Das Ludwigsburger Schuppenmuster wird auf unbestimmte Zeit weggepackt Foto: factum/Weise

Nach 257 Jahren schließt die traditionsreiche Ludwigsburger Schlossmanufaktur zum Ende dieses Jahres. Für das insolvente Unternehmen hat sich kein Käufer gefunden. Nach dem Weihnachtsgeschäft ist Schluss.

Ludwigsburg - Die Tage der Ludwigsburger Schlossmanufaktur sind gezählt. Zum Jahresende wird das Unternehmen mit seiner 257-jährigen Geschichte seinen Betrieb einstellen. „Wir haben noch einmal die Lizenzen bis zum 31. Dezember verlängert“, sagt Volker Kugel, der als Chef des Blühenden Barocks (Blüba) sowohl die Stadt Ludwigsburg als auch das Land Baden-Württemberg als Lizenzgeber vertritt.

Der Traum, einen Käufer für die seit Juni 2014 insolvente Porzellanmanufaktur zu finden, habe sich in Luft aufgelöst, seit auch der letzte Interessent abgesagt habe. In ihn, einen Baden-Württemberger, der das Porzellan in sein Angebot anderer hochwertiger Waren hatte einreihen wollen, hatten Stadt, Land und der Insolvenzverwalter Stephan Rüdlin große Erwartungen gesetzt. Und auch mit den anderen Interessenten konnte Rüdlin nicht handelseinig werden. „Der Tag, an dem in der Manufaktur der Schlüssel für immer umgedreht wird, rückt immer näher“, sagt Kugel.

Insolvenzverfahren wird zu Ende geführt

Denn dem Insolvenzverwalter und Interimsgeschäftsführer Rüdlin bleibt nun nichts anderes übrig, als das Insolvenzverfahren zu Ende zu führen. „Es sei denn, es kommt jetzt noch ein Interessent, der alle begeistert“, sagt Rüdlin. Er weiß aber selbst, wie unrealistisch das ist. Denn auf der Suche nach diesem Unbekannten ist er schon seit fast zwei Jahren. „Wir haben alle Kontakte genutzt“, sagt auch Kugel. Deshalb hat Rüdlin bereits mit den Beschäftigten in der Porzellanmalerei und im Verkauf gesprochen. Mit der Einstellung des Geschäftsbetriebs enden auch ihre Beschäftigungsverhältnisse. Bei der letzten Insolvenz im Jahr 2008 war die Mitarbeiterzahl bereits drastisch von mehr als 20 auf sechs reduziert worden. Ihre Gehälter konnten eine Zeit lang über die Einnahmen aus dem Verkauf finanziert werden.

Doch allein das Blühende Barock hat als Gläubiger Forderungen von 200 000 Euro angemeldet. 175 000 Euro davon entfallen laut Kugel auf die in der thüringischen Produktionsstätte Lichte abhandengekommenen Formen, die aber reproduzierbar seien. Der Rest entfalle auf Lizenzgebühren, die man der Manufaktur immer wieder mangels Einnahmen gestundet habe. Über die Gesamtsumme der Forderungen gibt Rüdlin mit Verweis auf das nichtöffentliche Insolvenzverfahren keine Auskunft.

Nach dem Weihnachtsgeschäft ist Schluss

Doch so ganz endgültig zuschlagen wollen alle Beteiligten die Tür offenbar doch nicht. Der Ludwigsburger Oberbürgermeister Werner Spec hat schon vor der jüngsten Entscheidung immer wieder davon gesprochen, die Marke ruhen zu lassen. Das sei das „konsequente Ende“ des Insolvenzverfahrens, sagt Spec. Für ihn ist das aber nicht das definitive Ende der Schlossmanufaktur. Er sei froh, „dass wir nicht der Versuchung erlegen sind, die Marke durch Zugeständnisse an die Qualität zu verwässern“. So bewahre man die Chance, in Zukunft auf diesem Niveau wieder einsteigen zu können und wieder Porzellan herzustellen. Es hatte, wie Kugel bestätigt, potenzielle Käufer gegeben, die nur einen Teil der Formen kaufen wollten. Doch das, darin waren sich alle Beteiligten einig, sei kein gangbarer Weg.

Einen – wenn auch unwahrscheinlichen – Neuanfang schließt auch der Blüba-Chef Volker Kugel nicht völlig aus, wenn er sagt: „Es ist jederzeit möglich, den Betrieb wiederaufzunehmen.“ Die Tatsache, dass die Schlösserverwaltung in den Verkaufsräumen eine Vinothek plane, stehe dem nicht entgegen. „Das Schloss ist groß genug“, da werde sich schon ein neuer Verkaufsraum finden. Bis zum Jahresende ist der alte noch in Benutzung. „Es wird einen Sonderverkauf geben“, sagt Rüdlin. Dass der Betrieb mit dem diesjährigen Weihnachtsgeschäft ausläuft, sei nicht zufällig. Man sei schließlich gehalten, von der Ware noch so viel wie möglich zu verkaufen.

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