In Ludwigsburg und Bietigheim fallen immer wieder Operationen kurzfristig aus, auch die Betten können nicht immer voll ausgelastet werden. Foto: dpa/Fabian Strauch

Auch die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs beschäftigen den Krisenstab der Regionalen Kliniken-Holding mittlerweile. Wie ist die Situation in den Häusern im Kreis Ludwigsburg derzeit? Ein Überblick.

Während der ersten Monaten der Coronapandemie stand die Situation in den Kliniken im Fokus. Mittlerweile hört man weniger von dort.

 

Wie ist die Lage momentan in den Häusern der Regionalen Kliniken-Holding (RKH)? Und was treibt die Verantwortlichen außer Corona derzeit um?

Wie sehen die Coronazahlen aktuell aus? Die gute Nachricht vorneweg: die Sommerwelle läuft langsam aus. „Es sieht so aus als hätten wir den Höhepunkt in der zweiten Juli-Hälfte überschritten“, sagt Stefan Weiß, Leiter des RKH-Krisenstabs. Zuletzt wurden in Ludwigsburg noch 59 Covidpatienten – davon sieben auf Intensivstation – behandelt. In Bietigheim liegen alle 20 Coronainfizierte auf der Normalstation. Diese Verteilung spiegle den Verlauf der aktuellen Welle auch insgesamt wieder, so Weiß. Die Intensivstationen seien weniger betroffen gewesen. Die Verantwortlichen der RKH verweisen auch darauf, dass die längerfristigen Auswirkungen von Corona inzwischen bei den niedergelassenen Ärzten spürbar werden. Zahlen des RKI belegen, dass sich derzeit deutlich mehr Menschen wegen akuten Atemwegserkrankungen behandeln lassen als in den vorangegangenen Hochsommern. Daten der Krankenkasse Barmer belegen zudem, dass sich zuletzt auch deutlich mehr Menschen wegen Corona hatten krankschreiben lassen.  

Steigen die Zahlen nach den Ferien? Davon sei nicht auszugehen, meint Stefan Weiß. Das soziale Leben finde nahezu so wie vor Corona statt, die Lockerungen würden schon seit Wochen gelten. Bei den Infektionen seien alle derzeit dominieren Varianten vertreten. Weiß geht deshalb davon aus, dass die aktuellen Zahlen die Realität einigermaßen verlässlich abbilden.

Wie ist die Personalsituation in den Kliniken? Parallel zu den Inzidenzen bewegte sich auch der Krankenstand beim Klinikpersonal. Und auch die Zahl der positiv getesteten Mitarbeiter geht wieder etwas zurück. Zuletzt hatten sich noch 36 Mitarbeiter in Quarantäne befunden. Speziell betroffene Abteilungen innerhalb der Kliniken gebe es nicht. Allerdings seien die „personellen Reservepolster“ wegen der Ferienzeit auch nicht so dick wie zu anderen Jahreszeiten.

Wie setzen die Kliniken die neuen Quarantäneregeln ein? In Anbetracht der teils angespannten Situationen in den Krankenhäusern hatte die Landesregierung vor einer Woche die Quarantäneregeln für Klinikpersonal gelockert. Bislang galt für Positivgetestete – in der letzten Juliwoche waren es in allen RKH-Häusern 70 Mitarbeiter – ein zweiwöchiges Tätigkeitsverbot. Künftig dürfen Mitarbeiter bereits wieder nach fünf Tagen arbeiten, vorausgesetzt, sie haben keine Symptome.

Die Kliniken werden die Regelung „nicht flächendeckend einsetzen“, sagt RKH-Chef Jörg Martin, sondern jeden Fall einzeln prüfen. Früher wieder eingesetztes Personal soll möglichst keinen Kontakt zu vulnerablen Gruppen haben.

Von dem Vorschlag, die Isolationspflicht komplett abzuschaffen, wie ihn Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), unterbreitet hatte, hält Martin im Übrigen nichts. Dass die Bundesregierung bereits einen Vorschlag für eine Coronaverordnung, die ab Herbst gelten soll, vorgelegt hat, begrüßt er hingegen.  

Müssen Operationen abgesagt werden? In Ludwigsburg und in Bietigheim hat sich die Situation zuletzt eigentlich nicht verändert. Immer wieder fallen vereinzelt Operationen aus oder Betten können nicht belegt werden, weil Mitarbeiter fehlen. „Teilweise sind deshalb Aufnahmestopps an Wochenenden zu verzeichnen, die von einem Tag bis zu einer Woche andauern“, sagt Klinikensprecher Alexander Tsongas.

Bereitet die Hitze zusätzlich Probleme? Deutschland schwitzt und unter der Hitze leiden Menschen teils derart, dass sie ins Krankenhaus müssen, was das Patientenaufkommen zusätzlich verstärkt und den Druck auf die Belegschaft dementsprechend erhöht. „Dazu braucht es auch keine 40 Grad“, sagt Stefan Weiß. Die Dauer der Hitzewelle allein mit vielen Tagen über 30 Grad am Stück reiche aus. Dabei seien besonders ältere Menschen betroffen. „In der Notaufnahme konnten Peaks an einzelnen Tagen aber kompensiert werden“, so Weiß.

Wie tangiert die Energiekrise die Krankenhäuser? Als Teil der kritischen Infrastruktur ist die Gas- und Energieversorgung der Krankenhäuser im Grunde gesichert. Sie werden als letztes vom Netz genommen und dürften nicht unmittelbar betroffen sein. Zum Fallstrick für die RKH-Häuser könnten aber beispielsweise die Wäschereien werden, die ausgelagert wurden und nicht mehr Teil des eigentlichen Betriebs sind. „Darüber machen wir uns Gedanken“, sagt Jörg Martin, „wenn wir keine saubere Wäsche mehr bekommen, wäre das für den Betrieb natürlich ein Problem.“ Bei einigen Krankenhäusern im Land betrifft das auch die Küche, die extern betrieben wird. Zumindest darum muss sich Ludwigsburg keine Sorgen machen.