In der Mitte von Leinfelden hat das Rathaus zahlreiche stadtplanerische Mammutaufgaben vor sich. In einem neuen Sanierungsgebiet soll sich einiges ändern. Was ist geplant?
Es fängt schon bei der Größe an. Stolze 16 Hektar umfasst das Planungsgebiet östlich und westlich der Gleise, die Leinfelden durchziehen. Viele wichtige Einrichtungen wie der Bahnhof, das Rathaus, Einzelhandel und Industrie oder das Feuerwehrmagazin sind dort historisch gewachsen. Was fehlt, ist der stadtplanerische rote Faden. Eine Ortsmitte ist nur schwer zu erkennen. „Leinfelden hat bisher kein klar ablesbares Zentrum“, schreibt die Stadtverwaltung. Das soll sich ändern.
Einen wichtigen Schritt zu einer erkennbaren Ortsmitte könnte mit einem Sanierungsgebiet gegangen werden. Einer vorbereitenden Untersuchung hat der Technische Ausschuss während seiner jüngsten Sitzung einstimmig und vorberatend für den Gemeinderat am kommenden Dienstag grünes Licht gegeben. In dem Bereich stehen in den kommenden Jahren wahrscheinlich große bauliche Veränderungen an. Die Stadt möchte beispielsweise auf einem Grundstück zwischen den Gleisen und der Max-Lang-Straße ein zentrales Rathaus bauen. Die Firma Bosch hat angekündigt, ihr großes Betriebsgelände umzubauen und vielleicht Teile des Geländes der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Auf der anderen Seite der Gleise stellt sich die Frage, was rund um das bestehende Rathaus einmal passieren soll. Die benachbarte Feuerwehr soll eine neue Heimat im Norden des künftigen Sanierungsgebietes an der Stuttgarter Straße erhalten. Das kommerzielle Zentrum Leinfeldens ist im Süden des Sanierungsgebiets verortet. Rund um den Neuen Markt an der Ecke der Echterdinger und der Bahnhofstraße gibt es Gastronomie, Geschäfte und die Bücherei.
Bewohner sollen befragt werden
Es gibt darüber hinaus noch einige Flächen, die aus Sicht der Stadt noch nicht optimal genutzt werden. Dazu gehören neben Freiflächen auch die vielen oberirdischen Parkplätze in dem Bereich. „Bedarfsgerechter und bezahlbarer Wohnraum sowie neue Gewerbeflächen sollen geschaffen werden“, heißt es schriftlich aus dem Rathaus. Gleichzeitig sollten öffentliche Grünflächen erhalten oder geschaffen werden. Die betroffenen Bewohner sollen im Zuge des Prozesses nach ihren Vorstellungen, Wünschen und ihrer Mitwirkungsbereitschaft befragt werden. Zunächst soll eine öffentliche Auftaktveranstaltung stattfinden, bei der auch Fragen gestellt werden können. Einen Termin gibt es dafür aber noch nicht. Ob sich die Stadt mit einem neuen Sanierungsgebiet nicht übernehme, fragte sich der Fraktionsvorsitzende der L.E. Bürger/Demokratie in Bewegung Jürgen Kemmner. Immerhin gebe es noch zahlreiche weitere große Projekte in der Stadt, beispielsweise die Ertüchtigung der historischen Mitte in Echterdingen. Gleichzeitig klage das Rathaus immer wieder über mangelndes Personal und offene Stellen, die nicht besetzt werden könnten.
In dieselbe Richtung äußerte sich auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Erich Klauser. Angesichts der vielen zu bewältigenden Aufgaben sagte er: „Wir brauchen auch das Personal dazu.“ Dass das äußerst heterogene Sanierungsgebiet Leinfelden Mitte nicht einfach umzusetzen sein wird, betonte der FDP-Stadtrat Wolfgang Haug. „Die Komplexität kann auch zum Hemmschuh werden. Mir macht das ein bisschen Sorgen“, sagte er.
Stadt: Drittes Sanierungsgebiet ist machbar
Die Stadtverwaltung ist jedoch zuversichtlich, neben den Sanierungsgebieten historische Mitte in Echterdingen und dem Sanierungsgebiet Ortsmitte Musberg ein drittes Sanierungsgebiet planen zu können. „Ich will nicht sagen, dass wir unterfordert sind. Ich glaube aber, dass wir mit drei Sanierungsgebieten zurechtkommen“, entgegnete der Leiter des Planungsamts Philipp Schwarz.