Seite 3Märklin-Chef Sieber "Durch Rabatte schaden wir der Marke"

Von Anne Guhlich 

Warum?
Unsere Sammler ärgern sich, wenn sie am Anfang des Jahres eine hochwertige Lokomotive für ein paar Hundert Euro kaufen, und am Ende des Jahres wird sie 20 Prozent günstiger angeboten. Wir dürfen den Wert unserer Produkte nicht durch Rabatte zunichtemachen. Dadurch schaden wir der Marke und verlieren unsere Glaubwürdigkeit. Deshalb haben wir uns dafür entschieden, dass wir künftig auf die Umsätze aus solchen Notverkäufen verzichten.
Jetzt gibt es gar keine Rabatte mehr?
Auf der Spielwarenmesse in Nürnberg möchten wir unseren Händlern vorteilhafte Einkaufsbedingungen bieten. Dort müssen wir den Kunden Anreize bieten, damit sie so früh wie möglich ihre Bestellungen aufgeben. Nur so erhalten wir eine rechtzeitige ­Informationsgrundlage, die uns hilft, eine optimale Produktionsmenge festzulegen.
Herr Sieber, nun hatten Sie Zeit zum Nachdenken. Welche Schwächen haben Sie?
(Lacht) Schade. Ich dachte, Sie würden es vergessen. Momentan habe ich das Problem, dass ich mich auf alle Themen gleichzeitig stürzen will. Ich muss mich zielgerichtet auf bestimmte Themen konzentrieren und Prioritäten setzen.
Sie können schlecht delegieren?
Daran muss ich noch etwas arbeiten, ja.
Ähneln Sie da Ihrem Vater?
Mein Vater beschäftigt sich sehr gern im ­Detail mit vielen Themen. Das finde ich aber gut, da er viel Erfahrung hat. Er hat das Unternehmen erfolgreich gemacht.
Bewundern Sie Ihren Vater?
Definitiv. Er hat das Unternehmen 1982 mit meinem Großvater gegründet und es in recht kurzer Zeit zum größten deutschen Spiel­warenhersteller gemacht. Das ist eine bemerkenswerte Leistung. Bei meinem Vater stand das Prinzip des ehrbaren Kaufmanns immer an erster Stelle, er hat ganz klare ­Moralvorstellungen, von denen er nie abgewichen ist. Dafür schätze ich ihn sehr.
Also waren Sie stets ein fleißiger Mustersohn, oder haben Sie Ihren Eltern auch mal Kopfschmerzen bereitet?
(Lacht) Oh doch, solche Momente gab es einige. Während meiner Schul- und Studienzeit war ich nicht unbedingt der Fleißigste, ich hätte mich ein wenig mehr ins Zeug legen können.

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