Deutschland hinkt bei der Lebenserwartung im Vergleich zu anderen westeuropäischen Ländern hinterher. Daher muss mehr in Prävention investiert werden, meint unsere Autorin Bettina Hartmann.
Seit Jahrzehnten gibt es in der entwickelten Welt eine Konstante: Die Menschen werden immer älter. Wichtige Faktoren hierbei sind Zugang zu medizinischer Versorgung, Hygienestandards, Ernährung, Bildung, Arbeitsbedingungen, Einkommen. Deutschland jedoch verliert bei der Lebenserwartung immer mehr den Anschluss an andere westeuropäische Länder. Das geht aus einer aktuellen Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) und des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung hervor. Eine alarmierende Entwicklung.
Hatte der Rückstand auf Länder wie Spanien, Italien oder Frankreich im Jahr 2000 noch bei 0,7 Jahren gelegen, ist er inzwischen auf 1,7 Jahre gestiegen. Die Forscher erklären dies vor allem durch eine höhere Sterblichkeit aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen – zu späte Diagnosen erschwerten eine erfolgreiche Behandlung.
Das Gesundheitssystem ist überlastet
Und hier liegt wohl generell die Krux: Das deutsche Gesundheitssystem besteht inzwischen aus mehr Schein als Sein. Mangel an Medikamenten, überlastete Krankenhäuser, überfordertes Personal sind einige Stichwörter. Zwar ist die Arztdichte noch immer hoch. Dennoch wartet man, zumal in Großstädten, teils bis zu zehn Monate auf einen Facharzttermin. Pech, wenn es sich um etwas Gravierendes handelt. Zudem wurde in den vergangenen Jahren das Budget für Vorsorgeprogramme immer mehr gekürzt – und somit an der völlig falschen Stelle gespart. Hier ist dringend ein Umdenken gefordert.
Nicht alles auf den Staat schieben
Alles auf den Staat zu schieben, greift allerdings zu kurz. Man kann auch selbst zu seiner Gesundheit beitragen: etwa durch Bewegung, gesündere Ernährung, Verzicht auf Nikotin, maßvollen Alkoholkonsum, Gewichtsabnahme und Stressreduktion. Was in Zeiten sinkender Einkommen, steigender Armut und größer werdender sozialer Unterschiede sicher schwieriger wird.
Dennoch: Die Menschen in Spanien, Frankreich oder Italien verdienen teils weniger als die Deutschen – und leben trotzdem länger. Vielleicht auch, weil dort mehr Wert auf gutes Essen gelegt und der Kontakt zu Familie und Freunden gepflegt wird.