Der irische Billigflieger Ryanair droht mit einem Teilrückzug aus Deutschland, das könnte hunderte Arbeitsplätze kosten.
Frankfurt - Der Teilrückzug des irischen Billigfliegers Ryanair aus Deutschland könnte mehrere hundert Arbeitsplätze kosten. Nach Schätzung der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sind allein rund 350 der 1000 Flugbegleiter betroffen. Hinzu kommen noch etwa 170 Piloten sowie mehrere Beschäftigte am Boden. Es sei aber nicht auszuschließen, dass die Gewerkschaften mit den Ankündigungen in den laufenden Verhandlungen unter Druck gesetzt werden sollen, sagte Verdi-Gewerkschaftssekretär Sven Bergelin.
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Auch die Pilotengewerkschaft Cockpit hält es für denkbar, dass Ryanair die Krise der Branche ausnutzen wolle, um später zum Beispiel Piloten zu schlechteren Bedingungen wieder einzustellen. Den Informationen des Unternehmens an die Piloten zufolge soll etwa der Flughafen in Hahn im Hunsrück von 1. November an nicht mehr als Basis genutzt werden. Ob dies bedeutet, dass diese Flughäfen von Ryanair gar nicht mehr angeflogen werden, war zunächst unklar. Die Schließung würde bedeuten, dass dort keine Flugzeuge mehr fest stationiert sind.
Auch Lauda in Stuttgart betroffen
Personalkürzungen dürfte es nach Schätzungen der Arbeitnehmervertreter auch an den Ryanair-Basen Frankfurt, Köln-Bonn und Berlin-Schönefeld geben, in geringerem Maße auch in Baden-Baden und Memmingen. Bereits vor einer Woche war die Schließung der Lauda-Basis in Stuttgart per Ende Oktober bekannt gegeben worden. Die Ryanair-Tochter führt seit Anfang Juli nur noch Flüge im Auftrag der Muttergesellschaft durch, rund 120 Arbeitsplätze könnten in Stuttgart auf der Kippe stehen.
Man wolle auf jeden Fall weiter verhandeln, betonten die Gewerkschaftssprecher. Zwar ist Ryanair, wie andere Fluggesellschaften auch, von dem drastischen Einbruch der Passagierzahlen durch die Corona-Pandemie stark betroffen, führende Manager hatten aber zuletzt immer betont, dass man gut durch die Krise komme. Zudem wollen die Iren sich um die Start- und Landerechte in Frankfurt und München bewerben, die Lufthansa im Gegenzug für Staatshilfe abgeben muss.
Gewerkschaften fordern Mindeststandards
Hintergrund des Streits sind die Forderungen von Ryanair, die Gehälter zum Teil drastisch zu kürzen. So sollen die Piloten auf bis zu 30 Prozent ihres Einkommens verzichten, die Kabinenbesatzung auf etwa zehn Prozent. Obwohl die meisten Ryanair-Beschäftigten bei ausländischen Gesellschaften angestellt sind – die Piloten etwa bei Air Malta – wollen die deutschen Gewerkschaften bestimmte Mindeststandards durchsetzen.