Viele Ausrichter setzen auf den Eventcharakter – wie beim Neustart des Frauenlaufs in Stuttgart an diesem Samstag.
Menschen, die vom Laufvirus befallen sind, wird es immer geben. Und doch hat die Coronapandemie die Szene verändert. In der Phase, in der Sport nur draußen und individuell möglich war, haben manche Leute die Erfahrung gemacht, dass es für den eigenen Antrieb gar keine Wettkämpfe braucht. Dazu kommt die Altersstruktur: Die geburtenstarken Jahrgänge erreichen langsam das läuferische Rentenalter. Sie sind zwar weiterhin viel unterwegs, Rennen gegen die Uhr werden aber weniger wichtig. Was für manche Veranstalter eine neue Erfahrung mit sich bringt: Sie organisieren Events, die kein Selbstläufer mehr sind.
2019, im Jahr vor der Pandemie, starteten beim Frauenlauf rund um die Stuttgarter Messe noch rund 2500 Athletinnen. Weil es das eine oder andere Problem bei der Wiedergenehmigung der fünf Kilometer langen Strecke mit Start und Ziel auf der Messepiazza gab, folgt der Neustart erst an diesem Samstag – angemeldet haben sich allerdings nur gut 500 Läuferinnen. So viele waren es bei der Premiere vor zehn Jahren. „Diese Zahl ist unser Minimalziel gewesen“, sagt Karen Stahl vom Veranstalter Eventservice Stahl (Sindelfingen), die einen allgemeinen Trend ausmacht: „Viele Wettbewerbe laufen wieder ganz ordentlich, haben aber ein Problem – eine spürbar zunehmende Unverbindlichkeit. Die Leute wollen sich nicht mehr festlegen und melden sich immer kurzfristiger an, was die Organisation natürlich nicht einfacher macht.“
Stuttgart-Lauf mit verändertem Konzept
Zwangsläufig überdenken die Ausrichter deshalb ihre Konzepte, viele versuchen, aus ihren Läufen ein attraktives Event zu machen. Der Frauenlauf in Stuttgart ist ein Beispiel. Es gibt nicht nur T-Shirts und eigens bedruckte Prosecco-Dosen, eine Mutter-Tochter- und eine Freundinnen-Wertung, sondern dank der Zusammenarbeit mit der Messe auch Tickets für die Frühjahrsmessen. „Unser Motto ist Laufen und Genießen“, sagt Karen Stahl, „wir bieten einen Mädelstag mit sportlichem Beiprogramm.“
Auch der Stuttgart-Lauf ist seit mehr als drei Jahrzehnten eine besondere Veranstaltung, die in diesem Jahr allerdings mit einer speziellen Schwierigkeit zu kämpfen hat – wegen der Fußball-EM musste der Termin auf den 21. Juli verschoben werden, es wird nicht wie üblich ein Halbmarathon gelaufen, sondern eine Zehn-Kilometer-Strecke angeboten. „Weil die EM in der Stadt ist, gibt es ein komplett neues Veranstaltungskonzept“, sagt Alexander Hübner vom Württembergischen Leichtathletik-Verband (WLV). Bisher liegen rund 1000 Anmeldungen vor, das deutet auf eine Teilnehmerzahl von 6000 oder 6500 hin. „Das wäre ungefähr die Hälfte von 2023, damit wären wir für einen Tag im Hochsommer zufrieden.“ Schließlich rechnet Hübner damit, dass es bei dieser einen Ausnahme bleiben wird: „Es gibt durchaus Anzeichen, dass es für Veranstalter von Läufen ein ordentliches Jahr werden könnte und wir das Niveau, das wir vor der Coronapandemie hatten, fast wieder erreichen werden.“