Messe: der EQS in China Foto: dpa/Ng Han Guan

Mercedes-Chef Ola Källenius setzt auf Luxus, China und das E-Auto. Die Schwäche des Flaggschiffs EQS bedeutet für ihn einen Rückschlag.

Zu den größten Momenten im Leben eines Auto-Konzernchefs zählt die Präsentation eines neuen Modells. Jahrelang arbeiten Ingenieurinnen und Ingenieure daran, und bei der Präsentation zeigt der Chef stolz, was seine Leute hervorgebracht haben. Das gilt erst recht, wenn das neue Fahrzeug ein Spitzenmodell ist, wie es das Unternehmen noch nie erfunden hat.

 

„Mit dem EQS leiten wir eine neue Ära für das Unternehmen ein“, sagte Mercedes-Chef Ola Källenius, als er im Frühjahr vergangenen Jahres den Mercedes EQS vorstellte, das neue Flaggschiff des Unternehmens. Bei der vollelektrischen Version der S-Klasse handle es sich um eine „spektakuläre Mischung zwischen Luxus und Hightech mit einer fantastischen Reichweite von bis zu 770 Kilometern“. Sie biete „alles, was man von einem Mercedes im obersten Segment erwartet“.

Preis für EQS sinkt um 20 Prozent

Über den Erfolg eines neuen Modells, und sei es noch so fortschrittlich, entscheiden aber nicht die Vorstände, sondern die Kunden. Und ausgerechnet im wichtigsten und wachstumsstärksten Markt muss Källenius nun einen herben Rückschlag hinnehmen. Von einem Tag auf den anderen senkte man wegen mangelnder Nachfrage die Preise für die E-Autos in China drastisch –vor allem für den Hoffnungsträger EQS. Ein EQS, der dort bisher für umgerechnet 165 000 Euro zu haben war, wird jetzt für 134 000 Euro angeboten – eine Senkung um 20 Prozent. Auch der EQE, die E-Version der E-Klasse, ist nun deutlich billiger zu haben – er kostet nun statt 74 000 Euro nur noch 67 000 Euro.

Chinesische Hersteller auf Augenhöhe

Erst vor wenigen Wochen hatte Mercedes-Finanzchef Harald Wilhelm herausragende Quartalszahlen präsentiert und dies auch mit der sehr guten „Preisdurchsetzung“ begründet. Die weltweiten Lieferengpässe sorgten für hohe Preise, von denen man nun nicht mehr abrücken wolle, erklärte Wilhelm voller Selbstbewusstsein. „Wir haben definitiv nicht die Absicht, die Listenpreise zu senken, und wir haben keine Absicht, die Rabatte zu erhöhen“, sagte er. Eher werde man die Stückzahlen reduzieren als die Preise. Nun kommt es ganz anders. Wenig erbaulich ist für Mercedes auch der Grund der Rabattschlacht, auf die man sich nun einlässt. Es ist die fehlende Wettbewerbsfähigkeit. Immer mehr chinesische Hersteller sind bei der Technologie zumindest auf Augenhöhe, bei der digitalen Vernetzung und dem Infotainment sogar oft überlegen. Nio mit dem anspruchsvollen ET7, aber auch BYD, XPeng oder Geely haben sich rasant nach vorn entwickelt. Deutsche Hersteller dagegen werden in China zwar als Hersteller von Verbrennungsautos bewundert, doch bei ihren E-Fahrzeugen misst man ihnen keine besondere Kompetenz zu. In den Top 20 der meistverkauften Elektroautos in China findet sich nur ein deutsches Auto, und das kommt von Volkswagen. Von den zwei Millionen Autos, die dort im Monat durchschnittlich verkauft werden, entfielen nur 100 Stück auf den EQS.

Großen Wettbewerbsnachteile?

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer gehörte von Anfang an zu den Kritikern der Luxus-Ausrichtung. Sie führe zu geringen Stückzahlen, dadurch fehle es dann an Autos, auf die man die immensen Kosten für neue Technologien umlegen kann. Das wiederum führe zu Wettbewerbsnachteilen. Wenn dann in der Luxusklasse auch noch die Preise fallen, sei die Strategie gescheitert.

Mercedes reagierte auf die Entwicklung zurückhaltend. Es gebe „dynamische Entwicklungen am Markt“, die man kontinuierlich beobachte. Die S-Klasse bleibe führend im Segment, und dank des flexiblen Produktionssystems könne man „die Produktion von S-Klasse und EQS an die sich ständig ändernde Marktnachfrage anpassen“.