Foto: Annegret Jacobs

Die Familie Lorenz ist im Laufe der vergangenen 50 Jahre ungeplant zu Ureinwohnern der Wohnstadt Asemwald geworden. Dass das geklappt hat, hängt auch mit dem funktionierenden Flurfunk vor Ort zusammen.

Asemwald - So, wo wollen wir uns denn hinsetzen?“ Waltraut Lorenz und ihr Mann Dieter wirken an diesem Frühlingsnachmittag gar nicht dynastisch-majestätisch. Vielmehr freundlich halten die beiden Rentner nach einem Sitzplatz in der Sonne Ausschau. „Asemwald-Dynastie, also ich weiß nicht!“ Die 72-Jährige schaut ihren Mann, 70 Jahre, an und lacht. So haben die beiden sich und ihre familiären Verflechtungen in der Wohnstadt auf dem Birkacher Feld noch nie betrachtet. Aber in gewisser Weise sei es auch nicht falsch. „Eine Ureinwohnerin bin ich hier ja schon.“ Und mit dem Zuzug des Sohnes mit Freundin und Baby Ende 2020 ist nun bereits die dritte Generation der Familie Lorenz hier oben heimisch.

 

Asemwald-Dynastien über zwei oder gar drei Generationen – sie sind nicht untypisch. Es sind noch andere Familien im Haus, bei denen die Kinder mit Kindern zurückkehren, bestätigen beide nickend. Und häufig laufe es genauso wie bei ihnen selbst: Die Rückkehr der Kinder ist nicht geplant, sie ergibt sich. „Unser Sohn hat woanders gesucht, aber hier hat es sich für ihn und seine Freundin eben geschickt ergeben. Er kannte die Vorzüge.“

1970 zufällig in die Wohnstadt gekommen

Die Eltern von Waltraut Lorenz zog es 1970 zufällig in die Wohnstadt. „Mein Vater hatte einen Bekannten, der beim Bauträger Neue Heimat gearbeitet hat. Der wusste, dass hier Wohnungen frei werden.“ Als die Wohnung im ersten fertig gestellten Wohnblock bezogen wurde, war Waltraut Lorenz 22 Jahre, noch unverheiratet. Fünfter Stock, zu diesem Zeitpunkt gerade oberhalb der im Asemwald so bedeutsamen Baumgrenze.

Waltraut Lorenz erinnert sich noch genau an das Datum, es war der 2. April 1970. Die beiden anderen Blöcke standen zu diesem Zeitpunkt noch nicht, die Geschäfte waren noch nicht eröffnet. „Überall Beton und Baustelle“, erinnert sie sich heute. Aber, sie fühlte sich wohl, das Wohnen war komfortabel.

Traumhafter Ausblick im 13. Stock

Später, als sie und ihr Mann Ausbildung und Studium beendet hatten, fand das Ehepaar Lorenz in einem der Nachbarblöcke eine Zweieinhalbzimmerwohnung mit traumhaftem Ausblick 13. Stock, Mitte. „Wir haben auch woanders gesucht, wir wollten eine bezahlbare Wohnung in Stuttgart mieten.“ Über eine Zeitungsannonce stießen sie auf eine Wohnung im Asemwald. „Ich kannte ja die Vorteile hier oben“, sagt Waltraut Lorenz.

Dann kamen die beiden Kinder, es wurde zu eng. Dieter Lorenz war Ingenieur bei Daimler, Waltraut Lorenz hat als Buchrestauratorin im Staatsarchiv Stuttgart gearbeitet. Eine tolle Aussicht ist für zwei Jungvermählte wunderbar, aber wäre mit zwei Kindern und zwei soliden Gehältern, nur durch die Erziehungszeit unterbrochen, ein Eigenheim nicht die bessere Perspektive? „Nein“, Dieter Lorenz schüttelt fast ein wenig verwundert den Kopf. Der Asemwald lag doch verkehrstechnisch so geschickt für ihn, genau in der Mitte zwischen den Werken im Neckartal und in Sindelfingen. Die Monumentalität der Blöcke? „Hat uns nie gestört. Wenn man hier wohnt, achtet man nicht darauf. Wer hier wohnt, stellt sich nicht vor die Haustür, legt den Kopf in den Nacken und schaut hoch bis zum 22. Stock.“ Waltraut Lorenz schüttelt den Kopf und lacht. Wer hier wohnt, freue sich an seiner Aussicht. An dem tollen Klima auf den Balkonen in Süd- und Westlage, welches dem Ehepaar einen Oliven- und einen Orangenbaum gedeihen lässt.

Kurz vor der Rente noch einmal umgezogen

Beim Einkaufen in der Ladenpassage bekam das Ehepaar Lorenz dann eines Tages nach Arbeitsschluss mit, dass im gleichen Block eine Vier-Zimmer-Wohnung frei würde. Noch so ein Phänomen im Asemwald: der Flurfunk – entweder im wahren Wortsinn oder visuell per Aushang – funktioniert. Je nach Lebenslage suchte man sich in der Wohnstadt die passende Wohnung. Deswegen sind Dieter und Waltraut Lorenz vor knapp zehn Jahren, noch vor der Rente, noch einmal umgezogen, es mussten nicht mehr vier Zimmer sein. Diesmal sollte es eine Eigentumswohnung sein. Fündig wurden die beiden, natürlich, am Schwarzen Brett. Eine Wohnung im gleichen Block. „Da haben wir uns noch am selben Tag gemeldet“, sagt Dieter Lorenz.

So, wie sie beide dasitzen, sehen sie sehr zufrieden aus. Die Wohnung komfortabel, die Nachbarschaft nett, die Anlage gepflegt. Verbesserungswünsche? Beide überlegen lange. „Noi, da fällt uns nichts ein.“ Vielleicht ist es doch kein Zufall, dass sich im Asemwald Dynastien bilden.