Er gehört zu den Senkrechtstartern in der Handball-Bundesliga. Nun will Kreisläufer Lukas Laube vom TVB Stuttgart bei der EM mit der Schweiz für Furore sorgen. Schon im Eröffnungsspiel gegen Deutschland?
Das Fieber steigt. Bei allen Handball-Fans. In Deutschland. In der Schweiz. Natürlich auch bei Lukas Laube. „Dieses Spiel wird das absolute Highlight meiner bisherigen Karriere“, sagt der Kreisläufer vom Bundesligisten TVB Stuttgart. Er spricht vom Eröffnungsspiel der EM an diesem Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF). 53 000 Menschen werden in der Düsseldorfer Merkur-Spielarena zuschauen. Laube wird bei dem Event der Superlative auf dem Spielfeld stehen. In großer Mission für sein Heimatland, im Trikot der Schweizer Nationalmannschaft. Als Gegner der Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB).
Ungewohnte Spielstätte
Auch für die Gastgeber ist die Spielstätte ungewohnt. Dazu könnte der Druck für das Team von Bundestrainer Alfred Gislason beim Auftaktmatch einer Heimeuro nicht größer sein. „Das kann schon ein Vorteil für uns sein“, räumt Laube ein, doch für seine Mannschaft ist das Nachbarschaftsduell gleichermaßen ein Schlüsselspiel.
„Unser Ziel ist die Hauptrunde. Und wenn wir weiterkommen wollen, dann müssen wir Deutschland schlagen“, streicht der 23-Jährige die Bedeutung der Partie heraus. Zur Erklärung: Von den vier Teams aus jeder der sechs Vorrundengruppen kommen nur zwei weiter. Und neben Nordmazedonien geht es eben auch gegen den unersättlichen Rekordweltmeister Frankreich. „Es besteht durchaus die Chance, dass wir gegen die Deutschen gewinnen können“, will Laube erst gar nicht groß mit der Außenseiterrolle kokettieren.
Schmid Denker und Lenker
Das gesunde Selbstvertrauen der Eidgenossen kommt nicht von ungefähr. Im EM-Vorbereitungsturnier um den Yellow Cup gab es klare Siege gegen Rumänien (37:31), Bosnien-Herzegowina (39:21) und Argentinien (35:27). In den Reihen von Nationalcoach Michael Suter (48) stehen Topspieler, die aus der Bundesliga bestens bekannt sind. Spielmacher Andy Schmid, nach seiner Zeit bei den Rhein-Neckar Löwen inzwischen beim HC Kriens-Luzern am Ball, wird zum krönenden Abschluss seiner aktiven Karriere – mit 40 Jahren – seine Genialität zeigen wollen, ehe er im Sommer Nationaltrainer seines Heimatlandes wird.
Auch über die Qualitäten von Torwart Nikola Portner, Kreisläufer Lucas Meister (beide SC Magdeburg), Rückraumass Lenny Rubin (HSG Wetzlar), der nach Informationen unserer Redaktion in der neuen Saison zum TVB Stuttgart wechseln wird, und dem zuletzt überragenden Manuel Zehnder (ThSV Eisenach), mit 148 Treffern aktueller Bundesliga-Toptorjäger, gibt es keine zwei Meinungen. „Wir haben schon eine richtig gute Mannschaft beisammen“, sagt Laube, die sogar noch besser hätte sein können. Doch sein Stuttgarter Teamkollege Samuel Röthlisberger (27) fällt nach einer Handoperation aus. „Mit ihm fehlt uns nicht nur der Abwehrchef, sondern auch ein absoluter Leader. Diesen herben Verlust können wir nur ausgleichen, indem wir näher zusammenrücken“, betont Laube.
Stammverein HSC Suhr Aarau
Er selbst ist beim HSC Suhr Aarau groß geworden und hat sich seit seinem Wechsel im Februar 2023 von Amicitia Zürich zum TVB in der Bundesliga hervorragend entwickelt. „Das erste halbe Jahr konnte ich mich akklimatisieren, das war sehr hilfreich. Dass es dann aber so gut lief, hätte ich nicht zwingend gedacht“, sagt der Rechtshänder. Für TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt ist Laube der „Emporkömmling dieser Bundesligasaison“.
Starke Wurfeffizienz
Der Schweizer steht in der Deckung zuverlässig seinen Mann, vorne stellt er gute Sperren für die Rückraumspieler, hat ein beeindruckendes Gespür für die Räume, fängt sicher die Bälle und besticht durch seine Wurfeffizienz (Abschlussquote in dieser Bundesligasaison 78,41 Prozent). „Im Angriff profitiere ich auch vom guten Auge unserer Rückraumspieler Adam Lönn und Max Häfner“, sagt Laube, „und natürlich auch ganz besonders von der Spielintelligenz von Kai Häfner.“
In der Schweizer Nationalmannschaft kann er sich auf die spektakulären Zauberpässe von Andy Schmid freuen. Der Regisseur spielt besonders beim vom Suter-Team häufig praktizierten Sieben-gegen-sechs-Überzahlspiel die Bälle punktgenau an den Kreis, ähnlich wie Kai Häfner.
„Wunschspieler“ Kai Häfner
Den Namen des TVB-Linkshänders hat Schmid vor Kurzem übrigens auf die Frage genannt, wen er sich aus dem deutschen Team am liebsten im Trikot der Eidgenossen wünschen würde. Wahrscheinlich, weil die Schweiz auf der Position im rechten Rückraum am ehesten eine Verstärkung gebrauchen könnte.
Doch auch so fühlt sich das homogene Schweizer Ensemble gewappnet für die EM. Und für dieses Eröffnungsspiel der Superlative, mit dem richtungsweisenden Charakter für beide Teams.