Erdogan legt Wert auf präsidialen Status. Foto: Presidency Press Service

Mitten in der Krise bekommt der türkische Präsident einen neuen Jet mit orientalischer Prachtentfaltung. Er will ihn geschenkt bekommen haben.

Der Istanbul - Konferenzsaal ist ganz in Blau, Weiß und Gold gehalten. Auf zwei Stockwerken gibt es Schlafzimmer, eine Krankenstation und eine Empfangshalle. Und fliegen kann das Ganze auch noch: Mitten in der türkischen Finanzkrise hat sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ein neues Luxus-Dienstflugzeug vom Typ Boeing 747-8 zugelegt. Der Jumbo Jet sei ein Geschenk des Golf-Emirats Katar, sagt Erdogan, doch die Opposition glaubt ihm nicht: Während die Bürger wegen der eskalierenden Finanzkrise die Gürtel enger schnallen müssten, fröne der Präsident mit dem „fliegenden Palast“ der Prunksucht.  

Erdogan, der in einem Tausend-Zimmer-Palast in Ankara residiert, sieht sich schon länger dem Vorwurf ausgesetzt, als Präsident auf zu großem Fuß zu leben. Erst kürzlich hatte er den Bau einer neuen Residenz im Osten der Türkei verkündet. Unter Erdogans bisherigen Dienstflugzeugen ist ein Airbus-Langstreckenjet des Typs 340. Insgesamt hat die türkische Regierung ein halbes Dutzend Flugzeuge und mehrere Hubschrauber in ihrer Flugbereitschaft.   Doch keiner der Jets kann sich mit dem Neuzugang aus Katar messen.

Ganz nach dem Geschmack des Emirs von Katar

Ursprünglich war der Jumbo für bis zu 467 Passagiere ausgelegt, doch der Umbau nach dem Geschmack der Herrscherfamilie am Golf verringerte die Zahl der Sitze auf 76. Die Passagiere werden von 18 Besatzungsmitgliedern betreut. Mit 400 Flugstunden ist der Jumbo so gut wie neu. Der Emir von Katar habe das Flugzeug zum Verkauf ausgeschrieben, meldete die Zeitung „Daily Mail“ im August. Der Preis belaufe sich auf umgerechnet bis zu 560 Millionen Euro.   Doch als die Türkei ihr Kaufinteresse angemeldet habe, habe der Emir laut Erdogan entschieden, es der Türkei zu schenken. Die Länder sind eng verbündet.

Die Parlamentsabgeordnete Gamze Tascier wies jedoch auf Berichte hin, nach denen der Jet verkauft worden sei. So oder so, die Opposition protestiert. Selbst wenn die Version vom Geschenk stimme, sollte man den Jet schnellstmöglich verkaufen und das Geld gegen die Wirtschaftskrise verwenden, heißt es.   Von der Kritik an dem neuen Flugzeug zeigt sich Erdogan jedoch unbeeindruckt. Es handele sich um ein Flugzeug der Türkei, nicht um seinen Privatbesitz, betonte er.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: