Die neue Lidl-Metropolfiliale in der Sindelfinger Mahdentalstraße ist seit Donnerstag geöffnet. Der Verkaufsbetrieb läuft von Montag bis Samstag jeweils von 7 bis 21 Uhr. Foto: Eibner-Pressefoto/Roger Buerke

1500 Quadratmeter Verkaufsfläche, 82 Wohneinheiten: In der Mahdentalstraße eröffnet der Discounter Lidl seine deutschlandweit erste Metropolfiliale, die Einkaufsmöglichkeiten mit Wohnbebauung kombiniert.

Der Neue heißt Bernd und er braucht noch ein bisschen Hilfe. Kein Wunder, schließlich ist Bernd Vöhringer eigentlich Oberbürgermeister von Beruf. Den Job an der sonnendurchfluteten Lidl-Kasse hat er nur sehr kurzfristig für eine Benefizaktion zugunsten des Vereins Nachbarn in Not übernommen. „Da wird’s einem ganz schön warm“, sagt er, während er lächelnd die Waren einer Kundin über den Scanner zieht.

 

Ein Oberbürgermeister an der Kasse ist nicht das einzige, was an diesem Donnerstag Blicke auf sich zieht. Schließlich ist dies der Eröffnungstag der ersten Lidl-Metropolfiliale in Sindelfingen. Da gibt es eine Menge zu Gucken. Zumal es hier neben dem mit 1500 Quadratmetern Fläche für Discounter-Verhältnisse ungewöhnlich großzügigen Verkaufsraum auch noch eine weitere Besonderheit gibt: Auf dem Gelände entstehen nämlich 82 Wohneinheiten mit rund 4500 Quadratmetern Mietfläche. 36 dieser Ein- bis Drei-Raumwohnungen befinden sich direkt über dem Verkaufsraum im zweiten und dritten Stockwerk des Neubaus.

Deutschlandweit erste Lidl-Metropolfiliale mit Wohnbau

„Dies ist die erste Metropolfiliale deutschlandweit, die in Kombination mit einer Wohnbebauung errichtet wurde“, sagt Timo Degering. Der Immobilienleiter der Lidl-Regionalgesellschaft Bietigheim führt, während Oberbürgermeister Vöhringer gerade PET-Flaschen und Obstkonserven abkassiert, eine Gruppe von Medienvertretern durchs Gebäude und erklärt vor und hinter den Kulissen einige Besonderheiten.

Die offensichtlichste Eigenheit ist die Mehrstöckigkeit. „Dadurch benötigen wir einen geringere Grundstücksfläche“, erklärt Degering. So ergibt sich auf dem 9400 Quadratmeter großen Gelände ausreichend Platz für 29 Außenparkplätze (inklusive zwei Elektroladesäulen) und 64 weitere Stellflächen im Erdgeschoss. Von dort gelangt die Kundschaft via Rolltreppe oder Fahrstuhl in den Verkaufsraum im ersten Stock.

Die große Glasfront wirft an diesem Nachmittag blendend helles Sonnenlicht in den Eingangsbereich. „Die Kassiererinnen brauchen unbedingt einen Sonnenschutz“, bemerkt ein Kunde, als er an den Presseleuten vorbeiläuft. Tatsächlich gibt es den wohl bereits: Laut Timo Degerich sind im ersten Stock Fenster aus elektrochromem Glas mit anpassbarer Lichtdurchlässigkeit verbaut.

Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie der Lebensmittelhändler Lidl mit dieser sogenannten Metropolofiliale auf eine nachhaltige Bauweise und durchdachte Lösungen setzen will. Immobilienleiter Degerich verweist unter anderem auf „die hochmoderne Lüftungsanlage und Wärmedämmung“, bei der ein Teil der Wärme für den Verkaufsraum aus der warmen Abluft der Kühlregale komme. Zehntausende Kilowattstunden spare man zudem mit dimmbarer LED-Beleuchtung, bedarfsgesteuertem Licht und der energieeffizienten Fassade. Dachbegrünung auf sämtlichen Gebäudedächern soll Wasser einsparen und Schadstoffe filtern.

Ab Januar 2024 gehen die Wohnungen in den Verkauf

Was die Sindelfinger Metropolfiliale von den vier anderen unterscheidet, die Lidl bisher unter anderem in Frankfurt am Main errichtet hat, ist das Wohnbaukonzept. Neben den Wohnungen über der Filiale entstehen drei weitere Wohngebäude. „Ab Januar 2024 gehen wir in den Verkauf“, sagt Degerich. Acht Monate später, im August 2024, soll das gesamte Bauprojekt fertiggestellt sein.

Zwölf der Wohnungen werde man mit Mietpreisbindung (also unter Marktpreis) anbieten, die übrigen zu einem der Lage angemessenen Preis – schließlich befindet man sich hier im Sindelfinger Osten nicht weit vom Stadtzentrum, aber auch das Breuningerland und die Auffahrt zur Autobahn sind ganz nah.

Bei seiner Führung durch die Filiale zeigt Timo Degerich auch Bereiche, die normalerweise nur für das Personal zugänglich sind. So gibt es zum Beispiel eine in das Gebäude integrierte Zufahrt, die es bei den drei täglichen Anlieferungen ermöglicht, die Ware unabhängig von Wind und Wetter ebenerdig und direkt am Lager auszuladen. Voraussetzung dafür ist eine gewisse Fahrsicherheit, denn die Lkw-Fahrer müssen ihre Sattelschlepper dafür 35 Meter rückwärts auf engem Raum zur Rampe manövrieren. „Wir haben das vorab mit vier oder fünf unserer Fahrer getestet. Kein Problem, die bekommen das hin“, ist Degerich überzeugt.

Insgesamt 35 neue Arbeitsplätze entstehen durch die Filiale in Sindelfingen. Der 27-jährige Filialleiter Timay Kaya spricht sogar von 41 Mitarbeitenden, allerdings handelt es sich hier um zusätzliches Personal, das während der Anfangsphase unterstützen soll.

OB Vöhringer verdient als Kassierer 1000 Euro für den guten Zweck

Als die Pressevertreter mit der Führung durch sind, schließt auch Aushilfskraft Bernd Vöhringer seine Kasse und tauscht die zerknitterte Arbeitskluft mit Lidl-Aufnäher gegen Jackett und Businesshemd. In seiner Funktion als Oberbürgermeister lobt er die neue Nahversorgerfiliale als „zukunftsweisend, flächensparend und nachhaltig“.

Anschließend posiert er mit einigen Lidl-Offiziellen und Carmen Bühl von Nachbarn im Not für ein PR-Foto. Für seinen Einsatz an der Kasse hat sich Vöhringer nämlich 1000 Euro Spendengelder verdient, die nun dem wohltätigen Verein zu Gute kommen sollen.