Unerschrockene Taube Foto: Decksmann

Kolumnist KNITZ über den Umgang mit Brennnesseln, schräge Vögel und den ewigen Kampf der Hobbygärtner mit dem Wildwuchs.

Bevor KNITZ zum eigentlichen Thema kommt, ein lebenspraktischer Hinweis: Was hilft gegen den Schmerz, wenn man wie eben KNITZ barfuß und in kurzen Hosen in hochstehende Brennnesseln gelatscht ist? Daran glauben, dass das gut für die Durchblutung ist und gegen Rheuma hilft. Den Tipp hat KNITZ, wenn er sich recht entsinnt, seine Oma mit auf den Lebensweg gegeben.

 

KNITZ ist zwar nicht vom Rheuma geplagt. Aber womöglich nur deshalb nicht, weil er in seiner Schusseligkeit ein-, zweimal im Jahr auf Tuchfühlung mit Brennnesseln geht. Natürlich könnte man die Brennnesseln im Garten kappen. Aber die Gärtnerin seines Vertrauens braucht das Zeug, weil sie damit einen geheimnisvollen Sud braut, der bewirkt, dass die Rosen besser durchblutet werden und kein Rheuma bekommen.

Gibt es eigentlich noch Vogelscheuchen?

Wichtig bei solchen Hausrezepten ist der Glaube. Davon ist KNITZ felsenfest überzeugt. Sie können das gern als seinen Beitrag zum Kirchentag werten.

Doch nun zum eigentlichen Thema: Gibt es eigentlich noch Vogelscheuchen? Schon der Begriff klingt altertümlich. Würde jemand heutzutage den Ausdruck noch als Schimpfwort benutzen?

KNITZ ist bei seinen Feldstudien auf dem Fahrrad jedenfalls schon länger an keiner Vogelscheuche vorbeigekommen und fragt sich, ob das nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist. Immerhin ist eine Vogelscheuche eine vergleichsweise humane und günstige Methode, um Vögel davon abzuhalten, ein Feld abzuernten.

Aber vielleicht arbeitet man inzwischen ja mit raffinierteren Tricks, wie jener Hausbesitzer, der über einem Fenster eine Krähenattrappe aus Kunststoff angebracht hat – mit einigem Recht, würde KNITZ meinen. Fensterläden und Simse waren wüst mit Vogelkot überzogen.

Keine schlechte Idee – und wie KNITZ gerade überlegt, wozu er so eine Krähenattrappe brauchen kann, flattert eine graue Stadttaube daher, nimmt auf einem der verdreckten Fensterläden Platz und tapst in Richtung des Plastikvogels, der ihre Neugierde geweckt zu haben scheint.

Die Natur ist auch nicht mehr das, was sie mal war

Die Natur ist auch nicht mehr das, was sie mal war, denkt KNITZ. Aber womöglich versteht sich die Taube als Friedensbotschafterin, die Liebe und Freundschaft unter allen Vögeln verbreiten will. Bei einer Friedenstaube hätte KNITZ allerdings ein weißes Federkleid erwartet. Aber wer weiß, wenn man sieht, wie manche Leute in die Oper gehen oder bei Hochzeiten aufkreuzen – vielleicht nehmen es die Tauben mit dem Outfit auch nicht mehr so genau.

Auch unsere gefiederten Freunde sind lernfähig. Unlängst erfuhr KNITZ von einem gartenkundigen Mann, dass einige heimische Vögel inzwischen Geschmack an den Raupen des Buchsbaumzünsler gefunden hätten. Manchmal braucht’s halt ein bissle länger. KNITZ hat auch nicht als Weizenbiertrinker das Licht der Welt erblickt.

Im Grunde ist es schön, dass die Natur uns überrascht – und nicht immer so will, wie wir wollen. Erst gestern musste KNITZ sich die Klage einer Hobbygärtnerin anhören, die sich darüber empörte, dass ein von ihr gepflanzter Fingerhut nicht dort Wurzeln trieb, wo er von ihr eingepflanzt worden war, sondern aus Steinritzen spross. KNITZ müsste lügen, würde er behaupten, dass ihn diese Laune der Natur nicht diebisch gefreut hat.