In der Vorderen Straße wird am Samstagabend lang getafelt. Foto: Gerhard Brien

Das Kulturamt der Stadt Fellbach hat zur Langen Nacht viele Kulturschaffende aufgeboten. Vor allem die Außengastronomie war der Renner.

Fellbach -

Das Glück war Florian Gruner ins Gesicht geschrieben. Der Geschäftsführer des Vereins Stadtmarketing strahlte wie die Abendsonne, die noch weit in die Nacht hinein am Samstag milde Temperaturen hinterließ. „Das Wetter ist extrem gut“, sagte er zu Beginn der Langen Nacht Kultur und Einkaufen – der Publikumsandrang habe auch viel stärker angefangen als in früheren Veranstaltungen.

Der laue Sommerabend erfreute natürlich die Künstler, die auf den Straßen auftraten, aber auch die Einzelhändler in der temporären Fußgängerzone rund ums Rathaus, die ideenreich das Thema „Zu Tisch“ variierten. Die zahlreichen geöffneten Geschäfte konnten sich vor allem in der Anfangszeit der Veranstaltung über Kunden freuen. Mit Einbruch der Nacht war dann vor allem Party angesagt.

100 Gäste sitzen an einer Tafel

Die milden Temperaturen kamen der Außengastronomie zugute, die sich über beste Umsätze freute. In der Vorderen Straße hat ein Gastronom sogar 15 Biertischgarnituren zu einer 33 Meter langen Tafel aufgebaut, an der noch nach Mitternacht rund 100 Gäste saßen. In Biergärten und Straßencafés sorgten kleine Bands oder Alleinunterhalter in Lederhose für die musikalische Begleitung zu Weißherbst, Erdbeerbowle oder Eisbecher. Wo sich Musiker phonstark bemerkbar machten, da blieben die Leute stehen. Wie am Entenbrünnele vor dem Stadtmuseum, wo die Pop-Band der Musikschule Fellbach mit einer talentierten Sängerin ihr beachtliches Repertoire spielte. Drinnen musste Bernhard Hurm erst einmal das Ende von zwei Songs abwarten, ehe er loslegen konnte. „Jeder will halt mol drakomma“, meinte der Mitbegründer des Theaters Lindenhof in Melchingen auf der Schwäbischen Alb humorvoll; er erheiterte mit teils in tiefstem Schwäbisch vorgetragenen Gedichten von Sebastian Blau, Ringelnatz, Peter Hacks, Francois Villon, Heinz Erhardt oder Robert Gernhardt das Publikum. Normalerweise hätte es bei einer solchen Veranstaltung großes Gedränge gegeben, aber das Wetter . . .

Swing und Jazz in der Stadtbücherei

Die Leiterin des Kulturamts, Christa Linsenmaier-Wolf, freute sich jedenfalls über die „schöne Atmosphäre“; diesmal hat man auf ein großes Konzert im Rathaus-Innenhof verzichtet und stattdessen vor allem auf dezentral eingesetzte lokale Kräfte gesetzt – Bernhard Hurm gehört ja schon fast dazu. Als Ausnahme wirkte da das Duo Orchestra Nueva aus Berlin, das in der Alten Kelter, in der städtischen Galerie und in der Stadtbücherei feinen Swing und Jazz spielte – vor jeweils gebannt lauschendem Publikum. Tatsächlich fehlte das große Zugpferd, weshalb sich das Interesse auf viele schöne Aufführungen richtete. Die Stadtkapelle gab mehrere Platzkonzerte und geleitete Kunstinteressierte mit Trommeln und Trompeten zur Triennale in der Alten Kelter, wo an diesem Abend zahlreiche Führungen gut angenommen wurden. Ausnehmend gut besucht war auch das anspruchsvolle Konzert von Blockflöten- und Kammermusikensembles der Musikschule in der Lutherkirche, wo zuvor der CVJM-Posaunenchor „Food für die Ohren“ geboten hatte. Im Weltladen waren kurz nach 22 Uhr die von syrischen Familien gekochten Falafel ausverkauft, „es hat richtig gebrummt“, berichtet Brigitte Bauer. Selbst im Kellergewölbe des Kunstvereins fand sich reichlich Publikum beim „Ohrenschmaus“ von Stuttgarter Liedermachern, so dass die Vorsitzende Tina Matzen spät am Abend verkünden konnte: „Alle Burger verkauft. Alles gut“.

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