Auftritt mit Hut und in Stiefeln: Die Schwaikheimer Geschwister Julia und Marc Schmid Foto: Gottfried Stoppel

Julia und Marc Schmid aus Schwaikheim sind in ihrer Altersgruppe und Leistungsstufe Weltmeister im Line Dance.

Schwaikheim - Julia Schmid schüttelt den Kopf: „Mit Country hat Line Dance nicht mehr so viel zu tun. Außer, dass wir in Stiefeln tanzen und Marc bei vier Tänzen einen Hut aufhaben muss. Ab und zu wird beim Turnier auch noch Countrymusik gespielt, aber eher in den Pausen“, erzählt die 16-jährige Schwaikheimerin.

Sie ist wie ihr Bruder mit Line Dance aufgewachsen – Mutter Daniela ist nämlich seit mehr als 20 Jahren eine begeisterte Tänzerin: „Ich bin damals über eine Anzeige im Gemeindeblatt gestolpert und fand es super. Es ist praktisch, weil man keinen Partner dazu braucht. Und es ist unglaublich vielseitig“, erzählt sie. Insgesamt gibt es nämlich beim Line Dance sechs verschiedene Tänze: Polka, Smooth, Walzer, Cha-Cha-Cha, Funky und Novelty (Spaßtanz). „Der Walzer zum Beispiel ist vom Grundschritt her schon so wie der Walzer beim Standardtanz – nur, dass man eben allein tanzt“, erzählt Julia Schmid, die aber mehr Spaß an Funky hat: „Das ist so ähnlich wie HipHop.“

Sie ist als Neunjährige ins Turniergeschehen eingestiegen, ihr Bruder als Achtjähriger. Damit ist er in dem Sport eine echte Seltenheit: „In meiner Altersklasse gibt es so gut wie keine Gegner“, erzählt der mittlerweile Zwölfjährige. Und wie fanden es die Jungs in seiner Klasse, dass er Line Dance macht? „Am Anfang haben schon einige gelacht, aber mittlerweile fragen sie nur noch: Bist du schon wieder weg?“

Normalerweise treten die Geschwister Schmid auf vier bis fünf Turnieren im Jahr an, in den kommenden Monaten sollen es gleich acht sein. Da die Szene hierzulande überschaubar ist, finden die wenigsten Wettbewerbe in Deutschland statt. „Wir reisen dieses Jahr nach Holland, nach Mallorca, nach Tschechien“, erzählt Vater Uwe Schmid. Etwa 500 Kilometer müsse man im Schnitt für die einfache Strecke zum nächsten Turnier einplanen. „Wir schauen deswegen oft, dass wir noch ein paar Tage Urlaub dranhängen – das Turnier auf Mallorca liegt zum Beispiel in den Osterferien“, sagt Uwe Schmid. Noch relativ nah waren die Weltmeisterschaften der World Country Dance Federation gelegen – die fanden Ende Dezember im niederrheinischen Kalkar statt.

Dort und allgemein auf den Turnieren sind die Teilnehmer in verschiedene Leistungsstufen eingeteilt. Einsteiger fangen mit „social“ an, die Profi-Tänzer gehören zur Star Division. Julia und Marc stecken mittendrin, in „novice“. Und dann wird auch noch in verschiedene Altersklassen unterteilt: Marc tanzt bei Youth, Julia bei den Teens.

Für jeden Tanz gibt es je nach Altersklasse und Leistungsstufe bestimmte Choreografien, die die Geschwister für die Turniere einüben müssen. Diese ändern sich jedes Jahr. „Beim Wettbewerb tanzen dann im Prinzip alle das gleiche, nur Hand- oder Armbewegungen unterscheiden sich“, erläutert Julia. Ob es nicht seltsam ist, so ganz alleine zu tanzen? „Man gewöhnt sich daran“, sagt sie und lacht.

Etwa zwei Minuten dauert jeder Tanz. Dann gibt es vier Minuten Pause, bevor zum nächsten Tanz auf die Fläche gebeten wird. Das bedeutet eine Menge Stress, denn zu jedem Tanz gehört ein neues Outfit. Marc muss manchmal nur eine andere Weste drüberziehen, Julia wechselt aber jedes Mal ihr komplettes Kostüm. „Das ist teilweise ganz schön nervenaufreibend, denn die Jury wartet nicht, bloß weil das Hemd noch nicht zugeknöpft ist“, sagt Uwe Schmid.

Umso angenehmer ist dagegen das Umfeld bei den Turnieren: „Auf der Fläche ist man Konkurrenz, aber davor und danach sind wir länderübergreifend gut befreundet“, sagt Julia, die es gerne bis in die Meisterklasse schaffen würde. „Allerdings muss man sich da schon ranhalten. Schon jetzt ist es so, dass Kleinigkeiten den Unterschied ausmachen.“ Um daran zu feilen, besuchen die Geschwister auch Sondertrainings bei Profis. Ansonsten üben sie mit den Hay Creek Twisters in Winnenden-Höfen und mit ihrer Mutter.

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