Oliver Sanders Feuerkunst ist sehr effektvoll. Die Motive können die Auftraggeber bestellen, darum wird er gerne für Geburtstage, Taufen und Hochzeiten gebucht. Foto: privat

Metzger, Zimmermann und Künstler: Oliver Sander aus Oberböhringen im Kreis Göppingen hat viele Berufe erlernt. Und er bringt ganz Baumstämme zum Leuchten.

Oberböhringen - Olisander, dieser Name klingt nach Magie und Tropenholz – und trifft damit ziemlich gut das, was der gelernte Metzger und Zimmermann Oliver Sander aus Oberböhringen auf der Alb (Kreis Göppingen) seit einigen Jahren treibt. Mit wenigen Schnitten bearbeitet er bis zu 3,40 Meter hohe Baumstämme so, dass sie später magisch leuchtend von innen heraus abbrennen. Spektakulär sieht es aus, wenn aus dem anfänglich heftig qualmenden Holz die Silhouette eines Indianerkopfes oder eines Menschen herausleuchtet. Vermutlich sind Sanders brennende Stämme in dieser Art wohl einzigartig in Deutschland, bei vielen abendlichen Events und Kulturnächten in der Region bilden sie die Attraktion.

Die Idee entstand am Lagerfeuer

Dabei hat er erst vor wenigen Jahren die Künstlerlaufbahn eingeschlagen. „Die Entstehungsgeschichte ist recht banal. Ich saß mit ein paar Kumpel am Lagerfeuer, und wir haben einen ausgehöhlten Stamm ins Feuer gelegt, aus dessen Astloch dann die Flammen schossen. So kam die Idee auf“, erklärt Sander. Später habe ihm ein befreundeter Künstler auf die Sprünge geholfen und ihn zu ersten Aktionen animiert.

Der 38-Jährige, der seinem Spitznamen Burning Beard (brennender Bart) äußerlich alle Ehre macht, hat sich schon als Jugendlicher mit Brennholz sein Taschengeld verdient. Den Umgang mit der Kettensäge hat er sozusagen im Blut. Für seine Kunst macht er sich die Idee der Schwedenfeuer und den Kamineffekt zunutze. „Ich suche mir entweder hohle Baumstämme, oder ich helfe nach“, erklärt er. Dann muss er die Stämme in etwa 80 Zentimeter hohe Abschnitte sägen und sie mithilfe der Kettensäge im Inneren zu einem durchgehenden Kamin aushöhlen. Damit das klappt, müssen die hohen Stämme erst gestückelt und später wieder mithilfe von Holzdübeln exakt zusammengesetzt werden. Selbst gefertigte Schablonen helfen Sander dabei.

Die Stämme brennen nicht ganz aus

Im Anschluss daran wird das Motiv von außen bis zu dem durchgängigen Mittelkamin gesägt. „Das Holz brennt nach dem Anheizen von innen heraus. Unten bleibt ein 30 bis 60 Zentimeter starker Sockel unberührt. Den brauche ich für die Standfestigkeit. Er brennt auch später nicht durch, weil der Kamineffekt die Hitze nach oben zieht“, erläutert Sander das Prinzip. Anders als bei dem sehr harzhaltigen Nadelholz der Schwedenfeuer brennen seine Stämme nie ganz aus. Nach Stunden löscht er sie vorsichtshalber aber doch mit Wasser.

Seine künstlerischen Motive können Ranken und Muster sein, für Geburtstagsfeiern, Taufen und Hochzeiten sind aber vor allem leuchtende Herzen, Namen und Jahreszahlen gefragt. Gerne würde er öfters aufwendigere Motive anfertigen, etwa seinen Indianerkopf. „So eine Skulptur brennt aber viele Stunden. Bei den meisten Events, die ich besuche, wie Kulturnächte, habe ich gar nicht genügend Zeit, und die Leute haben nicht genügend Muße, darauf zu warten, wie sich das Feuer erst langsam von innen nach außen zu einem Bild brennt“, sagt Sander. Er verwendet gerne Birken, Erlen, Eichen oder Buchen, aber auch Obsthölzer. Bis nach Eckernförde hat er seine in der heimischen Scheuer auf dem abgelegenen Berghaus St. Michael bei Oberböhringen vorbereiteten Kunstwerke schon auf dem Anhänger kutschiert.

Im Winter arbeitet er die Baumskulpturen nach

Mit dem spektakulären Abbrennen allein sind Sanders Skulpturen aber noch gar nicht ausgereizt. „Die Aktionen sind meist etwas für laue Sommernächte. Im Winter, wenn es etwas ruhiger wird, folgt dann die viel aufwendigere Arbeit“, erklärt er. Außerdem müssten dafür die Stämme noch vollständig ausdünsten. „Sonst stinken sie ewig nach kaltem Rauch“, erklärt Sander. Sachte und mit viel Schleifpapier befreit er anschließend die Skulpturen von Holzkohle und Ruß. „Manchmal arbeite ich auch mit der Säge noch nach“, räumt er ein. Die ausgehöhlten Stämme baut er dann zu schicken Lampen um. „Viele Leute stellen sich die ausgebrannten Stämme auch so gerne in den Garten. Die Lampen sind aber auch ein richtiger Hingucker.“

Wer mehr über Oliver Sander, seine ungewöhnliche Lichtkunst und wie diese entsteht wissen möchte, kann über seine Homepage www.olisander.com Kontakt mit ihm aufnehmen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: