Zwei zum Feiern fest entschlossene Gäste bei der Party „Filmriss am Rosenmontag“ in der Bar Mrs. Jones am Hans-im-Glück-Brunnen. Foto: Andreas Engelhard

Besser und schräger geht Stuttgarter Fasching kaum als in der Bar Mrs. Jones, sagen die Fans von Yusuf Oksaz. Traditionell hat der Wirt seine Party „Filmriss am Rosenmontag“ gefeiert - wie früher mit Speaker Lukas-Pierre Bessis als DJ.

Stuttgart - Wenn der Vollblutgastronom Yusuf Oksaz, der kürzlich das Billie Jean an der Lange Straße als Diskothek eröffnet hat, seine Narrenkappe aufsetzt, gibt’s kein Erbarmen mehr. Das gute Stück ist das Erbstück seines Onkels. Es handelt sich um den Original-Kopfschmuck irgendeines Elferrats. Von welcher Karnevalsgesellschaft das Ding stammt, weiß der Wirt nicht so genau. Doch um so besser weiß er, was damit zu tun ist.

Bei seiner traditionellen Party „Filmriss am Rosenmontag“ in der Bar Mrs. Jones am Hans-im-Glück-Brunnen versorgt er als Obernarr die anwesenden Kapitäne reichlich mit Treibstoff. Schiffsführer, die am Eckensee angelegt haben, sind da, aber auch Hexen, Bräute, Nonnen, Riesenbabys mit Schnuller, Knackis mit Nummern auf ihrer Knastkleidung – eben alles, was man an Fasching braucht und alles, was hüpfen und gröhlen kann. Voll, laut und eng ist es bei Yusuf, wie dies in Köln an Karneval an jeder Ecke und in jeder Kneipe der Fall ist, in Stuttgart hingegen nur an ausgewählten Orten.

Der Mann hat’s gebraucht!

Plötzlich steht Lukas-Pierre Bessis, der sich auf seiner Homepage „provokanter Buchautor, versierter Blogger, beliebter Speaker, erfolgreicher Ideenentwickler, fantastischer Synchronsprecher und Vater von zwei Kindern“ nennt, mit freiem Oberköper da. Er muss sich rasch noch umziehen, bevor er zum DJ-Pult hochsteigt. Eine Glitzermütze trägt er, als sei er Mitglied der Schwulenband Village People und würde gleich „YMCA“ anstimmen. Auf dem Muscle-Shirt, das er sich überstülpt, sind zwei Pfeile zu sehen. Ein Pfeil zeigt nach oben zu „The Man“, wie die Schrift verrät. Der andere Pfeil zeigt zu den unteren Regionen des Mannes. Laut Aufdruck befindet sich dort „The Legend“. Bessis gibt Vollgas beim Auflegen wie vor vielen Jahren hier. Er spielt alles von Kölsch bis Nena. Nach langer Pause ist er wieder DJ im Mrs. Jones. Wer ihn toben sieht, merkt: Der Mann hat’s gebraucht.

Die wilde Elfe tanzt mit ihrem Cowboy durch die Nacht

Der Unternehmer und Musiker Uwe Sandner trägt einen Schottenrock. Fürs Cannstatter Volksfest, erzählt er, habe er sich mal ein Kilt ausleihen wollen. Doch der Kostümverleih habe so viel Geld verlangt, dass er lieber nach Schottland geflogen ist, um sich dort die Originalkleidung zu kaufen. Eine wilde Elfe im grünen Rock tanzt mit ihrem Cowboy durch die Nacht. Die Väter der Top-Gun-Piloten versuchen mit Eckensee-Kapitän Rüdiger Silberlocke, Yusuf als Kombüsenjunge anzuheuern. Eine Nonne sagt, warum sie mit ihren Freundinnen feiert und den Ehemann daheim gelassen hat: „Es soll ein lustiger Abend werden.“

Rosenmontag ist, wenn es selbst in Stuttgart nur noch zwei Tage sind bis Aschermittwoch. Und dann ist alles vorbei. Erinnern wird sich keiner mehr, was im Mrs. Jones am Rosenmontag war. Filmriss!

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