Rettungshubschrauber starten sowohl in Leonberg wie auch in Pattonville. Foto: imago/7aktuell/ Timo Jakisch

Ein möglicher Nachtbetrieb in Pattonville schmälert die Notwendigkeit einer Heli-Station am Klimikum Leonberg keineswegs, meint unser Leonberger Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski.

Viel war in den vergangenen Wochen rund um ein Lärmgutachten zum möglichen Nachtflugbetrieb des Rettungshubschraubers Christoph 51 in Pattonville spekuliert worden. Dass der vom Landesinnenministerium gewollte Rund-um-die Uhr-Einsatz in dem Ort, der sowohl zu Kornwestheim als auch zu Remseck gehört, nicht so ohne weiteres durchzusetzen sei, darauf hatte der FDP-Landtagsabgeordnete Hans Dieter Scheerer mehrfach hingewiesen.

 

Der Rechtsanwalt aus Weil der Stadt kämpft schon lange für den Erhalt der Luftrettungsstation am Klinikum Leonberg. Dort ist seit fast auf den Tag genau 38 Jahren der Helikopter Christoph 41 stationiert. Von der Bevölkerung wird er akzeptiert, was längst nicht an allen anderen Hubschrauber-Standorten der Fall ist. Im Gegenteil: Bei den Leonbergern schwingt sogar ein gewisser Stolz mit, dass von ihrer Stadt aus seit fast vier Jahrzehnten ungezählte Menschenleben gerettet wurden und werden.

Dazu ist die Lage von Leonberg an einer der meistbefahrenen Autobahnen Europas mit seinem berühmt-berüchtigten, weil unfallträchtigen, Dreieck ideal als Basisstation für die Luftrettung – auch weil die Wetterbedingungen hier ausgesprochen günstig sind, wie erfahrene Piloten sagen. Im geplanten Alternativstandort Tübingen am Rande der Alb ist das keineswegs der Fall.

Trotzdem hat das CDU-geführte Innenministerium, angetrieben vom mittlerweile pensionierten Staatssekretär Winfried Klenk, und in Nibelungentreue unterstützt von den lokalen Landtagsabgeordneten der Regierungskoalition, Peter Seimer (Grüne) und Sabine Kurtz (CDU), die Verlegung des Hubschraubers von Leonberg nach Tübingen regelrecht durchgepeitscht. Da halfen weder fast 28 000 Unterschriften einer Petition pro Leonberg, noch die mahnenden Worte führender Mediziner, unter anderem Chefärzten von unfallchirurgischen Kliniken in Stuttgart.

Kretschmann schwebt in anderen Sphären

Staatssekretär Klenk hat sich starr auf ein Gutachten gestützt, das im Falle seiner Umsetzung zehn Jahre oder älter sein dürfte. Darin wird der Raum Tübingen/Reutlingen im Bezug auf die Luftrettung als unterversorgt eingestuft. Die daraus resultierende Logik - um ein Loch zu stopfen, reiße ich ein lange geschlossenes wieder auf – ist typisch politisch geprägt. Mit dem Gedanken, in der Region rund um Tübingen einfach einen zusätzlichen Helikopter zu stationieren, wollte sich der damalige Staatssekretär offenkundig erst gar nicht näher befassen. Sein Nachfolger übrigens ebenfalls nicht.

Und der Ministerpräsident hat schon gar keine Lust, sich im letzten Drittel seiner Amtszeit mit nervigen Protestlern auseinanderzusetzen, die einfach keine Ruhe geben wollen. Ein Winfried Kretschmann schwebt längst in anderen Sphären.

Trotzdem – oder gerade deshalb – ist es richtig und notwendig, dass der Protest weitergeht. Zwar war ein mögliches Nachtflugverbot in Pattonville eine Hoffnung der Pro-Leonberg-Phalanx. Doch selbst wenn bei Kornwestheim einmal die Hubschrauber des Nachts landen sollten, schmälert das nicht die Notwendigkeit der Leonberger Station mit direktem Zugang zur Unfallchirurgie des Krankenhauses und deren Ärzten.

Und das von Regierungspolitikern immer wieder gerne angeführte Kostenargument wirkt angesichts wahrscheinlicher Umbaukosten von 10 Millionen Euro oder mehr in Tübingen äußerst, freundlich ausgedrückt, konstruiert. Ein Verbleib in Leonberg kostet null Euro. Doch dann müsste die Regierung ja eine Entscheidung revidieren.