Karl Lauterbach hat ein Gesetz zur Steigerung der Attraktivität des Hausarzt-Berufs vorgelegt. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Es ist eine Illusion, dass eine bessere Versorgung des ländlichen Raum ohne weitere Belastungen der GKV-Finanzen funktionieren könnte, sagt Berlin-Korrespondent Norbert Wallet.

Das Ausmaß und die erheblichen Folgen eines sich aufgrund der demografischen Entwicklung rasant verschärfenden Ärztemangels sind noch längst nicht hinreichend ins gesellschaftliche Bewusstsein gerückt. Das ist kein rein medizinisches Fachproblem. Der Ärztemangel hat massive soziale und politische Auswirkungen. Wenn vor allem der ländliche Raum in der Versorgung immer weiter abgehängt wird, ist das Gift für den sozialen Zusammenhalt und eine Steilvorlage für die Populisten jedweder Couleur.

 

Hausärzte sind Lotsen durch das Gesundheitswesen

Insofern ist es gut, dass Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach in seinem Gesetzentwurf zur Stärkung der Gesundheitsversorgung Schritte unternimmt, den Hausärzten – die eine Schlüsselstellung als Lotsen durch das Gesundheitswesen innehaben – das Leben leichter und ihren Beruf attraktiver zu machen. Es ist richtig, dass künftig alle Leistungen der Hausärzte voll abgerechnet werden können und die Vergütung nicht mehr gedeckelt wird. Es ist richtig, dass eine Jahrespauschale für die Versorgung chronisch Kranker den nur aus Abrechnungsgründen notwendigen monatlichen Pflichtbesuch in der Praxis überflüssig macht. Und es ist gut, dass weitere Anreize für Haus- und Pflegeheimbesuche oder zusätzliche Sprechstunden an Abenden oder Samstagen gesetzt werden.

Herr Lindner, übernehmen Sie!

Die Kehrseite: Es ist eine Illusion zu glauben, dass das alles ohne eine weitere durchaus spürbare Belastung der GKV-Finanzen gehen könnte. Wie eng das Korsett gestrickt ist, in dem sich Lauterbach bewegen muss, zeigt, was alles aus dem Gesetzentwurf herausgefallen ist, eben weil man die gesetzlich Versicherten nicht immer weiter zur Kasse bitten kann – etwa die eigentlich überaus sinnvollen Gesundheitskioske oder die Förderung der Medizinstudienplätze. Das sind gesamtgesellschaftliche Aufgaben, die steuerfinanziert sein müssen. Herr Lindner, übernehmen Sie!