Lukas Nmecha ist der neue Hoffnungsträger im deutschen Sturm. Foto: imago images/Sven Simon

Der Wolfsburger Lukas Nmecha steht im heimischen Stadion vor seinem Länderspieldebüt – und ist die neue Hoffnung auf der Mittelstürmerposition in der DFB-Elf.

Stuttgart/Wolfsburg - Nein, zu Späßen aufgelegt ist Hansi Flick bei all den Abgereisten und den erwartbaren Coronafragen am Mittwochmittag nicht. Mal wieder geht es auf dem Pressepodium des DFB in Wolfsburg nicht um den Fußball, sondern ums Impfen. Es geht um die Spritze oder besser: um die fehlende Spritze bei so manchem Nationalspieler – als es später endlich auch um die Spitze geht, da taut der Bundestrainer dann doch noch auf. Denn irgendwann, auch das ist zu erwarten gewesen, kommen die Fragen nach Lokalmatador Lukas Nmecha, dem VfL-Stürmer also, der an diesem Donnerstag in der WM-Qualifikation gegen Liechtenstein (20.45 Uhr/RTL) in seiner neuen sportlichen Heimat Wolfsburg zum Länderspieldebüt kommen könnte.

 

Lukas Nmecha mit Startelf-Garantie?

Flick macht sich aus seiner Antwort einen spontanen Spaß mit den Medienvertreten – und sagt dies: „Gucken wir mal, was passiert und ob der Lukas im heimischen Stadion die Möglichkeit hat zu spielen – da heize ich hier jetzt mal die Spekulationen bei euch an.“ Flick grinste breit, und spätestens da war klar, dass aus dem Spaß gegen Liechtenstein Ernst wird. Oder anders: Es wäre nach diesen lustigen, aber auch vielsagenden Flick-Äußerungen eine Überraschung, sollte Nmecha nicht in der Startelf stehen oder erst für die letzten Minuten eingewechselt werden.

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Für Nmecha, den gebürtigen Hamburger mit deutscher Mutter und nigerianischem Vater, wäre das Debüt in der DFB-Elf die Krönung von tollen Tagen zuletzt. Drei Pflichtspiele mit jeweils einem Tor, so lautet der jüngste Arbeitsnachweis des 22-Jährigen in Wolfsburg unter dem neuen Trainer Florian Kohfeldt. Zwischendurch kam obendrein der Anruf von Flick. „Man kann sagen, dass es die die schönsten Wochen meines Fußballerlebens sind“, sagt der Angreifer.

Und da es offenbar von schön zu wunderschön kein weiter Weg ist für Nmecha, gab es am Tag vor der Partie gegen Liechtenstein die vorläufige Krönung der tollen Tage: In Form einer Lobeshymne von Weltmeister Thomas Müller, der am Mittwoch nach Bundestrainer Flick auf dem Pressepodium Platz nahm – und dies über Nmacha sagte: „Lukas kommt dem Idealbild eines Mittelstürmers sehr nahe. Im ersten Training am Dienstag hat er bei uns schon gut ausgesehen und einige echte Stürmertore gemacht – er fühlt sich im Strafraum wohl und ist gierig nach Toren.“

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Ob er das nun bewusst tat oder nicht, auch Müller also projizierte in seinen Äußerungen über den Neuling die Hoffnung auf einen neuen echten Mittelstürmer in der DFB-Elf, der ja in den vergangenen Jahren so sehr fehlte. Der DFB-Sturm war zuletzt einer ohne echte Spitze, die über Jahre fehlende Ausbildung von Spezialisten im Nachwuchsbereich hat vor allem auf dieser Position ein Vakuum erzeugt. Und jetzt scheint es in Nmecha einen Kandidaten zu geben – er ist freilich einer, der nach den ersten Höhenflügen seine internationale Klasse erst noch unter Beweis stellen muss.

Lukas Nmecha sieht sich selbst als klassischen Mittelstürmer

Nmecha selbst ist sich seiner Sache sicher, zumindest, was seine positionsspezifische Eignung angeht: „Ich sehe mich als einen klassischen Mittelstürmer an“, sagt er. Dass sowohl sein Vereinstrainer Kohfeldt als auch der Bundestrainer Flick die Sache etwas anders sehen, macht die Sache rund um den potenziellen neuen Neuner nicht uninteressanter. Nmecha sei „kein Horst Hrubesch“, sagt Flick mit Blick auf das ehemalige Kopfballungeheuer des HSV, aber immerhin, so Flick weiter: Nmecha sei „sehr aktiv und kann den Ball gut behaupten“. Und: Der Stürmer bringe eine „andere, spielerische Art“ mit. Sein neuer Vereinscoach Kohfeldt wiederum ist sich sicher, dass man Nmecha nicht als reinen Strafraumspieler sehen könne, denn: „Er kann auch aus der Tiefe kommen und in die Tiefe gehen, er ist komplett.“

Vielleicht lässt es sich so zusammenfassen: Der 1,85 Meter große Nmecha ist eine Art spielender Stoßstürmer. Ein Typ, der Wucht und Kopfballstärke mit Eleganz vereint. Einer, der sowohl im Sechzehner knipsen kann, aber auch von außerhalb mit Wucht und Finesse kommen kann. Nmecha also ist zumindest ein deutscher Angreifer, den es so in den vergangenen Jahren nicht gegeben hat.

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Spötter könnten nun mit Blick auf die mögliche Eignung als echte Spitze und die Vita Nmechas anführen, dass das ja alles kein Wunder ist: Denn der junge Angreifer ist Deutsch-Engländer, die Familie wanderte 2007 auf die Insel aus – und Nmecha wurde bei Manchester City sowie in sämtlichen englischen Junioren-Nationalteams und eben nicht irgendwo in Deutschland ausgebildet. Ergo: kein Wunder, dass da in England im Gegensatz zur eher Neuner-feindlichen Ausbildung in Deutschland ein Neuner heranreifen konnte.

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Im März 2019 war es dann der damalige U-21-Nationaltrainer Stefan Kuntz, der hart um Nmecha kämpfte – und nach mehreren Hausbesuchen bei der Familie aus dem englischen Junioren-Nationalspieler einen deutschen machte. 2019 berief Kuntz Nmecha erstmals in sein Team. In diesem Sommer schoss der Angreifer die U 21 als Torschützenkönig des Turniers zum EM-Titel.

Jetzt ist Nmecha daheim in Wolfsburg am vorläufigen Ziel der Träume angekommen.

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