Rund 50 Menschen haben sich zu der Mahnwache auf dem Schillerplatz in Stuttgart versammelt. Foto: Lichtgut/Julia Schramm

Nach den Krawallen vor einer Woche in Stuttgart hat der ehemalige Polizist Steffen Guthier auf dem Schillerplatz eine Mahnwache für friedliches Miteinander initiiert.

Stuttgart - Blau, gelb, orange steigen die Luftballons in die Luft – auf das Kommando von Steffen Guthier. „Drei, zwei, eins, null“ hatte der ehemalige Polizist heruntergezählt und angefügt: „Das, was Sie hier sehen, ist Stuttgart. Was sie vergangenen Samstag gesehen haben, war nicht Stuttgart.“

Damit endete die Mahnwache auf dem Schillerplatz, zu der sich am Samstagnachmittag knapp 50 Menschen einfanden. Guthier hatte eingeladen zu der Kundgebung. Die „schockierenden, mit Hass erfüllten“ Krawalle in der Landeshauptstadt hätten ihn auf die Idee der Initiative gebracht, sagt der Chef einer Sicherheitsfirma, der das Motto „Create Don’t Destroy“ auf dem T-Shirt trug. „Wir sind überparteilich, rein privat, es geht darum, als Gesellschaft ein Zeichen zu setzen gegen Gewalt, gegen Angriffe auf Polizisten und Rettungskräfte, gegen Plünderungen, für ein friedliches Miteinander.“

Der Polizei und den Rettungskräften müsse der Rücken gestärkt werden, die ihre Haut für alle hinhielten. Seine Beiträge zu den Ereignissen auf Facebook seien über 56.000 Mal geklickt und zigfach kommentiert worden. Das zeige, viele Bürger seien resigniert. Die Rechten hätten sofort versucht, die Situation auszuschlachten. „Das dürfen wir nicht zulassen, die wollten wir auch nicht hier haben.“

70-köpfige Ermittlerkommission eingesetzt

Stuttgart sei bunt, erklärte er auf dem Podest der Schiller-Statue. Es gehe nicht um Religion, Hautfarbe oder Herkunft. Es gehe darum den Chaoten, die diese Leib, Leben und Existenz gefährdenden Verbrechen begangen hätten, entgegenzutreten. „Sie sind eine Minderheit, müssen die ganze Härte des Gesetzes spüren.“

Die verabscheuungswürdigen Taten müssten aufgeklärt werden, die Politik müsse Lösungen für die gesellschaftliche Schieflage finden. Das Bild der „wehrhaften Demokratie“, das er in seiner Polizistenausbildung 1985 gelernt habe, werde zunehmend verwässert. „Zu viel wird verwaltet, es braucht klare Worte. Ob Drogenkontrolle oder Anderes, die Auslöser für solche Krawalle, die sicher unter anderem auch von Perspektivlosigkeit und Frust gespeist sind, sind austauschbar – hier und andernorts.“

Eine 70-köpfige Ermittlerkommission sei dabei, die Hintergründe ans Tageslicht zu befördern, erklärte Backnangs Oberbürgermeister Frank Nopper, der für die CDU bei den Stuttgarter OB-Wahlen im November antritt. „Stuttgart ist eine Stadt der Liberalität, gegenseitigen Respekts und Toleranz.“ Siegfried Lorek, CDU-Landtagsabgeordneter und früherer Polizeioberrat, betonte, dass Beschimpfungen sowie die Zahl der Angriffe auf Rettungskräfte und Polizisten enorm zugenommen hätten.

Letztere dürfe in Sachen Rassismus und Rechtsradikalität nicht unter Generalverdacht gestellt werden. „Rechtes Gedankengut bei der Polizei muss und wird aufgeklärt werden. Die Polizei hier ist anders als in den USA. Niemand würde wie bei George Floyd 8.46 Minuten auf dem Nacken knien.“

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