Das „Pfingstwunder“ bleibt aus, Stadt und Land werden sich nicht einig und bremsen die Gastronomie vor ihrem Neustart aus. Aber wie sehen überhaupt die Regeln aus, wenn sie dann öffnen kann? Wir haben bei der Stadt nachgefragt.
Stuttgart - Wechselhaft wird das Wetter an Pfingstmontag – und das Geschäft der Wirt wird verhagelt. Nach Monaten der Entbehrung ist mit einem „Pfingstwunder“ zu rechnen, wie es Sven Matis, der Sprecher der Stadt Stuttgart, nennt. Sollte die Inzidenz weiter unter 100 liegen, dürfen die Fässer angestochen werden, dann darf man endlich wieder auswärts im Restaurant essen. „Wir planen, dies entsprechend am Samstag bekannt zu geben“, sagt Matis, „ab Montag, 0 Uhr, sind Öffnungen möglich wie sie die Landesverordnung vorsieht, wenn die gemeldete Inzidenz unter 100 liegt.“ Daraus wird nichts. Das Land hat die Stadt ausgebremst. Frühestens am Donnerstag nach Pfingsten kann es losgehen.
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Geimpfte, Genesene und Getestete können, wenn die Infektionslage es zulässt, Gastronomie im Außen- und im Innenbereich besuchen – vorerst aber nur zwischen 6 und 21 Uhr. „In Innenräumen ist ein Gast je 2,5 angefangene Quadratmeter Gastraumfläche erlaubt“, erklärt Matis, „im Außenbereich gilt keine Personenbegrenzung.“ Im Innen- und Außenbereich seien die Plätze so anzuordnen, dass ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Tischen gewährleistet sei.
Wirte kritisieren die frühe Schließung um 21 Uhr
Stuttgarter Gastronomen hatten sich auf die Öffnung gefreut. Stefan Schneider hatte am Donnerstag umgehend damit begonnen, in seinem Palast der Republik die Zapfanlage zu reinigen, alles zu testen und die alten Bierfässer im Keller zu entsorgen. In Kürze werden die neuen Fässer geliefert. Patrick Witz von der Fou Fou Bar im Leonhardsviertel versteht nicht, warum um 21 Uhr Schluss sein soll. „Wenn wir zu dieser Zeit schließen, gehen die Leute eher in großen Gruppen zum Weitertrinken nach Hause.“ Es sei besser, die Leute würden sich „im kontrollierten Rahmen“ treffen, findet er. Wenn die Ausgangssperre um 22 Uhr fällt, mache der Feierabend um 21 Uhr in der Gastronomie auch keinen Sinn.
In der Altstadt hat Witz jetzt mit Kollegen eine Schnellteststation mit dem Namen „Ab-Strich“ eröffnet, die sich vor allem an Nachtschwärmer richtet. Etliche Bars wollen am erst möglichen Tag Gäste empfangen.
Jörg Mink öffnet am Pfingstmontag noch nicht
Kann man genügend Ware bestellen und das Personal rechtzeitig aktivieren, wenn es spontan grünes Licht dafür gibt? Nicht nicht alle Wirte sehen sich in der Lage, den Betrieb so schnell hochzufahren. Jörg Mink vom Restaurant Schloss Solitude hätte am Pfingstmontag noch gar nicht öffnen wollen, sondern erst am Donnerstag der kommenden Woche. „Wir haben jetzt so lange warten müssen“, sagt er, „da kommt es nicht auf einige Tage an, es muss ja alles korrekt umgesetzt werden.“ Oliver Joos von der California Bounge meint auch, dass es sich nicht gelohnt hätte, am Pfingstmontag zu öffnen: „Da kommen doch nicht so viele Leute in die Stadt.“ Prinzipiell freut er sich, wenn es losgeht. „Wir haben unser Lokal jetzt schon dreimal geputzt.“ Ihm war aber gleich klar, dass die Rechnung nicht stimmt.
Was erlaubt ist und was nicht, wenn die Gastro wieder auf hat?
Wie viele Personen dürfen an einem Tisch sitzen? Was draußen gilt, gilt nach den Worten von Rathaus-Sprecher Sven auch drinnen: „Zwei Haushalte und fünf Personen sind erlaubt, Genesene und Geimpfte werden nicht gerechnet, Getestete allerdings schon, für die gibt es keine Ausnahmen.“ Die Maskenpflicht gelte nicht an den Tischen, sondern auf den Wegen. „Die Öffnungen sind hart erarbeitet, durch Zurückhaltung von vielen“, betont der Sprecher der Stadt, „umso wichtiger ist es, maßvoll und umsichtig zu bleiben.“
Schriftlich oder digital kann man den Nachweis seiner doppelten Impfung (nach 14 Tagen), seiner Genesung und seines Schnelltests vom Tag vorzeigen. Jetzt komme es „ganz wesentlich auf die Gäste“ an. Sobald die Öffnungen anstehen, ist es wichtig, maßvoll und umsichtig zu bleiben, appelliert Sven Matis: „Regelmäßige Testungen helfen Infektionen zu erkennen und schützen vor der Weitergabe des Virus.“ Er begrüßt die hohe Impfbereitschaft in Stuttgart und sagt: „Wir wünschen uns im Sinne aller, dass das Impfangebot auch dem Bedarf entspricht und damit Erweiterungen des sozialen Lebens sicherer macht.“