Katzenjammer bei Klaus Herrmann und der CDU, Jubel bei Jürgen Walter (rechtes Bild in der Mitte) und den Grünen Foto: factum/Weise

Jürgen Walter von den Grünen holt das Direktmandat, CDU-Mann Klaus Herrmann verpasst den Wiedereinzug – der Wahlabend verändert alles im Wahlkreis Ludwigsburg. Auch Claus Schmiedel, bisher SPD-Fraktionsvorsitzender im Landtag, ist raus.

Ludwigsburg - Nichts ist wie vorher, im Wahlkreis Ludwigsburg wurden die politischen Verhältnisse am Sonntag auf den Kopf gestellt. Mit klaren Siegern, den Grünen und der AfD, und klaren Verlieren, der CDU und der SPD. Mit 33,5 Prozent holt Jürgen Walter für die Grünen das Direktmandat, ein Erdrutschsieg. Als im Café Zichorie, wo die Grünen ihre Party feiern, die erste Hochrechnung im Fernsehen erscheint, jubeln alle, aber Walter bleibt nüchtern.

„Das Ergebnis ist super, der Rest unbefriedigend“, sagt er, denn der bisherige Koalitionspartner SPD liegt am Boden. „Es wird heute wahrscheinlich ein langer Abend. Es ist eine Revolution.“ Die CDU sei eine ländliche Partei, in den Städten habe sie keine Mehrheit mehr. Getrübt wird die Freude bei der Party indes auch durch das starke Abschneidens der AfD.

Für die CDU und die SPD wird der Abend zum Debakel

Klaus Herrmann, der finanzpolitische Sprecher der CDU, hatte schon vorher mit dem Verlust seines Direktmandates – und seines Mandates – gerechnet. Mit 23,18 Prozent landet er unter dem Landesergebnis seiner Partei. „Das ist ein schwarzer Tag für die CDU“, kommentiert er im Stuttgarter Landtag, auch für ihn selbst sei es „ein bitterer Tag“. Er tröstet sich damit, dass er mit zwölf Prozent Verlust im Landestrend liege. Über seine berufliche Zukunft will er demnächst entscheiden. In Ludwigsburg wartet derweil in der Gaststätte „Zum Urigen“ eine Handvoll Wahlkämpfer, und Guido Wolfs Worte im TV, dass Grün-Rot abgewählt sei, heitern hier keinen auf.

Auch für die Sozialdemokraten wird der Abend zu einem Debakel. Ohne ihren Kandidaten Claus Schmiedel, der in Stuttgart weilt, versammeln sich einige Genossen im Haus der SPD. Mit 16 Prozent wäre sie angesichts der Umfragen zufrieden, sagt Margit Liepins, die Fraktionschefin im Gemeinderat. Es kommt schlimmer: Die SPD holt 13,03 Prozent im Wahlkreis. „Absolut enttäuschend“ seien die Zahlen. „Vielleicht wäre es nicht schlecht, in die Opposition zu gehen.“ Schmiedel wird beim Neuaufbau nicht helfen können, denn auch seine Hoffnungen auf ein Überhangmandat zerschlagen sich im Verlauf des Abends. Er sei sehr niedergeschlagen, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende im Land. „Wir müssen ernsthafte Konsequenzen ziehen.“ Eine lange Karriere geht damit zu Ende. Er werde sich künftig ehrenamtlich einbringen. „Das Herz schlägt weiter links“, sagt er fast trotzig.

Die AfD ist stark, aber für den Landtag reicht es knapp nicht

Die AfD holt im Wahlkreis 15,04 Prozent, aus dem Stand. Es sei ein „schöner Abend“, sagt der Kandidat Dieter Mangold auf der Feier in seinem Ludwigsburger Büro. Bis kurz vor Mitternacht weiß der Jurist nicht, ob es für ein Zweitmandat reicht – dann kommt die Nachricht aus Stuttgart: es reicht nicht, ziemlich knapp. Mangold wird, wie er es schon lange geplant hat, bald eine eigene Kanzlei eröffnen.

Auch die FDP-Kandidatin Stefanie Knecht feiert – im Scala und mit ihrem Wahlkampfteam. Sie liegt mit ihren 8,91 Prozent über dem Landesergebnis. „Ich konnte ja nur gewinnen“ , sagt die Frau, die erst 2013 in die FDP eingetreten ist. Aber auch für sie gilt: starkes Ergebnis, das Mandat trotzdem verpasst. Enttäuschend verläuft der Abend für die Linke, die erneut an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert. „Ich hatte nicht damit gerechnet, dass wir reinkommen, aber schon auf leichte Zuwächse gehofft“, sagte der Wahlkreis-Kandidat Oliver Kube in den Ludwigsburger Kronenstuben. Immerhin ein Gutes hat das Resultat für ihn: Er kann an diesem Montag wie vorgesehen sein Studium in Stuttgart beginnen.

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