Mit Nürtingen empfand Friedrich Hölderlin eine tiefe Verbundenheit. Foto: Horst Rudel

Ein neues Buch ist dem Dichter und seinen Orten gewidmet. Mit dabei sind auch Nürtingen und Denkendorf.

Nürtingen - Friedrich Hölderlin war ein Wanderer.“ Mit diesem Satz beginnt die Einführung zu dem neuen Buch „,Wohl geh ich täglich andere Pfade‘ – Friedrich Hölderlin und seine Orte“, das jetzt im Stuttgarter Belser Verlag erschienen ist. Das von Ingrid Dolde, der Vorsitzenden des Hölderlin-Vereins Nürtingen, und Eva Ehrenfeld, der Geschäftsführerin der Hölderlin-Gesellschaft Tübingen, herausgegebene Buch stellt die 13 Orte vor, in denen der Dichter einst lebte. Zwei davon liegen im Landkreis Esslingen: Nürtingen und Denkendorf.

Hölderlingarten mit Brunnen, Gedenkstein und Skulpturen

In Nürtingen, wo Friedrich Hölderlin als Kind und Jugendlicher bei seiner Mutter und seinem Steifvater Johann Christoph Gock wohnte, besaß der Dichter zeit seines Lebens das Bürgerrecht. Im Stadtarchiv sind daher aufschlussreiche Lebensdokumente verwahrt.

„Stunden des Spiels und des Ruhelächelns“ verbrachte Fritz, wie ihn seine Freunde nannten, in einem Baum-, Gras- und Küchengarten. Vor 20 Jahren legte die Freie Kunstakademie Nürtingen unter dem Motto „Heimholung eines Dichters“ direkt am Neckar den Hölderlingarten an. Der Jugendstilgarten der Villa Melchior mit Laubengang, Gedenkstein, Skulpturen und Brunnen wurde so zur Reminiszenz an den Garten, in dem Hölderlin sich aufhielt.

Zum Dichter-Jubiläum soll das Hölderlinhaus saniert sein

Es gibt weitere Orte in Nürtingen, die an den großen Sohn der Stadt erinnern. Das Stadtmuseum beispielsweise beherbergt eine literarische Abteilung mit Familiendokumenten, Auszügen aus der Pflegschaftsakte und literarischen Zeugnissen zu Friedrich Hölderlin. Ein weiterer markanter Ort ist das Hölderlinhaus, das der Dichter selbst als seiner „Mutter Haus“ bezeichnete. Das inzwischen von der Volkshochschule genutzte Haus soll saniert und bis zum 250. Geburtstag Hölderlins im Jahr 2020 zu einem Bildungszentrum mit Hölderlin-Gedenkstätte ertüchtigt werden. Allerdings ist das Projekt zuletzt wegen Finanzmangels ins Stocken geraten.

Die alte Lateinschule, die Friedrich Hölderlin gemeinsam mit Friedrich Wilhelm Josef Schelling besucht hat, der Hölderlinbrunnen bei der Kreuzkirche oder das Gebiet rund um den Ulrichstein bei Hardt, das Hölderlin zu seinem Gedicht „Der Winkel von Hardt“ inspiriert hat, sind weitere Plätze, die er regelmäßig aufgesucht hat.

Klostermauern schränken Bewegungsfreiheit ein

„Setze mich ans Fenster, blicke gegen Morgen, meinem lieben Nürtingen zu“, schrieb der Poet im November 1790. Der Satz unterstreicht die tiefe Verbundenheit Hölderlins mit Nürtingen, das er stets als seine Heimat betrachtet hat. Zwar ist Denkendorf weit weniger bedeutend in Hölderlins Biografie als Nürtingen. Freilich streift das neue, mit Zitaten und Versen angereicherte Buch auch jene Gemeinde. Denn 1784 wurde der 14-jährige Fritz zur Vorbereitung auf die Theologenausbildung im dortigen Klosterseminar aufgenommen. Sein Bewegungsdrang erfuhr dort „drastische Einschränkungen“, wie es in dem Kapitel über Denkendorf heißt. „Die Freizeit war knapp, ein Aufenthalt außerhalb der Klostermauern ohne Erlaubnis verboten.“

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