Der Landkreis Böblingen plant, das leere Gebäude am Parksee für fünf Jahre anzumieten. Jüngst habe man mit der Stadtverwaltung Gespräche aufgenommen. Rund 200 Menschen könnten dort leben.
Bis zum Jahr 2017 gehörte das Seniorenheim am Leonberger Parksee noch dem Landkreis Böblingen. Jetzt zeigt man beim Landratsamt erneut Interesse an der Liegenschaft, die mittlerweile dem Investor Carestone gehört – und die bereits seit Monaten leersteht (wir berichteten). Dusan Minic, Dezernent für Jugend und Soziales, bestätigt die Information unserer Zeitung: Der Landkreis plant, in dem Gebäude Geflüchtete unterzubringen. Dafür will er es nicht zurückkaufen, aber für 60 Monate von Carestone mieten. „Nach unserem Stand will der jetzige Eigentümer über kurz oder lang dort wieder ein Seniorenheim betreiben, sieht sich aktuell dazu aber nicht in der Lage“, so Minic weiter. Einst hatte die Samariterstiftung als Betreiberin fungiert.
Bis zu 200 Personen könnten laut Minic in dem mehrstöckigen Gebäude in der Ostertagstraße Platz finden. Schnellstmöglicher Zeitpunkt für einen Bezug sei wohl kurz nach dem Jahreswechsel. Der Dezernent betont, wie knapp der Platz im Landkreis sei, um geflüchtete Menschen unterzubringen. „Bei den Zahlen, die uns derzeit zugewiesen werden, gäbe es bis zum Jahresende keinen Platz mehr“, so Minic. Die Zahlen stiegen im Moment stark an. Also prüfe man jede sich bietende Option – und beim Gebäude in Leonberg sei man inzwischen so weit, dass man vor Kurzem auf die Stadtverwaltung zugegangen sei.
Über die Höhe der Miete gibt es keine Auskunft
Man müsse natürlich stets im Blick haben, welche Örtlichkeiten sich eignen, betont Minic. „Dort müssen Menschen zwischen sechs und 24 Monaten leben können, es muss entsprechende Sanitäranlagen geben, Gelegenheiten, Wäsche zu waschen und Gemeinschaftsräume“, so der Böblinger Dezernent weiter. Überdies stellten sich Fragen der Bausubstanz und des Aufwandes, ein Gebäude für diesen Zweck herzurichten. Bleiben noch die Finanzen. Über die Höhe der Miete gibt es von Minic auf Nachfrage keine Information.
Haus hat etwa 100 Zimmer und wäre damit eine große Unterkunft im Kreis
Wer genau am Ende dort einziehen soll, könne man jetzt noch nicht sagen. „Derzeit kommen viele Einzelpersonen, aus der Ukraine kamen viele Familien“, zählt Minic auf. Sollten sich die Pläne bewahrheiten, wäre das Haus mit seinen etwa 100 Zimmern eine große, „aber nicht die größte“ Unterkunft im Landkreis Böblingen. Leonberg sei von den Großen Kreisstädten jene, die bislang noch am wenigsten Geflüchtete zugeteilt bekommen habe. „Wir haben wenig Probleme, auch an unseren großen Standorten“, bekräftigt Minic die Pläne der Behörde. Am Ende sei dem Landkreis jedoch daran gelegen, dass das Gebäude wieder ein Seniorenheim werde. „Das ist die erste Priorität“, so Minic.