben eine gute Nationalelf und werden teilweise behandelt wie die Vollamateure. Aber das wird immer so bleiben, dass wir von Medien und Fans so behandelt werden, damit müssen wir klarkommen.“

Ein weiteres Mitglied der Bayern-Achse sah die Dinge ein bisschen anders. „Schönreden bringt jetzt nichts mehr“, sagte Jo­shua Kimmich, der ein starkes Spiel im zentralen Mittelfeld gemacht hatte: „Es ist auch nicht so, dass das irgendwie Zufall ist. Immer Pech ist kein Zufall, irgendwas steckt dahinter.“

Draxler geht vieles zu langsam

Was genau, erklärte Julian Draxler – der Profi von Paris St-Germein konterkarierte die Aussagen von Hummels. „Es geht mir alles zu langsam, es ist zu berechenbar“, sagte Draxler. „Wir spielen den Ball immer hin und her, bis wir einen Konter kassieren. So können wir nicht weitermachen.“

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