Foto: Baumann

Oft müssen Spitzensportler trotz großer Erfolge um jeden Euro kämpfen. Der Wasserballer Hannes Rothfuß ist einer von ihnen.

Stuttgart - Die Deutsche Sporthilfe hat sie mit ihrer Anzeigenaktion in den Fokus der Öffentlichkeit gestellt: Spitzensportler, die trotz großer Erfolge um jeden Euro kämpfen müssen. Hannes Rothfuß ist einer von ihnen. Das 19-jährige Wasserball-Talent darf sich Hoffnungen auf eine Olympiateilnahme machen.

Nein, rundum zufrieden ist er mit der momentanen Situation nicht, das ist Hannes Rothfuß deutlich anzumerken. Das große Wasserball-Talent des SSV Esslingen muss nämlich kürzertreten. Im Frühjahr macht der 19-Jährige sein Abitur. Für Rothfuß, der am liebsten schon 2012 zum Olympiakader gehören will, bedeutet das: Büffeln statt Trainieren. So sind es derzeit "nur" fünf bis sechs Trainingseinheiten im Wasser. Die Stunden im Kraftraum sind bis zur Hochschulreife zunächst gestrichen.

Zehn Trainingseinheiten pro Woche - das ist für einen Hobbysportler, aber auch für einen Fußball-Profi kaum vorstellbar. Für das Ausnahmetalent hingegen ist es normalerweise Alltag. Rothfuß hat sich dem Wasserball verschrieben - mit Haut und Badekappe. Das große Ziel heißt Olympia. Wenn nicht 2012 in London, dann spätestens 2016 in Rio de Janeiro. Dafür investiert Rothfuß viel, sehr viel. Doch Aufwand und Ergebnis stehen in keinem vernünftigen Verhältnis - jedenfalls nicht aus finanzieller Sicht. Bei zehn Einheiten die Woche kommt Rothfuß locker auf 60 Trainingsstunden im Monat. Schulferien kennt der Wasserballer nicht. Während viele seiner Klassenkameraden auch gestern wieder lange schliefen, begann der Tag für Rothfuß um sieben Uhr. Knapp eine Stunde später stand bereits das erste Training im Inselbad in Stuttgart-Untertürkheim an.

Während die kickenden Stars mit Millionen überhäuft werden, springt Rothfuß für exakt 50 Euro monatlich ins Becken. Auf diese Summe beläuft sich die finanzielle Förderung von der Deutschen Sporthilfe, die der Schüler als B-Kader-Athlet bekommt.

Damit teilt Rothfuß das Schicksal vieler deutscher Spitzensportler in den Randsportarten. Enormer Aufwand, kaum (finanzielle) Unterstützung. Auch aus diesem Grund hat die Deutsche Sporthilfe eine Anzeigenaktion gestartet, um auf die Situation aufmerksam zu machen. Denn wer als Gewichtheber, Kanute oder Wasserballer zur internationalen Spitze gehören will, muss sein Leben komplett auf dieses Ziel ausrichten, sprich trainieren, trainieren, trainieren. Reichtümer werden dadurch trotzdem nicht angehäuft. Zehn bis 15 Spieler, so schätzt Trainer Patrick Weissinger, könnten in Deutschland vom Wasserball leben.

Die Aktion der Sporthilfe findet der 259-fache Nationalspieler deshalb gut, wenngleich er auch das aktuelle System kritisiert: "Es ist kein Förder-, sondern ein Belohnungssystem. Nur wenn du ganz oben bist, bekommst du auch richtig was." Beim Weg dorthin stünden gerade die Spitzensportler in den weniger populären Sportarten oft alleine da - besonders bei der Finanzierung.

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