Gaddafi meldet sich zu Wort und tritt Spekulationen entgegen, er sei ins Ausland geflohen.

Kairo - Der libysche Staatschef Muammar al Gaddafi hat sich erstmals seit Beginn der Unruhen öffentlich zu Wort gemeldet und ist Spekulationen entgegengetreten, er sei ins Ausland geflohen.

Im Staatsfernsehen erklärte er am Dienstagmorgen, er halte sich noch immer in der Hauptstadt Tripolis auf. Italien und die Türkei bereiteten die Evakuierung ihrer Staatsbürger aus der libyschen Stadt Bengasi vor, nachdem sich die Lage am Montag dramatisch zugespitzt hatte. Die Erklärung Gaddafis im staatlichen Fernsehen dauerte weniger als eine Minute. Der Staatschef war auf den Bildern in einem Auto sitzend zu sehen, das offenbar vor seinem Wohnhaus stand. Aus der Tür hält er einen Regenschirm. Er habe eigentlich seine Anhänger auf dem Grünen Platz besuchen wollen, dann habe ihn aber der Regen davon abgehalten, sagte Gaddafi. „Ich bin hier, um zu zeigen, dass ich in Tripolis bin und nicht in Venezuela“, erklärte er.

Italien schickte nach Regierungsangaben eine Transportmaschine nach Bengasi, die rund 100 Italiener ausfliegen soll. Die Türkei erklärte am Dienstag, drei Schiffe seien auf dem Weg nach Bengasi, um tausende türkische Staatsbürger außer Landes zu bringen.

Kampfflugzeuge über Tripolis

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wollte am Dienstag um 15 Uhr über die Lage in Libyen beraten. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte sich am späten Montagabend angesichts der Berichte über Luftangriffe auf Demonstranten empört gezeigt und zu einem sofortigen Ende der Gewalt aufgerufen.

Gaddafi rief er auf, das Blutvergießen zu stoppen, die Menschenrechte zu achten und die Zivilbevölkerung zu schützen. Nach Angaben von Human Rights Watch wurden seit Beginn der Proteste mindestens 233 Menschen getötet. Über Tripolis donnerten am Montagabend laut Augenzeugenberichten Kampfflugzeuge hinweg. Scharfschützen bezogen auf Dächern Stellung, offenbar um Regierungsgegner von außerhalb davon abzuhalten, sich den immer massiveren Protesten gegen Gaddafi anzuschließen, wie ein in London ansässiger Aktivist, Mohammed Abdul Malek, unter Berufung auf Bewohner sagte. Die Kommunikationsverbindungen in die Hauptstadt war unterbrochen, und auch Handyanrufe nach Libyen waren vom Ausland aus unmöglich. Das Parlament stand in Flammen. Das Regime drohte seinen Gegnern, die inzwischen offenbar die zweitgrößte Stadt Bengasi kontrollieren, mit einem „Kampf bis zum letzten Mann“.

Clinton fordert Ende des Blutvergießens

Nach einem Bericht des arabischen Fernsehsenders Al Dschasira griff am Montagabend das Militär einen riesigen Demonstrationszug in Tripolis mit Flugzeugen an. Auch scharfe Munition werde eingesetzt, meldete der Sender unter Berufung auf Informanten. Ein Sohn Gaddafis wies die Berichte über Luftangriffe auf Tripolis und Bengasi zurück. US-Außenministerin Hillary Clinton verurteilte die Gewalt in Libyen und rief Gaddafis Regierung zu einem Ende „dieses unverantwortlichen Blutvergießens“ auf. Gaddafis Regierung müsse die Grundrechte achten, darunter die Meinungs- und die Versammlungsfreiheit.

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