Studenten neigen heute mehr als früher dazu, zügiger zu studieren. Foto: dpa

Seit der Bologna-Reform ist die Zahl der Langzeitstudenten massiv zurückgegangen – zumindest in Baden-Württemberg. In Nordrhein-Westfalen liegt die Quote zehnmal so hoch wie im Südwesten.

Stuttgart - Etwas weniger als 7000 oder umgerechnet knapp zwei Prozent der in Baden-Württemberg Eingeschriebenen sind Langzeitstudenten. Das ergeben Anfragen unserer Zeitung beim Wissenschaftsministerium sowie den staatlichen Universitäten. 2004 hatte der Anteil noch sieben Prozent betragen. Als Langzeitstudent gilt traditionell, wer mindestens 14 Semester studiert.

Der Anteil sinkt seit Jahren. Als Hauptgrund gilt die 1999 beschlossene Bologna-Reform, in deren Folge die Diplom- und Magisterstudiengänge von den Abschlüssen Bachelor und Master abgelöst wurden. Nur noch wenige Tausend Studenten im Land sind in den auslaufenden Studiengängen eingeschrieben. Bachelor- und Masterstudiengänge sind stärker verschult, haben kürzere Regelstudienzeiten und viele Hochschulen beschränken die Höchstdauer des Studiums. Ohnehin neigen Studenten heutzutage eher dazu, ihr Studium rasch zu beenden.

Das bildet sich auch in der Statistik ab. Den Bachelorabschluss erreichen Studenten in Baden-Württemberg laut einem Bericht der Landesregierung vom Juni nach durchschnittlich 7, den Masterabschluss nach weiteren 4,8 Semestern. Der Staatsminister Klaus-Peter Murawski schreibt in dem Bericht, „dass das Maßnahmenbündel zur Verkürzung der Studienzeiten sowie zunehmend auch die Umstellung auf das gestufte Studiensystem zu weiter abnehmenden Studienzeiten führt“.

Was ist eigentlich ein Langzeitstudent?

Ein Sprecher des Wissenschaftsministeriums betont, dass heutzutage als Langzeitstudent gilt, wer die Regelstudienzeit um mehr als vier Semester überzieht. So gesehen wird an baden-württembergischen Hochschulen im Bundesvergleich relativ zügig studiert. 93 Prozent aller Studenten brauchen höchstens zwei Semester länger für ihren Abschluss als in der Studienordnung vorgesehen. Der Bundesschnitt liegt bei 89,5 Prozent, in Nordrhein-Westfalen bei 85 Prozent. Dort ist aktuell jeder Fünfte im mindestens 14. Semester eingeschrieben – der Anteil dieser Gruppe ist also zehnmal so hoch wie in Baden-Württemberg. Als ein Grund wird das Semesterticket vermutet, mit dem Eingeschriebene kostenlos Busse und Bahnen im gesamten Bundesland nutzen können. Dem Ruf nach Langzeitstudiengebühren erteilte das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium jedoch eine Absage.

Sechs Bundesländer erheben derzeit Langzeitstudiengebühren – häufig 500 Euro je Studienhalbjahr, sobald die Regelstudienzeit um mehr als vier Semester überschritten wird. In Baden-Württemberg wurden solche Gebühren 1998 eingeführt und 2011 mit den später beschlossenen allgemeinen Studiengebühren wieder abgeschafft. Studentenvertreter weisen darauf hin, dass viele ihr Studium selbst finanzieren müssen und deshalb länger brauchen als vorgesehen. Auch der Bafög ist an die Regelstudienzeit geknüpft.

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