Hier stoßen die Gäste mit Wodka auf den schwulen Künstler Tom of Finland an. Er ist Namensgeber der Bar. Foto: /Cedric Rehman

Die Kneipe, in der auch ältere schwule Männer gern ein Bier trinken, bekommt keine Außengastronomie genehmigt. Wirtin Laura Halding-Hoppenheit plant den Umzug.

S-Mitte - Einen Wodka auf Tom gebe es an jedem Abend auf Kosten des Hauses in ihrer Bar an der Pfarrstraße, erzählt die Gastronomin Laura Halding-Hoppenheit. Der Namensgeber der Schwulenbar ist eine Legende in der Szene. Der Finne Touko Valio Laaksonen schuf als „Tom of Finland“ in den 70ern homoerotische Illustrationen. Als „ein sexy Lederkerlchen“, auf den die Regenbogen-Community noch heute stolz sei, beschreibt die Wirtin den von ihr verehrten Künstler.

„Tom´s Bar“ könnte nun bald umziehen. Denn Laura Halding-Hoppenheit ist enttäuscht, dass sie keine Stühle und Tische vor ihrem Lokal aufstellen kann. Dort befinden sich vier Parkplätze.

Parkplätze sollten weichen

Halding-Hoppenheit wandte sich an die Verwaltung, mit der Bitte, die Stellplätze vor dem Lokal aufzugeben. Zumindest zwei Stellplätze sollten weichen, damit ihre Bar auch Gäste draußen bedienen könne, forderte die Wirtin.

Der Verwaltung zufolge wurden die Stellplätze schon vor Jahrzehnten entwidmet. Sie stünden Gewerbetreibenden als Mietparkplätze zur Verfügung, erklärt ein Sprecher der Stadt. Es gebe aus Sicht der Stadt keinen Grund, langfristige Mietverhältnisse zu kündigen, damit ein anderer Gewerbetreibender mehr Einnahmen erzielen könne. Dies sei Halding-Hoppenheit in einem Gespräch auf Abteilungsleiterebene im Februar mitgeteilt worden, meint der Sprecher der Stadt.

Wirtin verliert Geduld

Zwei Jahre der Auseinandersetzung mit der Stadt um die vier Parkplätze vor ihrem Lokal und eine Pandemie später, scheint Halding-Hoppenheits Geduld nun am Ende zu sein. Sie sieht keinen Willen zur Zusammenarbeit bei der Verwaltung. „Ich habe zum Beispiel vorgeschlagen, dass ich mir mit den Gewerbetreibenden die Miete teile und die Stellplätze nur abends nutze. Nach 20 Uhr sind sie immer frei. Aber auch darauf ist niemand eingegangen“, sagt die Wirtin. Unterstützung bekommt sie für die Idee vom SPD-Bezirksbeirat Heinrich Huth. Er plädiert für eine geteilte Nutzung, die Außengastronomie ermöglicht. „Es geht an dieser Stelle besonders um die Aufwertung der Aufenthaltsqualität“, sagt er.

Ganz entmutigt scheint Halding-Hoppenheit aber nicht zu sein. An dem Konzept von „Tom´s Bar“ will sie festhalten und es nun an einem anderen Ort umsetzen. „Ich suche mir eben einen neuen Laden“, sagt Halding-Hoppenheit.

Ältere Schwule sollen sich wohl fühlen

Die Gastronomin ist als Urgestein des schwul-lesbischen Nachtlebens in Stuttgart bekannt. Sie gründete 1977 den King´s Club an der Gymnasiumsstraße. Eine Diskothek mit viel rotem Plüsch, in der auch Prominente wie Helmut Berger oder der Modedesigner Harald Glööckler feierten. Weniger Plüsch, dafür mehr Kneipe sollte es in Tom´s Bar sein. Halding-Hoppenheit wollte mit ein Lokal schaffen für ältere schwule Männer, die am Wochenende nicht mehr in einen Club wollen. Sie hätten dennoch das Bedürfnis nach einem Austausch innerhalb der Community, sagte Halding-Hoppenheit schon 2018. Auch die Lederszene sei ganz im Sinne von „Tom of Finland“ immer willkommen. Dass sich Männer in Fetischmontur nicht mehr versteckten, sondern vor ihrem Lokal ein Bier trinken wollten, sei ein Zeichen für das gewachsene Vertrauen in eine weniger homophobe Gesellschaft, sagt Halding-Hoppenheit. „Die Sichtbarkeit ist wichtig“, meint sie.

Die Gastronomin sprach vor zwei Jahren davon, dass sie den Betrieb von Tom´s Bar mit Einnahmen aus dem laufenden Geschäft der Diskothek King´s Club querfinanzieren müsste. Seit dem Beginn der Pandemie hat der King´s Club allerdings wie alle Diskotheken geschlossen und keinen Umsatz kreiert.

Halding-Hoppenheit ist zuversichtlich

Halding-Hoppenheit ist dennoch zuversichtlich, dass sie einen Neustart von „Tom´s Bar“ an anderer Stelle stemmen kann. Die Pandemie habe viel Leerstand in der Altstadt geschaffen und ein konkretes Objekt habe sie sogar bereits im Auge, meint die Gastronomin. „Alles, was ich brauche, ist eine Terrasse, dann läuft der Laden schon“, sagt sie.

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